Auf dem Stünzel heulen die Motorsägen

Ideengeber des ersten Holzbildhauer-Symposiums in Wittgenstein Heinz Mengel (l.) mit dem Schweizer Künstler Martin Bill, der den "E1", so wie er durch Deutschland verläuft, in Holz hauen und sägen wird
Ideengeber des ersten Holzbildhauer-Symposiums in Wittgenstein Heinz Mengel (l.) mit dem Schweizer Künstler Martin Bill, der den "E1", so wie er durch Deutschland verläuft, in Holz hauen und sägen wird
Foto: WP
Sechs Bildhauer internationaler Herkunft lassen eine Woche lang die Späne aus den Eichen- und Douglasienstämmen fliegen.

Stünzel.  . „Der gemeinsame Weg ist das Ziel“ und auf diesem Weg konnte jetzt buchstäblich das erste Mal Holz in den Wald getragen werden. Heinz Mengels Idee von Anfang 2014 ein erstes Holzbildhauersymposium nach Stünzel zu holen, sollte fruchten. Es sind sieben Staaten, durch die sich der Europawanderweg „E1“ zieht. Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Deutschland, die Schweiz und Italien - aus diesen Ländern wurden Holzkünstler eingeladen, um unter freiem Himmel eigene in Holz geschlagene, gesägte und geformte Skulpturen zu Tage zu fördern. Die Idee des heimischen Holzbildhauers kam in Wittgenstein hervorragend an, doch der Weg war allemal steinig, das große Unternehmen auf die Beine zu stellen. 15 Menschen bildeten ein Team, vornehmlich aus Mitgliedern des Gemeinschaftsvereins Stünzel, um Zeitpunkt, Sponsorensuche und Finanzierung zu schultern.

Sechs Künstler an sieben Tagen

Es ist geglückt, und nun sind es sechs Künstler in sieben Tagen, die teils unter Blätterdächern aus 2,20 Meter hohen Eichen-, beziehungsweise Douglasienstämmen ihre Skulpturen arbeiten werden. Ortsvorsteherin Petra Müsse zeigte sich ebenso überglücklich zu stimmigem Ambiente wie gutem Geist, der das erste Unterfangen dieser Art in den Ort brachte. Schirmherr ist Henning Graf von Kanitz. Er betrachtet sich in seiner Funktion auch als Vertreter des Hauses zu Sayn-Wittgenstein in Bad Laasphe, welches früherer Arbeitgeber Heinz Mengels war: „Ich glaube, der Heinz haut heute noch mehr Holz als er das 40 Jahre bei der Rentkammer getan hat.“

Riesiges Lob für ausgefeiltes Engagement kam auch von Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, der mit seiner Stimme gleichermaßen seine Amtskollegen Dr. Thorsten Spillmann (Bad Laasphe), Steffen Haschke (Erndtebrück) und seine Stellvertreterin Anke Fuchs-Dreisbach einschloss.

Großartiges Programm wartet

Waltraud Schäfer (stellvertretende Landrätin) zitiert die Künstlerin Beate Böttner „Kunst erschaffen ist harte Arbeit und bestenfalls großes Vergnügen“, womit sie auf die sechs Künstler verweist, die alle aus ihrem Hobby den Beruf machten. Hubertus (Bob) Schaper (Norwegen) hat sich „Geliebte auf dem E1“ zum Ziel des Symposiums gesetzt. Er hat eine formgleiche Skulptur bereits in Larvikit geschlagen, einem norwegischen sehr harten Gestein. Risto Immonen aus Finnland versucht sich das erste Mal an einer Skulptur in Holz, wo er sonst bevorzugt mit Eisen fertigt. Der Däne Kurt Schmidt nutzt eine Miniaturvorlage seines „Mädchen mit Taube“, welches er in den mehr als zwei Meter hohen Block arbeiten wird. Der Schweizer Künstler Martin Bill wird mit seiner ausgefallenen Idee, das deutsche Teilstück des E1 von Nord nach Süd in Holz zu hauen gut ankommen.

Auch eine Frau bringt „Power“ mit

Die Deutsche Martina Kreitmeier ist einzige Frau. Zierlich aber voller „woman-power“ steht sie auf den Paletten und erschafft ihr Werk „Nicht allein“. Der Jüngste unter den Bildhauern ist der Sizilianer Luca John Nash. Der gewiefte Bursche, der sein Kunststudium in Palermo absolvierte, lässt sich auf das Abenteuer in Holz mit“Little House“ ein und möchte am Ende seine fertige Arbeit als Geschenk auf dem Stünzel lassen. Sehr schön und auch von großem kollegialem Vorteil ist hier „uffm Stenzel“, dass einige der Künstler sich bereits Jahrzehnte kennen.

Nach der kurzen Andacht durch den Raumländer Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer und die offizielle Begrüßung der kommunalen Vertreter hieß es für die sehr zahlreichen Besucher im Wald: Abstand halten. Als die Künstler die Stämme entrindet hatten, gingen alle sofort mit den Entwürfen auf Papier oder in kleinen Skulpturen als Vorlage mit den Motorsägen ans Werk. Die Späne flogen, enorme Muskelkraft ist fortan gefragt und bei allen wird deutlich: Hier sind Vollprofis am Werk. Zahlreiche Kameras klickten und es wurde unermüdlich gefilmt, zeitgleich entfachte Oliver Junker-Matthes das Sieben-Tage-Feuer. Ein bisschen ein Symbol fürs „Dabeisein ist alles“, der olympische Gedanke. Die fertigen Skulpturen sind käuflich zu erwerben. Es lohnt, jeden Tag einen Blick auf den Festplatz Stünzel zu werfen.

EURE FAVORITEN