Biomeiler heizt altem Gasthaus auf dem Stünzel ein

Schicht für Schicht, getrennt durch Netze, wächst der Meiler innerhalb der aufgespannten Folie. Hier packen Scholtens Familie und ein paar Freunde mit an. Befüllt wird die Anlage vor allem mit Holzhackschnitzeln.
Schicht für Schicht, getrennt durch Netze, wächst der Meiler innerhalb der aufgespannten Folie. Hier packen Scholtens Familie und ein paar Freunde mit an. Befüllt wird die Anlage vor allem mit Holzhackschnitzeln.
Foto: WP
Die neue Kompost-Heizung wirkt jetzt erst einmal gegen feuchte Wände des Baudenkmals, das Eigentümer Frank Scholtens derzeit renoviert. Und später soll sie für wohlige Wärme in den Räumen sorgen, die der 53-jährige Informatiker aus den Niederlanden ganz „im Jugendstil“ wieder auferstehen lassen möchte.

Stünzel..  1500 Euro in eine neue Heizungsanlage investieren, damit ein ganzes Haus beheizen und obendrein noch Warmwasser erzeugen? Wie das funktioniert, demonstriert Frank Scholtens, seit 2012 Eigentümer des alten Gasthauses Grübener auf dem Stünzel bei Bad Berleburg. Schicht für Schicht wächst im großen Garten gerade sein ganz privater Biomeiler – aus 110 Kubikmetern Holzhackschnitzeln, ein wenig Mist und Grünschnitt.

Scholtens – 53 Jahre alt, Informatiker aus den Niederlanden – fühlt sich in Wittgenstein sauwohl, findet die Leute hier oben auf dem Stünzel „einfach toll“. Und die wiederum sein Öko-Energieprojekt. Nachbarn wie Heinz Mengel schauen da immer wieder gerne vorbei.

Zwölf Kilowatt Leistung hat die Kompost-Heizung, die hier gerade entsteht. Die Hackschnitzel kommen aus der Lagerhalle des Erndtebrücker Unternehmers Enrico Beuter, und beim Anschluss der Heizzentrale mit großem Pufferspeicher für das Warmwasser hilft die Fachfirma Klotz aus Rinthe.

„Im Moment ist für mich nur interessant, das Haus trocken zu bekommen“, sagt Scholtens. Beim Rundgang mit ihm durchs Haus zeigt sich: Die meisten Wände sind feucht. Deshalb hat der Hausherr rund einen Kilometer Rohre aus Kunststoff und Eisen verlegt, als „Wand-Heizung“. Fünf bis sechs Monate, so schätzt er, werde der Trocknungsprozess dauern. Dafür wird anfangs bis zu 70 Grad warmes Wasser durch die Rohre strömen. Und später werden die Wände dann eben Heizwärme in den Raum abgeben – allerdings bei wesentlich niedrigeren Temperaturen.

Ganz neu sei die Biomeiler-Technik jedoch nicht, verrät Scholtens. Schon in den 70er Jahren sei sie bekannt gewesen. Übrigens: Der 53-Jährige führt in einem Internet-Blog ein Tagebuch zu seinem Wittgen­steiner Projekt – allerdings auf Niederländisch.

Webcam hat Bauarbeiten im Visier

Von einem Fenster des Treppenhauses hat eine Webcam die Bauarbeiten für den Biomeiler im Garten perfekt im Visier. Sie überträgt ins Internet, wie die Familie des Bauherrn und Freunde für den Meiler ackern – mit Mietbagger, Schaufeln, Rechen und viel Einsatzfreude. Das gilt aber auch für Teilnehmer eines Workshops, den der Verein „Native Power“ aus Hannover vor Ort veranstaltet – Thema: „120 Kubikmeter Biomeiler für Wandheizung nach Großeschmidt“. Die Theorie hatten die 17 Teilnehmer aus Paderborn oder Delbrück, aber auch aus England oder den Niederlanden schon hinter sich – jetzt also die Praxis.

Leiter des Workshops ist Heiner Cuhls. Für ihn hat der Meiler klare Vorteile etwa gegenüber einer Solaranlage: „Er liefert Wärme 24 Stunden am Tag“, ist außerdem „wartungs- und störungsfrei.“

Sicher: „Native Power“ als Verein mag noch relativ neu sein – doch deren Mitglieder haben offenbar Erfahrung mit dem Meiler-Bau. An die 60 haben sie schon in Deutschland aufgebaut, sind aber auch im Ausland aktiv – im November zum Beispiel für ein Kloster im Himalaya. Der Meiler in Wittgenstein ist der erste des Vereins in NRW.

Frank Scholtens Gesamtziel: das alte Gasthaus mit viel Fachwerk innen „im Jugendstil“ zu restaurieren, der für die Anfänge des 20. Jahrhunderts so typisch war. Dafür verwendet der Bauherr vorzugsweise ökologische Materialien wie Holz, Lehm, Kalk – „wie vor 200 Jahren“. Passt also ganz gut zum Biomeiler. Fertigstellung? Da nimmt sich Scholtens Zeit: „In den nächsten fünf Jahren“, sagt er lässig.

Und was kommt beim Biomeiler hinten raus? Wärme natürlich. Aber noch viel mehr: nämlich wertvoller Humus, wenn die Bakterien beim Kompostierprozess in den drei Hackschnitzel-Schichten nach 15 bis 18 Monaten ihren Dienst getan haben. Humus, den Scholtens „erst einmal für den eigenen Garten“ nutzen möchte – aber schon weiterdenkt: „Der lässt sich sicher später auch gut verkaufen.“

 
 

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