Es gibt zwei Sorten Frauen. . .

Carla Berling schlüpft bei ihren kabarettistischen Lesungen in die Haut der Ostwestfälin Maria Jesse, die sich mit ganz normalen Ansichten zu ganz normalen Leuten zu Wort meldet.
Carla Berling schlüpft bei ihren kabarettistischen Lesungen in die Haut der Ostwestfälin Maria Jesse, die sich mit ganz normalen Ansichten zu ganz normalen Leuten zu Wort meldet.
Foto: WP

Bad Laasphe..  Carla Berling, aus Bad Oeynhausen stammende und heute in Köln wohnende Erfolgsautorin, befindet sich zurzeit auf einer kabarettistischen Lesereise quer durch die Republik. Auf ihrer Tour legte die waschechte Ostwestfälin am Dienstag auf Einladung der VHS Siegen-Wittgenstein und der Gleichstellungsstelle Bad Laasphe einen Zwischenstopp in der Lahnstadt ein. Mitgebracht hatte sie amüsante Begebenheiten und Überlegungen ihrer Romanfigur Maria Jesse zu den Themen „Wechseljahre“ und „Kulturschock“, die vergnügten und für manchen lauten Lacher sorgten. Als drittes Werk in dieser Reihe erscheint nächste Woche „Jesses Maria – Hochzeitstag“, aus der sie quasi als Weltpremiere das Kapitel „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“ las.

Eine ganz normale Frau

Maria ist eine ganz normale Frau mit gewöhnlichen Ansichten. Sie ist geschieden, erinnert sich noch genau an ihr erstes und ihr letztes Mal, kann viele Geschichten über ihren Ex Manni erzählen. Obwohl sie nicht neugierig ist, will sie alles wissen und gibt ihre Gedanken als innere Monologe wieder. So tauscht sie sich mit ihrer Freundin Conny über die Wechseljahre aus, erzählt von plötzlich auftretenden hitzigen Zeiten und wachen Nächten, von einem Überschuss männlicher Hormone, was zu Haarwuchs an bisher unbekannten Stellen und Haarausfall an bekannten führen kann und vom vergeblichen Kampf gegen Speckröllchen. Sie inspiziert im Schwimmbad den Pflegezustand von Männerfüßen, macht Verabredungen von deren Erscheinungsbild abhängig. Eine Erkenntnis setzt ihr allerdings sehr zu: Es gibt in den Wechseljahren zwei Sorten Frauen. Die einen bekommen drei Kinnpartien und Körbchengröße D, die anderen sind sexy, schlank, ausgeschlafen und haben entspannte Mundwinkel.

Frusthenne will auswandern

Letzteres ist von immenser Bedeutung, hat doch Maria ausgemacht, dass Mundwinkel das Indiz fürs Sexualleben sind. Ein Beispiel dafür ist Kollegin Isa, eine Frusthenne mit Auswanderungsplänen. Die glänzt mit Mundwinkeln bis zum Kinn, ist – wen soll das wundern – immer noch Single. Freundin Conny, das genaue Gegenteil der missliebigen Kollegin, habe jetzt sogar erotische Fotos von sich machen lassen. Ob die in Internet-Foren trotz Detailarbeiten mit Photoshop und Weichzeichner an Busen und Popo jedoch der Renner sein würden, wage sie zu bezweifeln, denn „wie reagiert ein Kerl, wenn er auf die harte Wirklichkeit trifft?“

Maria bringt auch zum Ausdruck, was Frau Merkel macht, wenn sie im Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten eine Hitzewelle überfällt? Oder wie geht Birgit Schrowange vor laufender Kamera damit um? Herrlich amüsant schildert sie den Besuch des Gottesdienstes am Heiligabend, in der die bekannten Gesichter genau analysiert wurden, berichtet vom Besuch beim viel zu gut aussehenden Frauenarzt („da gehe ich nicht mehr hin, denn ein hübscher Frauenarzt ist so ziemlich das Letzte, was ich in meinem Zustand brauche“) und den allzu menschlichen Folgen des Genusses von Grünkohl bei Tante Anni.

Die ausschließlich weiblichen Besucher waren von der leidenschaftlichen Lesung Carla Berlings, bei der die ehemalige Journalistin ihre Romanfigur Maria Jesse schwungvoll aufleben ließ, restlos begeistert und sparten nicht mit einem starken Schlussapplaus.

 
 

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