Deine Leute hätten besser Kraniche gezählt

„NABU stört sich an enormen Höhen“ vom 25. November. Wenn ich NABU höre, denke ich sofort an die klasse Aktion „Bunte Meter für Deutschland“. Man sollte Wildblumenwiesen anlegen, damit der Stieglitz (Vogel des Jahres 2016) immer was Leckeres zu fressen hat. Ich selbst habe an dieser Aktion teilgenommen und hatte in diesem Sommer erstmals zwei Stieglitze in meinem Garten.

Jetzt lese ich aber in der Westfalenpost, dass der NABU Radau macht wegen des Hochregallagers unten beim Bikar in Raumland. Das Hochregallager zerstöre das Landschaftsbild, heißt es, und der Erholungswert der Ederaue in Raumland und Berghausen mit ihren Rad- und Spazierwegen werde sinken. Wenn ich so was lese, sage ich mir: Lieber NABU, da wäre es doch sinnvoller gewesen, deine Leute hätten Kraniche am Himmel gezählt oder Frösche über die Straßen getragen mit einem gelben Plastikeimer. Tatsache ist: Wenn man eine Fläche als Industriegebiet ausweist, dann ist das naturgemäß so, dass der Erholungswert sinkt und in der Folge ein Dorf nicht mehr so aussieht wie Zinse oder Puderbach.

Und das wussten die Raumländer damals (70er Jahre) auch. Die Frage, die sich beispielsweise meinen Eltern seinerzeit stellte: Was willst du? Betriebe und also Arbeit und Brot oder weiterhin Ackerflächen, auf denen ein einzelner Bauer mit Hut herumfährt mit seinem grünen Deutz? Die Raumländer, realistische Leute durch und durch, haben sich für die Betriebe entschieden, also für Arbeit und Brot, konkret: für BSW, Obermeier und Bikar. Ich gestehe: Auch mir wäre es lieber, ich würde, wenn ich zum Fenster hinausschaue, eine Landschaft vorfinden wie am Ammersee. Ist aber nicht so.

Das ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr so. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt. Und die Raumländer auch. Und wenn ich „Erholungswerte“ haben will, dann gehe ich hoch zum Eisenstein oder in den Hopplerbach oder ich setze mich oben an der Hörre auf eine Bank.

Was viel mehr stört, was wirklich stört, sind diese Windkrafträder, die in Wittgenstein aus dem Boden schießen wie Bärlauch im Garten im Mai. Aber da hörst du vom NABU nichts. Da hat zwar mal einer gesagt, da oder da soll kein Windkraftrad hin, weil da der Rotmilan seine Runden dreht, aber davon abgesehen: nichts. Und dabei sind es gerade diese fast 200 Meter hohen „Windmühlen“, die in Wittgenstein „Erholungswerte“ und „Landschaftsbilder“ nachhaltig kaputt machen. Aber das nimmt der NABU offenbar schulterzuckend hin.

Der NABU indes macht lediglich ein bisschen Radau wegen eines Lagers, das ohnehin niemanden stört.

 
 

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