Die Welt aus Hesselbacher Sicht betrachtet

Viele Hesselbacher kamen zur Vernissage in das Haus des Gastes. Foto: Benedikt Bernshausen
Viele Hesselbacher kamen zur Vernissage in das Haus des Gastes. Foto: Benedikt Bernshausen
Foto: Benedikt Bernshausen

Bad Laasphe..  Mehrere Dutzend Besucher streifen im Anschluss der Vernissage durch den großen Saal und die Eingangshalle des Hauses des Gastes. Einige schreiten plaudernd an den Stellwänden vorbei, andere verweilen minutenlang wortlos vor einem der Werke, die die beiden Künstler Tanja Tang-Kuhn (Malerin) und Rainer Wunderlich (Fotograf) unter dem Titel „Hesselbach im Bild“ zusammengetragen und ausgestellt haben.

Der Titel ist allerdings trügerisch: Zwar finden sich unter den Kunstwerken auch einige, die das Dorf oder seine Bewohner zeigen. Vielmehr blicken die Gäste aber auf Kunstwerke, die Ausschnitte der Welt durch „Hesselbacher Augen“ zeigen – nämlich die von Tang-Kuhn, die im Ort aufwuchs, und Wunderlich, der vor Jahrzehnten von Feudingen in das obere Banfetal zog. „Wir zeigen sozusagen Kreativität, geboren in Hesselbach“, sagt Rainer Wunderlich schmunzelnd.

Menschen im Mittelpunkt

Derweil konzentrieren einige Besucher ihre Aufmerksamkeit auf ein Foto in der Eingangshalle. Es zeigt einen alten Mann in alpenländischer Tracht, sitzend, mit geschlossenen Augen und leicht gesenktem Kopf, die rechte Hand auf den Knauf seines Gehstocks gelegt – er ist eingeschlafen. Wunderlich hat seinem Bild den Namen „Entrückt“ gegeben. Und den interessierten Besuchern erzählt er nun die Geschichte hinter dem Foto sowie Grundsätzliches zur zunächst heimlichen Potraitfotografie, die die Menschen ausschließlich in annehmbaren, ästhetischen Posen zeigen und keines Falls bloßstellen sollte. Gegenüber hängt das Abbild eines zweiten Mannes: Sardegna – Sardinien, heißt es und zeigt einen alten, lächelnden Sarden, mit weißem Rauschebart und einem vom harten Leben gezeichneten Gesicht.

Blick ins Surreale

Er hat dem Bild die Farbe genommen, zeigt den Menschen in schwarz und weiß. Eine Betrachterin staunt: „Beeindruckend!“ Darüberhinaus finden sich Natur- und Tierfotografien in der Ausstellung, Makroaufnahmen und Panoramen, und neben Impressionen aus Hesselbach sogar Reisefotos, wie die Skyline von Dubai. Aus dieser abgebildeten Wirklichkeit, entführt Malerin Tanja Tang-Kuhn die Gäste in eine surrealistische Welt. Ihre Gemälde zeigen zum Beispiel Instrumente, die in den Wolken schweben, oder die Erdenschaukel, auf der fünf Kinder, die die verschiedenen Erdteile repräsentieren, nebeneinander sitzen. Dabei sollen die Bilder nicht nur schön sein – oft transportiert die Malerin auch Botschaften, die teilweise unter die Haut gehen. Ein Kind im grünen Strampelanzug kriecht auf allen Vieren. Es ist umgeben von Alkoholflaschen und gefüllten Aschenbechern und trägt den Titel „Auf dem Rücken des Kindes“. Sichtlich bewegt resümiert eine Betrachterin: „Unglaublich, was manche Menschen ihren Kindern zumuten!“

Der Blickfang der Ausstellung ist allerdings ein echtes Hesselbach-Gemälde: In Öl hat Tanja Tang-Kuhn darauf die Dorfjugend und ihren Vater, Ortsvorsteher Jürgen Tang, festgehalten. Umgeben sind die Menschen im Mittelpunkt von markanten Gebäuden und Örtlichkeiten des Dorfes. In Bildern wie diesem offenbart die in Oberbayern lebende Künstlerin ihre Verbundenheit zur Heimat.

Ähnlichkeiten

Die Idee zur Ausstellung hatten beide im vergangenen Sommer. Zweifel, ob Malerei und Fotografie tatsächlich harmonieren, waren schnell ausgeräumt. „Ich habe mir angeschaut wie Rainer arbeitet, wie er ein Motiv entdeckt, raffiniert in Szene setzt und eine Aussage trifft. Es sind große Ähnlichkeiten zwischen seinen Fotos und meinen Gemälden“, erzählt Tanja Tang-Kuhn.

Rainer Wunderlich beschreibt sich nicht mit dem Wort Künstler. Er sagt schlicht: „Wenn meine Bilder anderen Leuten gefallen, dann bin ich auf dem richtigen Weg!“ Auch dass Tang-Kuhn ihn angesprochen habe, sei eine „schöne Bestätigung“ seiner Arbeit gewesen. Ebenso sind die vielen Besucher, die aus Hesselbach zur Vernissage in das Haus des Gastes gekommen sind, eine tolle Bestätigung. Musikalisch untermalten Maximilian Kuhn (Piano) sowie Maren Gerhardt und Heide Schmidt (Geige) die Feierstunde, eine Laudatio hielt die Anne Gerhardt. Darin fragt die Hesselbacherin, was Kunst sei – und findet eine vortreffliche Antwort: „Kunst ist für mich das, was uns heute Tanja Tang-Kuhn und Rainer Wunderlich präsentieren!“

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