Autorin aus Berleburg veröffentlicht ihr zweites Bilderbuch

Bilderbuchgeschichte von Melanie Thiel-Rieger wird auch in China aufgelegt.
Bilderbuchgeschichte von Melanie Thiel-Rieger wird auch in China aufgelegt.
Foto: Wolfgang Thiel
Autorin und Illustratorin Melanie Thiel-Rieger aus Berleburg bringt ihr zweites Buch auf den Markt. Ein Bilderbuch für Erwachsene ist auch geplant.

Bad Berleburg..  Auf ihrer Visitenkarte steht „Melanie Thiel-Rieger – Autorin“; auf der Rückseite: „Filius Fledermaus“. Mit dieser Figur hat die Berleburgerin den Durchbruch auf dem deutschen Kinderbuchmarkt geschafft. Anfang des Monats erschien die Fortsetzung, „Filius und Filine“. Wir haben mit Melanie Thiel-Rieger gesprochen, wie sie den Spagat zwischen Vollzeit-Job im Kindergarten und kreativen Schreibphasen schafft – und inwieweit die Kinderbilderbücher auch Lesestoff für Erwachsene sein können.

„Filius und Filine“ ist jetzt Ihr zweites Kinderbilderbuch. Was ist das für ein Gefühl, sein zweites Werk jetzt in den Händen zu halten?

Melanie Thiel-Rieger: Bei der ersten Filius-Geschichte habe ich mich noch nicht als Autorin gefühlt – das hat sich geändert. Als ich ein paar Exemplare vom neuen Buch geschickt bekam, war ich total aufgeregt und habe das Paket feierlich zusammen mit meinem Mann ausgepackt. Ich bin zu 100 Prozent mit dem Buch zufrieden, die Farben sind viel freundlicher und die Linien klarer als im ersten Filius-Teil. Das war mir wichtig, dass das Buch dieses Mal fröhlicher wirkt – obwohl das die Kinder gar nicht als so düster empfunden haben.

Vor sechs Jahren haben Sie den Kindern Filius Fledermaus vorgestellt. Warum gerade die Figur der Fledermaus?

Ich wollte ein Tier in den Mittelpunkt stellen, das eben nicht Jedermanns Liebling ist. Die Fledermaus hat ja eher einen schlechten Ruf. Im ersten Teil wird Filius von Hase, Maus und Igel ausgegrenzt, weil er neu im Wald ist. Umso wichtiger ist die Botschaft, dass Filius nicht aufgibt. Er ist zufrieden mit sich, hinterfragt und reflektiert die Situation – und wird am Ende akzeptiert. Mit Filius können sich die Kinder identifizieren, die auch zum ersten Mal Ausgrenzung erfahren. Filius ist ein Held. Mein Held.

Das Thema hinter der süßen Bilderbuchgeschichte ist also durchaus ernst. Wie wird das im neuen Teil „Filius und Filine“ fortgesetzt?

Auch hier geht es wieder um Ausgrenzung und Abweisung, dieses Mal allerdings aus einer anderen Perspektive. Filine ist ein weißes Fledermausweibchen, hebt sich schon allein durch ihre Erscheinung von ihren Artgenossen ab. Filius ist fasziniert von ihr, wird von Filine allerdings immer wieder herablassend behandelt, weil sie sich für etwas ‘Besseres’ hält. Später stellt sich heraus: Filine ist gar nicht wirklich weiß. Sie hat sich selbst angemalt, um so hübscher auszusehen und dementsprechend als etwas Besonderes wahrgenommen zu werden. Das Beispiel von Filine zeigt, dass man sich oft im Leben verstellt, nur um anderen Menschen besser zu gefallen – und damit steht man sich oft selbst im Weg.

Als der Traum vom ersten Kinderbilderbuch in Erfüllung ging

Aber ein Happy-End gibt es schon?

Kinder brauchen Geschichten mit gutem Ende, so wie im Märchen. Filius schafft es, Filine das Gefühl zu geben, dass sie trotzdem etwas Besonderes ist. Ihr linker Zahn ist zum Beispiel ein Stück länger als der rechte und auch das Funkeln in ihren Augen findet Filius bezaubernd. Er mag sie so wie sie wirklich ist. Diese Erfahrung ist durchaus auch autobiografisch. In der Pubertät hatte ich auch immer wieder das Gefühl, mich verstellen zu müssen, damit mich andere mögen. Erst später habe ich zu meinem Ich gefunden, mich gemocht so wie ich bin und auch mein Mann will mich nicht verbiegen, sondern findet mich genau so klasse, wie ich bin.

Natürlich bleibt im Arbeitsalltag als Erzieherin nicht viel Zeit, um sich in Ruhe hinzusetzen und zu schreiben. Hat es deswegen sechs Jahre gedauert bis zu einer neuen Filius-Geschichte?

Mein Buch in den Händen zu halten, mit meinen Texten und meinen Bildern, das war schon immer ein Traum von mir. An ein weiteres Buch habe ich zunächst gar nicht gedacht. Vor ein paar Jahren habe ich mein Tagebuch gefunden, das ich mit 16 Jahren geschrieben habe. Darin habe ich eine Art Wunschliste für mein späteres Leben verfasst: Ein Fachwerkhaus mit Stall, Mann, Kind und Hund haben und ein Bilderbuch veröffentlichen. Und genau so ist es eingetroffen. Obwohl es gerade am Anfang nicht immer leicht war mit dem Buch.

Welche Startschwierigkeiten gab es denn?

Das erste Filius-Buch hat sehr viel Energie gekostet, zwischenzeitlich ist es auch für vier Jahre in die Schublade gewandert. Bis mich eine sehr gute Freundin dazu ermuntert hat, das Buch endlich fertig zu machen. 2010 war es dann so weit. Mein Sohn Robin, für den ich die Filius-Geschichte überhaupt geschrieben habe, war da schon 15 Jahre und damit eigentlich zu ‘alt’, um es ihm zu widmen. Ich habe ihn damals gefragt, ob ich es ihm trotzdem widmen dürfte – er war total begeistert und stolz. Dann habe ich über 40 Verlage angeschrieben, um das Buch auf den Markt zu bringen, alles ohne Erfolg. Erst auf der Leipziger Buchmesse bin ich mit Martina Meier vom Papierfresserchen Verlag ins Gespräch gekommen. Sie fand den Filius so toll, dass sie mein Buch – Text und Bilder zusammen – ins Programm aufnahm. Dafür bin ich so unendlich dankbar.

Gibt es denn schon Pläne für ein weiteres Buch?

Ich kann mir schon vorstellen, dass Filius auch noch eine dritte Geschichte bekommt. Momentan arbeite ich allerdings an einem Bilderbuch für Erwachsene. Ich möchte noch nicht so viel verraten, nur so viel: An einem Abend habe ich eine Doku im Fernsehen gesehen, die mich unglaublich wütend gemacht hat. Ich habe mir quasi den Frust von der Seele geschrieben, die Geschichte war mehr oder weniger noch an diesem Abend fertig. Es wird auf jeden Fall sozialkritisch und düster, ein dystopisches Setting mit offenem Ende.

 
 

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