Die Stones und das Lebensgefühl einer ganzen Generation

Großformatige Aufnahmen setzen die „braven Jungs“ ins rechte Licht.
Großformatige Aufnahmen setzen die „braven Jungs“ ins rechte Licht.
Foto: WP

Bad Laasphe. Das Motto der Ausstellung in der Lahnstadt, mit der bis einschließlich 9. Februar das Siegener Rockmuseum und das Internationale Radiomuseum die 70. Geburtstage von Mick Jagger und Keith Richards würdigen, ist einem Interview entnommen, das die beiden 2008 der Zeitschrift „Bild der Frau“ gaben: „Wir sind ganz brave Jungs“, erzählten die Rock-Dinos treuherzig, und man kann sich gut vorstellen, wie sie innerlich dabei gegrinst haben. Den Rolling Stones ist die größte Teilsammlung des Ehepaars Mary und Wolfgang Thomas gewidmet – in Bad Laasphe stehen nun die beiden Stones-Bosse Jagger und Richards im Mittelpunkt.

Handsignierte Gitarre

Zu sehen sind neben vielen Schallplatten, zum Teilgroßflächigen Konzert- und Filmpostern sowie Büchern und Zeitschriften aus fünf Jahrzehnten und vielen weiteren Sammlerstücken, zu denen das Ehepaar Thomas selbst erlebte Geschichten zu erzählen weiß, auch eine 1995 von allen Stones und Begleitmusikern signierte Gitarre.

Schwindelerregende Höhen und tragische Tiefen, ausverkaufte Tourneen, Charterfolge und Trennungsgerüchte: Die Karriere der Rolling Stones ist ein Auf und Ab. Angefangen als Fans von schwarzer Blues-Musik, lieferte die Band in den Sechzigern den Soundtrack für rebellische Jugendliche, erzählt uns der Stones-Fan Wolfgang Thomas.

Später werden die wilden Jungs zur größten Rock-Band des Planeten und bleiben es bis in die heutige Zeit. Am 27. Juli 1943 wurde Michael Philip Jagger in Dartford bei London geboren, wo er in behüteten Mittelklasse-Verhältnissen aufwuchs. Schon als Jugendlicher war Jagger fasziniert von dem als schmutzig geltenden Rhythm&Blues. Eine Leidenschaft, die er mit seinem einstigen Grundschulfreund Keith Richard (am 18. Dezember 1943 ebenfalls in Dartford geboren) teilte.

Den Grundstein der Rolling Stones legten die beiden 1962 gemeinsam mit Gitarrist Brian Jones, Schlagzeuger Charlie Watts und Bassist Bill Wyman. Die bösen Buben zeichneten das genaue Ebenbild zu den sittsamen Superstars Beatles. „Je mehr Eltern euch hassen, desto mehr werden die Kids euch lieben“, prophezeite Manager Andrew Loog Oldham den jungen Stones. Damit lag er absolut richtig.

Der Song „(I can’t get no ) Satisfaction“ schlug 1965 ein wie eine Bombe. Er verkörperte den Geist der 1960er Jahre, das Aufbegehren der Jugend gegen spießige Elternhäuser, die sexuelle Revolution. Und Jagger? Er wurde mehr als der drogenauffällige Keith Richards zum Vorbild und Sexsymbol für Jugendliche weltweit. „Ich wäre lieber tot, als mit 45 noch „Satisfaction“ zu singen“, hatte der 32-jährige Jagger 1975 getönt. Von wegen – auch mit 70 Jahren fegt das Faltengesicht in der grünen Glitzerjacke noch über die Bühnen der Welt, wie im Juli 2013 im englischen Glastonbury. Wobei er vom Alter her nicht einmal mehr der Vater der meisten Konzertbesucher sein könnte, sondern der Großvater. Hinzu kamen zwei Auftritte im Londoner Hyde Park, mit Ticketpreisen von bis zu 1000 Euro. Und wen verwundert es: Als Zugabe gab es „Satisfaction“.

Die hautengen Hosen, die wie an den Leib geklebt wirkenden Hemden oder gleich ein komplett freier Oberkörper, dazu die Bühnentanzschritte, die er sich von Tina Turner beibringen ließ: Jaggers Womanizer-Image sind ganze Generationen zum Opfer gefallen. Abbildungen seiner wulstigen Lippen treiben noch heute Posterauflagen in die Höhe. Doch die wilden Zeiten sind bei dem Siebzigjährigen, der mittlerweile zum Ritter geschlagen und zum Ehrendoktor zweier Universitäten ernannt wurde, vorbei - privat lässt es der Stones-Frontmann schon seit einiger Zeit ruhiger angehen.

 
 

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