Drei Sprengkammern am Didoll sind verfüllt

Christoph Vetter
Mit einer Beton und einer Schotterdecke sind drei Sprengschächte an der Landstraße zwischen Didoll und Puderbach zunächst verfüllt worden. Demnächst sind die letzten Spuren des Kalten Krieges unter der neuen Fahrbahndecke verschwunden.
Mit einer Beton und einer Schotterdecke sind drei Sprengschächte an der Landstraße zwischen Didoll und Puderbach zunächst verfüllt worden. Demnächst sind die letzten Spuren des Kalten Krieges unter der neuen Fahrbahndecke verschwunden.
Foto: WP
Nach dem Ende des Kalten Krieges sind die Trichtersperren in den Straßen überflüssig geworden

Puderbach/Richstein.  Nur hinter vorgehaltener Hand durfte früher über sie gesprochen werden – ihre Existenz war eine geheime Kommandosache. Jetzt sind auf Wittgensteiner Straßen die wohl letzten Sprengschächte aus Zeiten des Kalten Krieges mit Beton verfüllt und damit unbrauchbar gemacht worden. Entbehrlich sind diese so genannten Trichtersperren seit Perestroika, Glasnost und Wiedervereinigung.

Ein Sprengschacht ist ein in die Straße eingelassenes Bauwerk, das es den NATO-Truppen im Kalten Krieg erlauben sollte, den Vormarsch starker militärischer Verbände des Warschauer Pakts zu bremsen (Quelle: Wikipedia)

„Seit der Entspannung in den Ost-West-Beziehungen, sind die Schächte belanglos. Sie werden einfach nicht mehr gebraucht“, erklärt Eberhard Zimmerschied, Abteilungsleiter „Betrieb und Verkehr“ der Straßen.NRW auf Anfrage. Sein Arbeitgeber, die NRW-Regionalniederlassung in Siegen, hat die Sanierung und den Neubau der Landstraße 903 zwischen Puderbach und Richstein an die Erndtebrücker Firma Herzog in Auftrag gegeben. Im Zuge der vorbereitenden Maßnahmen wie Holzeinschlag (wir berichteten exklusiv) und aktuell der Grabenaushebungen sind dieser Tage auch die drei, auf rund 30 Meter hintereinander liegenden Sprengschächte verfüllt worden.

Betonschächte sind sieben Meter tief

„Die waren sieben Meter tief“, weiß Polier Claudius Bald vor Ort. Und seine Bauleiterin, Bianca Dettmer (Fa. Herzog) beschreibt: „Wir haben die Deckel der alten Sprengschächte abgenommen und die Röhren, die in die Böschung führten, herausgenommen und danach verfüllt. Jetzt erfolgt noch die militärische Abnahme durch die Bundeswehr.“

Nanu. Was hat die Bundeswehr denn heute noch mit veralteten, unnützen Trichtersperren in der Straße zu tun? Die Antwort darauf liefert Ralf Kirstein (Baumanager im Bereich Infrastruktur der Bundeswehr). Er erläutert, dass der Bund seinerzeit aus Kostengründen auf den Rückbau von mehr als 3000 solcher Anlagen in Deutschland verzichtet habe. Vielmehr habe man – wie kürzlich bei Elsoff und jetzt am Didoll – ohnehin geplante Straßenbaumaßnahmen für den Rückbau der Sperren genutzt. Kirstein: „Es gibt eine Vereinbarung zwischen Baulastträger und Bund. Der zahlt den Teilausbau, und wird durch die militärische Abnahme aus der Verkehrssicherungspflicht entlassen.“ Vor Ort wird in der kommenden Woche an der Baustelle ein so genannter Wallmeister des Landeskommandos Hessen der Bundeswehr mit Vertretern des Landesbetriebs Straßen zur Abnahme an der Baustelle sein. Laut Ralf Kirstein gibt es „dann zwei Unterschriften und die Sache ist erledigt“.