Ehrung Walter Krämers rückt näher

Weidenau.  Wenn es nach dem Künstler Erwin Wortelkamp geht, ist der Walter-Krämer-Platz in rund sechs Wochen fertig. Dann werde auf der noch freien Fläche vor dem Kreisklinikum zu dem als Arzt von Buchenwald bekannt gewordenen Humanisten „hingeführt durch Ablenken“. Derzeit verlegen Arbeiter den Haupteingang der Klinik, um Raum zu schaffen für den Platz, über den so lange gestritten wurde.

Erwin Wortelkamp setzte sich in einem Künstlerwettbewerb gegen 21 Konkurrenten durch. Sein Vorschlag für eine Ehrung Walter Krämers, der von den Nazis ermordet wurde und als einer der wenigen Deutschen vom Staat Israel als Gerechter unter den Völkern geehrt wird, erhielt den Zuschlag der Jury.

Geste von Geben und Nehmen

Jury-Leiter, Professor Christoph Brockhaus, erläuterte am Mittwoch – außer dem Künstler selbst – wesentliche Merkmale des Gewinner-Entwurfs, „wenige Elemente, die aber optisch markant in Erscheinung treten werden“. Im Zentrum – allerdings nur bildlich: eine Stele. In Sicherheitsglas wird dort das Porträt Walter Krämers eingebrannt, auf etwa 1,70 Meter Höhe, der ungefähren Köpergröße Krämers. Eine Bronzehand steht in einiger Entfernung und lässt „der Stele auf dem neuen Platz ihren Wirkungsraum“, teilte Erwin Wortelkamp mit. Über den Platz soll sich zudem ein sechs Meter langes Textband ziehen. Auf Basalt-Lava-Platten ist dann Emmanuel Levinas’ Satz „Die Sorge über den anderen siegt über die Sorge um sich selbst“ zu lesen.

Eine weitere, winkelförmige Bronze wird an der Krankenhaus-Fassade angebracht: „Die Form der Skulptur scheint die Architektur zu klammern, aber ebenso gibt sie der Arbeit erst einen Halt“, so der Künstler. „Wenn man will, eine Geste von Geben und Nehmen.“ Im Foyer finden sich zwei Aquarelle. Der Patientengarten, unmittelbar neben dem Walter-Krämer-Platz, ist per Rasen mit der neuen Fläche verbunden. „Im Inneren der Neuanlage entstehen durch rhythmisch gegliederte Hecken in unterschiedlichen Höhen Passage- und Verweilräume mit verschiedenen Sitzgruppen.“ QR-Code und Flyer informieren über das Leben und Wirken Walter Krämers.

Deutliches Signal

„Mit dem Platz setzt die Region ein deutliches Signal“, sagte Landrat Andreas Müller. Und zwar eines, das nicht zuletzt in Siegen-Wittgensteins israelischer Partnerregion Emek Hefer wahrgenommen werde. „Es ist allerhöchste Zeit, dass Walter Krämer eine entsprechende Ehrung und Würdigung in seiner Heimatstadt zuteil wird“, betonte Bürgermeister Steffen Mues.

Die Kosten für das Neugestalten des Bereichs vor dem Kreisklinikum, inklusive Integrieren der Kunst, belaufen sich laut Krankenhausangaben auf etwa 85 000 Euro.

Ein Postadresse ist der Walter-Krämer-Platz nicht.