Bei Abonnements klingelt die Vereinskasse

Lesestoff wie politische Magazine, Sportfachzeitschriften oder auch die goldenen Blätter gehören zurProduktpalette, die die Werber des Vereins Sportjugend-Förderung im Angebot haben.
Lesestoff wie politische Magazine, Sportfachzeitschriften oder auch die goldenen Blätter gehören zurProduktpalette, die die Werber des Vereins Sportjugend-Förderung im Angebot haben.
Foto: Jakob Studnar

Wittgenstein..  Die Sportjugend-Förderung e.V. ist in Wittgenstein unterwegs und wirbt ganz gezielt Abonnenten für Zeitungen und Zeitschriften wie den Kicker oder den Spiegel. Das Geschäftsmodell ist klar definiert. Heimische Sportvereine helfen den Zeitschriften-Werbern als Türöffner in den Dörfern und können im Gegenzug auf Prämien für ihre Jugendarbeit hoffen. Das Angebot reicht von Bällen über Trikotsätze bis hin zu vierstelligen Geldbeträgen.

In Aue-Wingeshausen hat diese Werbe-Praxis für Irritationen gesorgt die zum Abbruch der dortigen Werbekampagne geführt haben. Hintergrund ist ein Kommunikationsfehler, wie Martin Völkel im Namen der Jugendarbeit der Fußballabteilung einräumt. Die hatten es versäumt, den TSV-Hauptvorstand um Norbert Heier zu informieren. Der wurde von Nachfragen durch TSV-Mitglieder überrascht und stoppte das Ganze.

Keine Drückerkolonne

Das Gerücht einer Drückerkolonne machte im Internet in Windeseile die Runde. Sehr zum Leidwesen aller Beteiligten: „Wir sind ein ganz seröser Verein und alles ist mit den Vorständen der Sportvereine abgesprochen“, erläutert Michael Marx. Der ist 1. Vorsitzender des beim Amtsgericht Aachen eingetragenen gemeinnützigen Vereins Sportjugend-Förderung.

Gemeinnützig heißt aber nicht zwangsläufig uneigennützig: Es geht zwar auch um die Förderung von Jugendarbeit, in erster Linie werden aber Druck-Erzeugnisse verkauft. Marx ist auch Inhaber der FX-Sportwerbung, die unter dem Motto „Sport statt Drogen“ Zeitungsleser wirbt. Wie bei der sogenannten Sportjugend-Förderung verzichten hier geworbene Leser zugunsten von (ihren) Sportvereinen auf Werbeprämien. In der Zusammenarbeit mit den Vereinen wird die Anzahl der Abschlüsse in Punkte umgerechnet. Je nach Punktestand fallen die Prämien für die Partnervereine aus: „Das geht bis zu 300 Punkten oder 5000 Euro“, erläutert Marx im Gespräch mit der Heimatzeitung. Niemand werde gezwungen, ein Abonnement abzuschließen. Sollten Kunden es sich im Nachhinein anders überlegen, werde ihnen auch bei der Rücknahme oder Kündigung geholfen. Aus Gründen der Transparenz erhielten die Vereine später auch eine Liste aller Abonnenten und derer die ihre Zusagen widerrufen hätten, erläutert Marx.

Referenzen sprechen für

Dass das Angebot nicht unseriös sei, machen der Jugendleiter des VfB Banfe, Carsten Roth, und der Vorsitzende der Sportfreunde Birkelbach, Olaf Wunderlich, deutlich. Für beide Vereine waren erst kürzlich Werber in den umliegenden Ortschaften unterwegs. Was für die Vereine dabei herumkommt, steht aber noch nicht fest.

Auch Martin Völkel und Roland Kuffner vom TSV Aue Wingeshausen betonen, dass sie sich im Vorfeld bei anderen Clubs erkundigt haben. So soll der FC Hilchenbach in den vergangenen drei Jahren 3625 Euro für seine Jugendfußballer zusammenbekommen haben. Auf der Internetseite der Sportjugend-Föderung finden sich unter den Referenzen auch Vereine aus Schmallenberg, Ottfingen und Attendorn, die allesamt mindestens dreistellige Beträge erhalten haben sollen.

EURE FAVORITEN