Ein Konzert als Erlebnis mit Langzeitwirkung

Christian Koch und Kati Illichmann zündeten gemeinsam mit dem Hinterland Jazz Orchestra im Haus des Gastes so manche Rakete.
Christian Koch und Kati Illichmann zündeten gemeinsam mit dem Hinterland Jazz Orchestra im Haus des Gastes so manche Rakete.
Foto: Wolfgang Thiel
Ihr klingendes Handwerk verstehen sie zweifellos aus dem Effeff, der Sänger Christian „Gickel“ Koch und seine Gesangspartnerin Kati Illichmann sowie das „Hinterland Jazz Orchestra“ unter der Leitung Charly Mutschler. Aber sie legen eben auch noch jene paar Prozent drauf, die aus einem tollen Konzert ein Erlebnis mit Langzeitwirkung machen.

Bad Laasphe..  Auf Einladung von TKS und Kulturring gastierte am Samstag das „Hinterland Jazz Orchestra“ in seinem NRW-Premierenauftritt im Haus des Gastes. „Music was my first love“ – mit diesem Klassiker der Rockmusik von John Miles hatte die Big Band aus dem hessischen Hinterland ihre neue Show überschrieben – und damit vielen Zuhörern aus dem Herzen gesprochen.

Evergreens der Musikgeschichte

Gute Musik muss bei aller technischen Brillanz die Seele der Menschen erreichen, um nicht als flüchtiger Genuss in den Gehörgängen zu verhallen. Ihr klingendes Handwerk verstehen sie zweifellos aus dem Effeff, der Sänger Christian „Gickel“ Koch und seine Gesangspartnerin Kati Illichmann sowie das „Hinterland Jazz Orchestra“ unter der Leitung Charly Mutschler. Aber sie legen eben auch noch jene paar Prozent drauf, die aus einem tollen Konzert ein Erlebnis mit Langzeitwirkung machen. It’s Showtime – Big Band Groove mit Gesang von Swing bis Pop.

Die erste Bläserattacke von vielen auf der Reise zu den größten Evergreens der Musikgeschichte in dem gut zweistündigen Programm. Das Publikum geht sofort mit. Swing-Klassiker und gefühlvolle Balladen schmeicheln den Lauschern.

Wem da bei diesen Rhythmen kein angenehmer Schauer über den Rücken läuft, der sollte mit übelstem Heavy Metal der finnischen Band Lordi oder herziger Volksmusik aus den bayerischen Bergen nicht unter vier Stunden bestraft werden. Denn bei den Hessen swingt es so fein, dass der Fuß einfach mit muss. Immer wieder streuen die Musiker Soli ein, präsentieren sich trotz dieser Ausflüge als homogene Einheit.

Der Fuß wippt mit

Hören, staunen, genießen und klatschen – so die Aufgabenfolge des Publikums bei den Auftritten von Kati Illichmann und Christian „Gickel“ Koch, der darüber hinaus durch das Programm des Abends führt. Ob beim Abstecher zum „Girl from Ipamena“ oder dem an Peggy Lee angelehnten „Fever“ von Kati Illichmann, Peter Fox „Haus am See“ und Caro Emeralds „A night like this“ – die Mischung stimmte.

„Blues kann jeder spielen!“

Unangestrengt geht es Richtung „Highway to hell“ und „Mack the knife“. Joe Cockers „You can leave your hat on“, Gloria Gaynors „I will survive“ und Michael Bublés „Quando, quando, quando“ perlen wie die mit zahlreichen Soli gespickte Reminiszenzen an Louis Armstrong, Bert Kämpfert und Frank Sinatra Richtung Zuhörerschar. Manch Gutes wurde allerdings von dem mächtigen Sound bisweilen gehörig unter Druck gesetzt.

Zum Schluss des Bad Laaspher Konzertes boten die hessischen Gäste mit „New York, New York“, „Music was my first love“ und den Zugaben „My way“ sowie Jon Bon Jovis unter die Haut gehendes „Hallelujah“ den Zuhörern ein wahres Feuerwerk meisterlicher Kompositionen. Klar, dass sich das begeisterte Publikum bei einer solch starken Präsenz der Band von den Sitzen erhob und lang anhaltend applaudierte.

Dabei hatte die Bandgeschichte recht bescheiden im Jahr 2008 auf dem Geburtstag von Charly Mutschler angefangen. Damals ergingen sich ein paar Anwesende in tiefer Tristesse, wie unmusikalisch sie doch seien. Alles Quatsch, meinte Mutschler daraufhin: „Blues kann jeder spielen!“ Gesagt, getan, und so beschlossen die fünf Freunde, sich zu einer gemeinsamen Jam-Session zu treffen – und zwar im Keller von Hans Wolf in Holzhausen.

Mit knapp vier Quadratmetern war da nicht viel mehr Platz als auf einer Briefmarke, aber immerhin ausreichend genug, um das junge Pflänzchen zum Blühen zu bringen.

 
 

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