Eine Spannende Zeitreise durch 90 Jahre Radio

Museumsleiter Hans Necker und Medienwissenschaftler Dr. Hans-Jürgen Krug tragen zur Sendung einige interessante Anekdoten bei.
Museumsleiter Hans Necker und Medienwissenschaftler Dr. Hans-Jürgen Krug tragen zur Sendung einige interessante Anekdoten bei.
Foto: Wolfgang Thiel
  • 45-minütige Sendung über die Geschichte des Radios in Wittgenstein und Biedenkopf
  • Viele originale Tonausschnitte von 1931 bis heute
  • Ausstrahlung am Freitagabend im Bürgerfunk

Bad Laasphe..  Knappe fünf Wochen dauerte sie, die Fertigstellung eines bisher so noch nicht dagewesenen Projektes. Konzeptioniert durch den Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Krug und unterstützt vom Laasphe Radiomuseum sowie der Landesanstalt für Medien NRW ist die Produktion der Radiosendung „Radio im Hinterland und in Wittgenstein“ abgeschlossen. Die knapp 50-minütige Sendung wird am kommenden Freitag, 18. November, um 20 Uhr im Bürgerfunk-Fenster von Radio Siegen ausgestrahlt.

Aus dem Archiv

In Form einer Klangcollage mit vielen Original-Schnipseln aus den letzten neun Jahrzehnten wird dabei die Geschichte des Hörfunks in Wittgenstein und dem hessischen Grenzland rekapituliert. Und auch die dunklen historischen Kapitel werden dabei nicht ausgespart. „Der Kampf um Stalingrad ist zu Ende“, schallt es dem Hörer in einem Sendungsausschnitt vom 3. Februar 1943 entgegen. Die Entwicklung des Radios wird aber nicht nur durch solche Aufnahmen dokumentiert. Zeitzeugen, Historiker und Akademiker kommen zu Wort, auch den musikalischen Änderungen im Laufe der Zeit wird ausreichend Platz geräumt. Beginnt die Übertragung noch mit Marschrhythmen, gibt es am Ende kreischende E-Gitarren-Soli auf die Lauscher. Hans Necker als Inhaber des Laaspher Radiomuseum darf als Redegast natürlich auch nicht fehlen.

„Zum Teil sind die Aufnahmen von CDs runtergenommen, einiges kommt auch aus meinem Archiv“, verrät Krug, der sich sehr erleichtert zur Fertigstellung der Sendung äußert: „Ich bin froh, dass das alles so geklappt hat und wir einen Sender gefunden haben, der dies auch ausstrahlt. Es ist ja schon ein Formatbruch, den wir ihnen da zumuten.“

Ein ums andere Mal darf dabei auch geschmunzelt werden. Vor allem, wenn Werner Reichel, mit 80 Jahren ältestes Mitglied des „Produktionsteams“, davon erzählt, wie er und seine Familie damals versuchten, den Hörfunk in die eigenen vier Wände zu bringen. Da wurde dann auch schon mal ein Metalldraht aus dem Küchenfenster gehängt und am Zwetschgenbaum im Garten befestigt, um als Antenne zu dienen. Wenngleich die Empfangsqualität zu dieser Zeit als eher unterdurchschnittlich einzustufen war, wurde das Radio plötzlich ein wichtiger Bestandteil der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung.

Regionalität

Auch die Entstehung von regionalen Spartenprogrammen ist Thema. Ausschnitte aus Lokalfenstern mit Entertainer- und Moderationslegenden wie Carmen Thomas und Peter Frankenfeld unterstreichen die Popularität von schmerzlich vermissten Formaten wie „Hallo Ü-Wagen“ oder dem „Frankfurter Wecker“ und. „Das war damals das Sensationellste überhaupt, ein Liveprogramm um 6 Uhr morgens“, erinnert sich einer der Zeitzeugen. Hans-Jürgen Krug hatte den Fokus bei der Planung ohnehin auf den Faktor der Regionalität gelegt: „Wir wollen mit dieser Sendung einen Nagel mit Substanz in die Wand hauen und einen anderen Zugang in die Region legen. Wir leben in einer Mediengesellschaft, aber die Verbreitung von Medien auf regionaler Ebene ist hier immer noch eine Leerstelle.“

Das fertige Programm soll den geneigten Hörer also nicht nur zur kurzweiligen Unterhaltung dienen, sondern auch zum Nachdenken und Forschen anregen. „Ich hoffe, dass wir weitermachen und die Analysen vertiefen können. Es gibt sicher noch viel zu entdecken, vielleicht haben manche ja auch noch alte Radiomitschnitte zuhause“, spekuliert Krug.

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