Felsklettern mehr als Touristen-Magnet sehen

Anfang August 2009 wurde das Klettergebiet „Kappler­stein“ offiziell eröffnet – schon damals mit über 30 ausgewiesenen Klettertouren an der bis zu 20 Meter hohen Felswand.
Anfang August 2009 wurde das Klettergebiet „Kappler­stein“ offiziell eröffnet – schon damals mit über 30 ausgewiesenen Klettertouren an der bis zu 20 Meter hohen Felswand.
Foto: Peter Kehrle WP
  • Routen heißen „Lurchi“ oder „Prinzessin Natalie“
  • Alpenverein als Betreuer
  • Austausch in der „Kletterarena“

Aue-Wingeshausen..  Sie heißen „Lurchi“ oder „Lumpi“, aber auch „Prinzessin Natalie“ oder „Letzte Ausfahrt Röspe“ – die Routen im Kletterfelsen „Kapplerstein“ zwischen Aue und Wingeshausen. Mit ganz verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Wer darüber mehr wissen möchte: Für die Kletter-Szene in ganz Nordrhein-Westfalen gibt es im Internet das Portal www.kletterarena.info. Mittlerweile die wichtigste Internetseite für die Kletterer in NRW. Dahinter steckt unter anderem der Berleburger Karsten Althaus (46), selbst aktiver Kletterer. Allerdings kommt aus seiner Sicht das Abenteuer Felsklettern als potenzieller Magnet in der Werbung um Touristen in der Region noch viel zu kurz.

Andere Regionen sind in der Vermarktung einen Schritt voraus: Das sehe im benachbarten Winterberg oder in Warstein zum Beispiel schon ganz anders aus, sagt Althaus. Von dort aus werde die Kletter-Szene in der Region sogar aktiv unterstützt – weshalb man im Gegenzug natürlich gerne Kletter-Gäste auf Unterkünfte dort oder auch im nahen Raum Schmallenberg verweise.

„Kletterarena“ als Plattform

Die „Ferienwelt Winterberg“ (www.winterberg.de) etwa bietet über ihren „AktivStore“ im Internet Schnupper-Kurse der „Kletterarena“ für 12 Euro pro Person an. Mit Seil und Karabiner gesichert lernen die Teilnehmer Knoten und Seiltechniken, probieren übliche Kletter-Bewegungen aus – und durchklettern dabei eine 15 Meter hohe Felswand. In den „Top Charts“ der Rubrik steht das „Kletter-Erlebnis am Naturfelsen“ derzeit auf Platz 1.

Zum Vergleich: Im Internet-Auftritt der Stadt Bad Berleburg haben Wandern und Radfahren oberste Priorität. Auf den Webseiten der neuen BLB-Tourismus GmbH (www.blb-tourismus.de) rangiert „Klettern“ in der Rubrik „Aktiv & Draußen“ immerhin an dritter Stelle – mit Verweis auf die Kletterwand Kapplerstein samt Kurs-Angebot, aber auch den nahen Kletterwald Winterberg.

Heute sind es beim „Grundkurs Felsklettern“ des Deutsche Alpenvereins (DAV) Hochsauerland drei Pärchen aus Soest, Hamm und Arnsberg, die am Kapplerstein üben. Aufmerksam beobachtet Ausbilder Althaus, wie sie sich vorsichtig und prüfend die ersten Meter den Fels hinauftasten.

Grundsätzlich könne übrigens „jeder an den Felsen, der Know-how hat und die Ausrüstung“, so Althaus. Keine Anmeldung, kein Eintritt. Doch ohne eine solide Schulung sollte niemand mit diesem spannenden Sport beginnen, betont der Ausbilder.

„Partnercheck“ gegen Unfall-Risiko

Der DAV empfiehlt grundsätzlich den „Partnercheck“ vor dem Losklettern: Werde er konsequent und gewissenhaft ausgeführt, sinke das Risiko eines Unfalls deutlich. Optimal abgesichert wird der Aufstieg in der Wand dann aber zu einem unvergleichlichen Erlebnis. Von diesem besonderen Kick zeugen auch die strahlenden Gesichter der Kurs-Teilnehmer an diesem Abend am Kapplerstein.

Probleme beim Klettern in der Natur melden die Fans im „Routen-Feedback“ der „Kletterarena“. „In der Route ,Grina Stä’ hat sich heute ein Stein/Block in der Größe von rund einem Meter verabschiedet“, schreibt zum Beispiel „Christian“ am 5. Juni über seine Erfahrung am Kapplerstein. „Die Route hat sich dadurch eventuell in der Bewertung und im Routenverlauf leicht verändert.“

„Da hat die Sektion Hochsauerland des Deutschen Alpenvereins aber schon reagiert“, beruhigt Karsten Althaus. Der DAV betreut die Kletterwand am Kapplerstein – und überprüft sie auch regelmäßig auf mögliche Gefahren. Gerade nach dem Winter, so Althaus, in dem zum Beispiel Frost die Felsformationen verändern, lockern kann.

Der Berleburger gehört übrigens zu einer Gruppe von Kletterern aus Wittgenstein, bei den unter anderem Marc Sonneborn aus Wingeshausen mitwirkt, der wie Karsten Althaus als erfahrener Kletterer ein eigenes Kurs-Angebot (www.sportplusfunamrothaarsteig.de) gestaltet. Zudem gibt mittlerweile auch eine DAV-Whats­App-Gruppe, in der sich etwa 80 Kletterer aus dem gesamten Sauerland austauschen.

 
 

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