Erndtebrücker schlägt einem Partygast die Zahnprothese aus

Das Amtsgericht Bad Berleburg veurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe.
Das Amtsgericht Bad Berleburg veurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe.
Foto: dpa
  • Körperverletzung wurde schon zum dritten Mal verhandelt
  • Angeklagter wurde vor zwei Jahren schon mal zu Arrest verurteilt
  • Alkoholeinfluss wirkte sich strafmildernd aus

Bad Berleburg.  Der Prozess gegen einen jungen Erndtebrücker, der seinem Opfer nach einem Fest alle Zähne herausgeschlagen hatte, endete zwar am Dienstag mit einem Urteil – allerdings dürfte sich in absehbarer Zeit mindestens ein Zeuge wegen einer Falschaussage ebenfalls vor dem Amtsgericht verantworten.

Bereits zum dritten Mal wurde ein Zwischenfall verhandelt, der sich bei der Blaulicht-Party in Wundert­hausen zugetragen hatte. Tatort war im Januar der Außenbereich beim Kassenhäuschen vor der Schützenhalle. Dort entsteht ein Tumult – und anschließend schlägt mutmaßlich ein Erndtebrücker unvermittelt zu. Der Malträtierte verliert alle Zähne, weil er eine Prothese trägt.

Angeklagter werde als Sündenbock benutzt, so der Verteidiger

Während Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel beim Opfer keine Belastungstendenzen ausmacht, bewertet Rechtsanwalt Frank Henk die umfangreiche Beweisaufnahme völlig anders. Er stuft seinen Mandanten als eine Person ein, die öfter mal aneckt und deshalb gelegentlich als Sündenbock benutzt wird.

Mit dem Anecken kennt sich der Beschuldigte aus – wurde er doch 2014 wegen eines ähnlichen Vorfalls zu zwei Wochen Arrest verurteilt, weil er vor einer beliebten Erndtebrücker Gaststätte einem Besucher zwei Schneidezähne heraus geschlagen hatte. 18 Monate Gaststätten-Verbot wurden zusätzlich verhängt.

Bei der zweiten Verhandlung hatte er noch folgende Verteidigungsstrategie gefahren: „Ich war so betrunken, dass ich es nicht gewesen sein konnte.“ Das wollte auch ein Zeuge so bestätigen. „Er lag auf dem Boden, und da habe ich ihn wieder hochgeholt“, will ein 25 Jahre alter Maschinenführer in der Tatnacht festgestellt haben. Zu dritt habe man ihn dann ins Auto verfrachtet, irgendwelche Tumulte habe man nicht gesehen.

Keine Zweifel an der Tat

„Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass sie zugeschlagen haben“, war sich Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel sicher, dass sich der Schlag so zugetragen hatte, wie in der Anklage vorgetragen wurde. Während Verteidiger Frank Henk auf Freispruch plädierte, forderte die Vertreterin eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro.

Als strafmildernd hatte sie dabei noch die verminderte Schuldfähigkeit aufgrund seines hohen Alkoholisierungsgrades angeführt. Diesem Antrag konnte auch das Amtsgericht unter Leitung von Richter Hoffmann folgen. Möglicherweise geht der Erndtebrücker aber in Berufung.

 
 

EURE FAVORITEN