Auf anderer Route ins Winterquartier

Wo bleiben denn die „Hoargänse“? – wie die echten Wittgensteiner mundartlich „ihre Schneegänse“, die Kraniche nennen.

Fällt dieses Jahr der Winter aus? Ist das gar ein schlechtes Omen, wenn die Kraniche ausbleiben oder sie das Wittgensteiner Land meiden? Ist denn die „natürliche Uhr“, der „Naturkalender“ schon ein Opfer des mutmaßlichen Klimawandels geworden, denn normalerweise müssten die Kraniche im Herbst um und ab dem 20. Oktober Wittgenstein passieren? Hat etwa die Windkraft-Diskussion schon Einfluss auf diese sensiblen Vögel und sie umfliegen diese Region schon mal probehalber? Fragen über Fragen – weil kaum jemand bisher die „Hoargänse“ gesehen oder gehört hat. Tatsächlich ist es so, dass die Kraniche auf dem Weg nach Südwesten dieses Jahr Wittgenstein überwiegend rechts liegen ließen. Der diesjährige Herbst-Kranichzug fand allerdings südlich von uns statt und exakt am 19. Oktober konnte im Raum Allendorf/Eder und Biedenkopf, aber auch in Feudingen und dem südlichen Siegerland ein mächtiger Kranichzug beobachtet werden.

Da Kraniche sogenannte Teilzieher sind, ist es nicht ungewöhnlich, dass sie ihre Route den gegebenen Witterungsbedingungen, insbesondere der Windstärke und Windrichtung, aber auch der Wolkenhöhe anpassen. Aufgrund dieser Tatsache passiert es eben, dass in Wittgenstein der Kranichzug von Zeit zu Zeit immer mal wieder ausfällt. Und möglicherweise kommen die Wittgensteiner ja doch noch in den Genuss, die „Vögel des Glücks“, wie die Kraniche andernorts genannt werden, zu sehen, denn in manchen Jahren zieht sich der Zug dieser majestätischen Vögel bis weit in den November hinein.