Es ist nicht alles süß rund um den Zuckerhut

Es ist wohl auch im Antlitz zu sehen: Joao Paulo Cuenca (l.) hat den Schalk im Nacken sitzen. Bewiesen hat das in seiner Übersetzung zu „Mastroianni. Ein Tag“ der mehrfache „Wiederholungstäter“ in Sachen 20. Literaturpflaster Michael Kegler.
Es ist wohl auch im Antlitz zu sehen: Joao Paulo Cuenca (l.) hat den Schalk im Nacken sitzen. Bewiesen hat das in seiner Übersetzung zu „Mastroianni. Ein Tag“ der mehrfache „Wiederholungstäter“ in Sachen 20. Literaturpflaster Michael Kegler.
Foto: WP

Bad Berleburg..  Joao Paulo Cuenca ist einer der besten Jungen Brasiliens, stellt das Literaturmagazin „Granta“ fest. Dass dies stimmt, stellten jetzt die Zuhörer des Sanitätshauses Kienzle bei der letzten Lesung des 20. Bad Berleburger Literaturpflasters fest. In 2003 hat der Autor aus Rio de Janeiro sein erstes Buch veröffentlicht und ist fortan auf der Erfolgsleiter nach ganz oben unterwegs. In Berleburg stellte er gemeinsam mit seinem Übersetzer und Moderator Michael Kegler „Mastroianni. Ein Tag“ vor. Michael Kegler ist in Berleburg „Wiederholungstäter“. „...und ewig grüßt das Murmeltier“, lacht er in die frohe Publikumsrunde und legt sogleich los, seinen „Schützling“ Cuenca vorzustellen.

Tiefe Einblicke in Rios Gesellschaft

Zwei abgebrannte Streichhölzer begegnen sich in Rio, zwei Taugenichtse, die 24 Stunden lang durch die Stadt ziehen, von Bar zu Bar. Cuenca spart durch den gesamten Roman hindurch nicht mit delikaten Beschreibungen. Personen, Gegenstände und die Stadt Rio beschreibt er mit haarkleiner Genauigkeit. Ein weiteres, stilistisch sehr wirksames Mittel, dessen er sich bedient, ist eine Stimme, die permanent aus dem „Off“ spricht, schimpft und maßregelt. Der Autor selbst lässt die Interpretation offen, wessen Stimme es ist. Es kann der Leser mit erhobenem Zeigefinger sein oder der erzürnte Gott, dem das Treiben der Protagonisten Pedro Cassavas und Tomas Anselmo nicht passt. Expressiv und ironisch schildert Cuenca das Klischee einer Generation, die sich vor Idolen nicht mehr retten kann und aus lauter Furcht vor Gemeinplätzen sich untrennbar mit diesen vermischt.

Tomas, ein Loser, Pedro der Möchtegern-Dandy. Sie beiden durchleben einen komplett sinnlosen Tag. Es verschwimmen Trugbilder und Inszenierungen ineinander, in einer Welt von Bars und Hotels, die die beiden Männer zusammen mit Veronica und Maria exzessiv erleben. Brasilianische Mittelschicht – spöttisch betrachtet.

Cuenca, gibt detaillierte Information über die Megametropole Rio. Das Postkartenszenario mit Zuckerhut und Christusfigur ist Spitze des Eisbergs, das Schöne sichtbar. Hinter dem Rio teilenden Gebirgszug beginnt das Elend, die Favelas, in denen sich die Menschen mehr schlecht als recht am Leben erhalten. Die Kriminalität ist hier zu Hause, aber nicht hausgemacht durch die Menschen in den Favelas. Sie sind Opfer der Kriminellen aus der feinen Gesellschaft. Drogenhandel und Beschaffungskriminalität beherrschen den Alltag, flankiert von fadenscheinigen Polizeiaktionen.

Literaturpflaster geht weiter

Im Sanitätshaus Kienzle hat sich der Autor übrigens sehr wohl gefühlt, da sei er an richtiger Stelle, denn auch er habe bis zu seinem fünften Lebensjahr Einlagen in den Schuhen tragen müssen. Schmunzeln. Doch Hubert Kienzle und Claudia Schwarz taten ihm und den Gästen im Sanitätshaus als Gastgeber ein weiteres Gutes: es gab typisch brasilianische Snacks kreiert durch die Familie des Helios-Arztes Dr. Ralf-Achim Grünther.

Dies war zwar die letzte Lesung, dennoch, es geht weiter: Am 4. November hält der ehemalige deutsche Botschafter in Brasilien, Dr. Uwe Kaestner, einen landeskundlichen Vortrag,

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