Eine Hackschnitzel-Heizung für zwei Dörfer

Das zentrale Heizwerk fürs neue Nahwärme-Netz könnte auf dem Gelände des Fuhrunternehmers Enrico Beuter am Birkelbacher Bahnhof entstehen. Hier lagert bereits das passende Material: bergeweise Holzhackschnitzel.
Das zentrale Heizwerk fürs neue Nahwärme-Netz könnte auf dem Gelände des Fuhrunternehmers Enrico Beuter am Birkelbacher Bahnhof entstehen. Hier lagert bereits das passende Material: bergeweise Holzhackschnitzel.
Foto: WP
Das zentrale Heizwerk für ein geplantes Nahwärme-Netz in Birkelbach und Womelsdorf könnte auf einem Gelände am Birkelbacher Bahnhof entstehen.

Birkelbach/Womelsdorf..  Die Zentralheizung im Keller ist von gestern. Jetzt kommt die Wärme im Haus direkt aus einem Rohrleitungsnetz, das zum neuen Hackschnitzel-Heizwerk auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Schleifenbaum in Birkelbach führt. Es ist quasi die neue Heizzentrale für die beiden Nachbardörfer Birkelbach und Womelsdorf. Zukunftsmusik? Sicher. Aber: Die gute Idee für dieses Projekt ist da, es fehlen nur noch ausreichend Interessenten.

Bei 150 Häusern wird’s wirtschaftlich

„Gleich zum Start in den ersten Monaten müssen mehr als die Hälfte der rund 300 Häuser in beiden Orten ans Netz“, sagt Frank Leyener vom eigens gegründeten Initiativkreis Nahwärmenetz Birkelbach-Womelsdorf. „Sonst ist das Ganze unwirtschaftlich.“ Und der Arzt aus Feudingen hat großes Interesse an alternativen Konzepten zur Energieversorgung, gehört der neu gegründeten Energiegenossenschaft Bad Laasphe an. Mit Birkelbach verbinden Frank Leyener Ferienwohnungen, die er dort betreibt.

Die Idee zur Nahwärme aus einer Hand für zwei Dörfer kommt eigentlich von Enrico Beuter: Der Wingeshäuser Fuhrunternehmer lagert in Birkelbach Holzhackschnitzel in verschiedenen Formen und verarbeitet sie dort auch weiter. Das Heizwerk wäre eine logische Erweiterung am Standort.“

Bundeswehr als Beispiel

Seit zweieinhalb Jahren betreibt Beuter in Birkelbach eine Trockenanlage für die gelagerten Späne, die er auch an Bioenergie-Dörfer etwa in Hessen liefert. Und er hat mittlerweile festgestellt: Da geht noch mehr, hätte man eine Wärmequelle, also eine Heizung. Dann der Gedanke: Warum diese Heizung nicht größer bauen, für das ganze Dorf? Also „ein Nahwärme-Netz von Bürgern für Bürger“, schwärmt Beuter. Die Bundeswehr in Erndtebrück mache es vor: „In der Hachenberg-Kaserne sind alle Häuser auf diese Weise verbunden.“ Oder das Abenteuerdorf bei Wemlighausen: Auch hier werden die Gebäude auf dem Gelände künftig mit Wärme aus einer Hackschnitzel-Heizung versorgt. „Je mehr Leute da bei uns mitmachen, umso günstiger und effektiver ist es für den Einzelnen“, sagt Beuter.

Erste Pläne für ein Nahwärme-Projekt in Birkelbach und Womelsdorf liegen auf dem Tisch. Und wie reagieren die Bewohner? „Es gibt schon mehrere Dutzend, die davon wissen“, weiß Frank Leyener vom Initiativkreis Nahwärmenetz Birkelbach-Womelsdorf. Und die Idee spreche sich weiter herum. Prinzipiell könne man mehr als 1000 Einwohner mit dem neuen Netz erreichen.

Eine Ersparnis für Hausbesitzer ergebe sich vor allem „dadurch, dass man keine eigene Heizung mehr vorhalten muss“, erklärt Frank Leyener. „Im Nahwärme-Netz zahle ich nur für die tatsächlich verwendete Energie.“ Außerdem spare man sich die Kosten für den Schornsteinfeger. Interessant könne die Nahwärme als Alternative für Eigentümer werden, so Leyener weiter, die gerade vor einer notwendigen Umrüstung ihrer Öl- oder gar Nachtspeicher-Heizung auf teure Brennwert-Technik stünden. In einem Neubau mit neuer Heizung dagegen mache das keinen Sinn, weil bereits in Geräte und Betrieb investiert worden sei.

Aber es gibt auch Nachteile: Die Dichte der Bebauung in beiden Dörfern ist gering, der Aufwand für den Netz-Aufbau mit hohen Kosten verbunden. Vor allem dann, wenn die Nahwärme-Rohre unter der Straße verlegt würden. Die Alternative: „Wir gehen durch Wiesen und Gärten“, sagt Frank Leyener. Das müsse man natürlich vorher mit den Eigentümern abklären, die idealerweise später auch Abnehmer seien.

„Ich finde, da ist ein sehr spannendes Projekt“, sagte Erndtebrücks Bürgermeister Henning Gronau diese Woche im Ausschuss für Bauen und Gemeinde-Entwicklung. „Das hat die Gemeinde auf jeden Fall auf dem Schirm.“ In derselben Sitzung bat Achim Stremmel (SPD), Architekt aus Womelsdorf und Mitglied im Initiativkreis, die Gemeinde, das Nahwärme-Projekt bereits jetzt etwa bei der Sanierung von Straßen zu berücksichtigen. So werde es einfacher, die nötigen Nahwärme-Rohre zu verlegen.

„Es geht auch darum, ökologischer zu heizen“, betont Stremmel im Gespräch mit unserer Zeitung. Für das Projekt stehe der Initiativkreis deshalb in engem Kontakt zur Energieagentur NRW. Nicht zuletzt, um an Fördergelder für eine Machbarkeitsstudie zu kommen, sobald genug Bereitschaft der Bewohner da sei mitzumachen. Mit dieser Studie, so Stremmel, werde man den Bürgern dann auch „verbindliche Zahlen“ etwa zum Einsparpotenzial vorlegen können.

Stremmel: Öko-Gedanken vorantreiben

„Ich selbst habe zuhause eine Öl-Heizung, 18 Jahre alt“, erzählt Stremmel. Auf die könne er aber verzichten, um mit einem Nahwärme-Anschluss „den ökologischen Gedanken voranzutreiben“. Alte Heizzentrale samt Öltanks raus, kompakte Wärme-Übergabestation rein – und die Verbindung ist hergestellt.

Anschließen lassen würde sich auch Achim Wickel, Mitinhaber der Womelsdorfer Mühle. Der Feudinger ist ohnehin fasziniert von alternativer Energieversorgung, baut an der Mühle gerade ein Wasserkraftwerk, um Strom zu erzeugen. „Das ist eine ganz starke Nummer“, lobt Wickel die Nahwärme-Idee.

Grundsätzliche Unterstützung hat der Initiativkreis ebenso von den beiden Ortsvorstehern. „Ich stehe hinter dem Projekt“, sagt Fritz Hoffmann für Birkelbach. Allerdings müssten „jetzt natürlich Zahlen auf den Tisch, damit die Anlieger wissen, was auf sie zukommt. Was die Kilowattstunde kostet.“ Und wenn die Zahlen stimmen, „würde ich das schon empfehlen“, so Hoffmann.

Sein Amtskollege Andreas Nölling aus Womelsdorf rät Interessierten, sich schon jetzt bei den wöchentlichen Treffen des Initiativkreises in der Birkelbacher Grundschule zu informieren. Aber auch er ist überzeugt, dass sich ein Anschluss für viele Haushalte auf längere Sicht rechne.

 
 

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