Ein Labor gegen leerstehende Immobilien

Lars-Peter Dickel
Die Schaufenster-Dekoration kann kaum über den Leerstand hinwegtäuschen. Bei Gewerbeimmobilien ist der Leerstand viel auffälliger als bei Wohnungen.
Die Schaufenster-Dekoration kann kaum über den Leerstand hinwegtäuschen. Bei Gewerbeimmobilien ist der Leerstand viel auffälliger als bei Wohnungen.
Foto: WP
Die drei Wittgensteiner Kommunen machen aus der Demografie ein Versuchsobjekt. Warum stehen Häuser und Wohnungen leer und warum finden wieder andere Immobilien Käufer und Mieter? Das Regionalprojekt soll Antworten und Werkzeuge liefern.

Wittgenstein/Bad Laasphe. „Wir sollten nicht den Weg des Totschweigens wählen“, sagt Bad Laasphes Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann. Gemeint ist das Problem der leerstehenden Immobilien in Wittgenstein. 700 Häuser und Wohnungen sind es über den Daumen gepeilt, weiß Spillmann. Eine Größenordnung, die Besorgnis erregt und nicht allein bewältigt werden kann.

Wittgenstein wehrt sich

Mit dem Labor WittgensteinWandel, einem von der Regionale-Agentur Südwestfalen

ausgezeichneten Sterneprojekt, gehen die drei Wittgensteiner Kommunen Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück diese Auswirkung des Demografischen Wandels an. In Zeiten in denen der ehemalige Bundesminister Klaus Töpfer öffentlich und plakativ fordert, nicht mehr in die kleinen Dörfer zu investieren, weil das im Grunde herausgeschmissenes Geld sei, wehrt sich Wittgenstein. „Ich halte unsere Dörfer für lebenswert“, kontert Spillmann.

Den Bad Laaspher Bürgermeister ärgert das Pauschalurteil: „Ich kann nicht von dem ländlichen Raum sprechen, sondern ich muss von den ländlichen Räumen sprechen.“ Das heißt, die Probleme der Überalterung, der Landflucht sind nicht überall gleich stark ausgeprägt. Es gebe regionale Unterschiede. Als derzeitigem Verbandsvorsteher des Zweckverbands Region Wittgenstein laufen bei dem Bad Laaspher die Fäden des Leerstandsmanagements zusammen.

Ein wesentlicher Punkt ist das Leerstandskataster. Hier werden aus Prognosegründen auch Häuser und Wohnungen mit nur noch einem oder zwei Bewohnern erfasst. Die Daten dazu liefern verschiedene Kriterien für die Nutzung, z.B. angemeldete Stromzähler und Wasseruhren.

Erste Erfolge in Feudingen

Hinzu kommt aber auch Expertise der Ortsvorsteher und die Ortsbesichtigung. Nur so kann vermieden werden, dass beispielsweise länger nicht vermietete Ferienwohnungen, selten genutzte Zweitwohnsitze oder nur übergangsweise Leerstände in den Kataster hineingeraten. Der Kataster beschreibt den Ist-Zustand, die ständige regelmäßige Überprüfung liefert die Fluktuation. Und genau hier setzt das Leerstandsmanagement an: Spillmann und das Team wollen wissen, warum Gebäude leerstehen, oder warum sie wieder einen Käufer oder Bewohner gefunden haben. „Das Warum kann uns das Werkzeug liefern, andere Leerstände zu beseitigen und Prognosen zu erstellen.“

Genau diese Prognosen sind laut Spillmann eben von Dorf zu Dorf sehr unterschiedlich. Gerade kleinen Ortschaften wie Christianseck in Bad Berleburg oder Großenbach in Bad Laasphe bescheinigt Spillmann entgegen vieler Prognosen und Befürchtungen ein gutes Entwicklungspotenzial. „Es gibt einen Markt für Immobilien in ruhiger Lage beispielsweise am Rothaarsteig.“