„Es wird positive Veränderungen geben“

Die Bewohner des Erndtebrücker Seniorenzentrums werden regelmäßig wie auch umfassend versorgt – und das nicht nur während des „Internationalen Tags der Pflege“.
Die Bewohner des Erndtebrücker Seniorenzentrums werden regelmäßig wie auch umfassend versorgt – und das nicht nur während des „Internationalen Tags der Pflege“.
Foto: WP
Carsten Rau ist seit Februar Leiter des Seniorenzentrums Erndtebrück. Im Interview kündigt er mehr Personal im Einsatz an – und ruft Ehrenamtliche zum Mitmachen auf.

Erndtebrück..  Das AWO-Seniorenzentrum Erndtebrück unter neuer Leitung – was hat sich in den vergangenen fünf Monaten an der Struthstraße getan? Zehn Fragen an den neuen Leiter, Carsten Rau, der hier noch einiges an Entwicklungspotenzial sieht.

Seit Februar sind Sie für die AWO im Dienst. Wie waren Ihre ersten Wochen am neuen Arbeitsplatz?

Carsten Rau: Als erstes habe ich hier ein überaus freundliches und kompetentes Mitarbeiter-Team vorgefunden, was nicht selbstverständlich ist. In den ersten Wochen ging es vorrangig darum, sich erst einmal einen Ist-Zustand über das AWO-Seniorenzentrum Erndtebrück zu verschaffen. Dazu wurden viele Gespräche mit Mitarbeitern, Bewohnern, deren Angehörigen und externen Dienstleistern geführt.

Von neuen Heimleitern versprechen sich die Arbeitgeber ja oft frischen Wind in der Einrichtung. Wo lassen Sie den nun wehen?

Oberste Priorität ist: Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen sich rundherum wohlfühlen – und das Erreichen einer hohen Mitarbeiter-Zufriedenheit. Wir werden jetzt versuchen, die durch die vielen Gespräche gewonnenen Erkenntnisse nach und nach umzusetzen. Hierzu tragen auch die regelmäßig stattfindenden abteilungsübergreifenden Besprechungen bei. Es wird positive Veränderungen geben. Wir werden jetzt kurzfristig über eine zweite Wohnbereichsleitung in der Pflege verfügen sowie bei einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Stunden-Erhöhung vornehmen, um weiterhin dauerhaft eine adäquate und gute Pflege leisten zu können. Des Weiteren werden auch verstärkt Ausflüge für die Bewohnerinnen und Bewohner angeboten.

Stichwort Pflege: Bleibt dem Team im Hause trotz hohem Aufwand etwa für die Dokumentation genügend Zeit für den direkten Sozialkontakt zu den Pflegebedürftigen?

Eindeutig ja. Der Dokumentationsaufwand ist schon sehr hoch, betrifft jedoch überwiegend die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Pflege. Für die direkten Sozialkontakte stehen aber zusätzlich noch zwei Mitarbeiterinnen des Sozialen Dienstes sowie noch vier Betreuungsassistentinnen zur Verfügung. Hier finden auch intensive Gespräche direkt am Bett der Bewohnerinnen und Bewohner statt.

Eine Belegungsquote bei 75 Prozent – da ist noch Luft nach oben. Wie ließe sich das Erndtebrücker Seniorenzentrum besser auslasten?

Aktuell liegt die Quote bei 75,6 Prozent. Durch gute Arbeit, motivierte Mitarbeiter und gute Benotungen bei externen Prüfungen. Die letzte Beurteilung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erfolgte am 20. Januar. Hierbei wurde die Benotung 1,4 – „sehr gut“ – erteilt. Das A und O ist und bleibt eine positive Mundpropaganda nach außen. Ferner wäre eine Erhöhung der Auslastung durch Alleinstellungsmerkmale denkbar. Des Weiteren werden aktuell Marketing-Maßnahmen forciert und die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert.

Die AWO betreibt auch das Fritz-Heinrich-Seniorenzentrum „Auf der Pfingstweide“ in Bad Laasphe. Inwieweit ist eine Zusammenarbeit beider Einrichtungen sinnvoll?

Eine Zusammenarbeit gibt es ja bereits in Form der Zubereitung des Mittagessens durch Bad Laasphe für uns. Zusammenarbeit ist natürlich sinnvoll unter Nutzung weiterer Synergie-Effekte. Dazu werden demnächst Gespräche geführt.

Senioren-Nachmittag mit dem AWO-Ortsverein, Sommerfest, Adventsfenster im Dezember – der Veranstaltungskalender des Hauses ist übersichtlich. Was meinen Sie: Ginge da noch mehr? Oder wäre ein Mehr zuviel des Guten?

Da geht jetzt schon viel mehr. Ziel ist, die Bewohner und das Seniorenzentrum noch intensiver in das Gemeinschaftsleben von Erndtebrück zu integrieren sowie umgekehrt auch das Gemeinschaftsleben in das Seniorenzentrum.

Für die Caféteria sind weitere Ehrenamtliche gesucht. Gibt es für Ehrenamtliche darüber hinaus womöglich noch Aufgaben im Hause?

Selbstverständlich, direkt am Bewohner. Denkbar wäre es etwa, Vorlesungen, Gesellschaftsspiele, Gedächtnistraining, Spazierengehen, musikalische Unterhaltung anbieten, Gymnastik oder einfach nur nette Gespräche mit den Bewohnern zu führen. Derzeit arbeiten 20 Ehrenamtliche mit dem AWO-Seniorenzentrum Erndtebrück zusammen. Weitere Interessierte sind übrigens herzlich willkommen und dazu eingeladen, sich über die Ehrenamtstätigkeit hier bei uns zu informieren.

Ein Heimleiter blickt auf seine Karriere zurück: Welche Erfahrungen haben Sie bisher im Pflegebereich gemacht?

Dass der Druck im Gesundheitswesen stetig steigt. Zum einen durch gesetzliche Regularien, denen wir zwangsläufig unterworfen sind, des Weiteren durch das permanente und weitere Auseinanderklaffen des Verhältnisses von Pflegenden zu Pflegebedürftigen. Zukünftig werden immer weniger ausgebildete Fachkräfte der stetig wachsenden Zahl an Pflegebedürftigen gegenüberstehen. Hier ist ganz klar die Politik gefragt, um diesem Missverhältnis entgegenzuwirken.

Sie haben bis 2014 als Heimleiter für das „Gesundheitszentrum Wittgenstein“ in Bad Laasphe gearbeitet. Wie sehen Sie die Zukunft der Altenpflege in der Emmaburg unter der Regie neuer Investoren?

Dazu kann ich mir kein Urteil erlauben. Mehr Informationen, als bisher aus der örtlichen Presse zu entnehmen, habe ich auch nicht. Aber eine Chance ist immer gegeben.

Die Politiker im Erndtebrücker Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur wünschen sich Carsten Rau als eine Art beratendes Mitglied. Wie würden Sie selbst Ihre Rolle in diesem Gremium sehen?

Ich erhoffe mir dadurch natürlich auch von politischer Ebene positive Impulse und Unterstützung, um das AWO-Seniorenzentrum in Erndtebrück weiter nach vorne zu bringen und unsere Bewohner noch mehr in das Erndtebrücker Gemeinschaftsleben integrieren zu können. Aber wie der Begriff „beratendes Mitglied“ schon sagt, werde ich natürlich versuchen, mein bisher erworbenes Wissen zu jeder möglichen Fragestellung dem Ausschuss zur Verfügung zu stellen.

Mit Carsten Rau sprach
Eberhard Demtröder.

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