550 Jahre Steinbach - Kleiner Ort mit großer Feier

Die Köpfe zusammenstecken, zuhören, plaudern aus vergangenen Zeiten. Die Besucher haben sich beim Festkommers in Steinbach richtig wohl gefühlt.
Die Köpfe zusammenstecken, zuhören, plaudern aus vergangenen Zeiten. Die Besucher haben sich beim Festkommers in Steinbach richtig wohl gefühlt.
Foto: WP
550. Geburtstag von Bad Laaspher Ortsteil Steinbach. Jetzt wissen die Steinbacher auch, warum ihr Ortsvorsteher demnächst einen Airbus kapern darf

Steinbach..  Kleiner Ort, große Feier: Der Bad Laaspher Ortsteil Steinbach beging am Pfingstwochenende seinen 550. Geburtstag.

Eigentlich war 2015 das Jubiläumsjahr, doch entschied man sich wegen der 650-Jahrfeier von Oberndorf und Rüppershausen für eine Verschiebung auf Pfingsten 2016. Und bei den zweitägigen Feierlichkeiten überstieg die Zahl der Gäste die der Einwohner um ein Vielfaches.

Allein zum Kommers, mit dem die Feier am Samstagabend eingeläutet wurde, kamen rund 300 Besucher in das 63-Einwohner-Dorf. Dicht an dicht drängten sie sich im Festzelt bei der Dreschhalle in der Dorfmitte. Und Moderator Burkhard Dornhöfer stellt denn auch zufrieden fest: „Alles voll.“

Lob für die intakte Dorfgemeinschaft

Zum Auftakt gab’s Gesang, Grußworte und Glückwünsche sowie viel Lob von Ortsvorsteher Lothar Dornhöfer. Er hob das Engagement der jungen Leute hervor: Es mache ihn stolz, dass sie sich so intensiv einbrächten. „Respekt vor dieser großen Leistung“, sagte die stellv. Landrätin Waltraud Schäfer mit Blick auf die Mühen der Dorfgemeinschaft. Von einem „gewaltigen Fest“ sprach Sebastian Stiller, Ortsvorsteher von Oberndorf. Es sei ein „guter Brauch“, sich in den Nachbarorten gegenseitig zu besuchen, meinte Stiller. Er wies auf die gute Zusammenarbeit zwischen Oberndorf, Rüppershausen und Steinbach hin. „Ich hoffe dass diese auch bis zum Jahr 2065 hält.“ Dann, so sein Vorschlag, könne möglicherweise ein weiteres Jubiläum gefeiert werden: „2000 Jahre Oberndorf/Rüppershausen/Steinbach – ich werfe das mal so in den Raum.“

Bürgermeister bringt Bank mit

Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann ging auf die Verbreitung des Namens Steinbach ein. Der komme in Deutschland häufig vor. „Deswegen liegt die Betonung auf ,unser‘ Steinbach“, so der Verwaltungschef. Das Geschenk aus dem Rathaus: eine Ruhebank. Pfarrer Oliver Lehnsdorf bescheinigte den Steinbachern: „Ihr habt eine wunderschöne Ortschaft, auf die Ihr mächtig stolz sein könnt.“ Komplettiert wurde die Reihe der Gratulanten durch Otto Marburger, Vorsitzender des Wittgensteiner Heimatvereins.

Der Schwarzenauer freute sich, dass seine Vorstandskollegen „ziemlich vollzählig“ zum Festkommers gekommen waren – allen voran Kassierer Ekkehard Feuring, der dem Organisationsteam „550 Jahre Staaboch“ angehört und die Geschichte des Dorfes in einem informativen Vortrag beleuchtete: von der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1465 über die Einführung der Kartoffel im Jahr 1726 bis zur Gegenwart.

Der Vortrag hielt so manches erstaunliche Detail aus der Dorfhistorie bereit. Interessant beispielsweise, dass Steinbach im Jahr 1850 mehr Einwohner zählte als heute: 90 Menschen lebten damals in elf Häusern. Applaus brandete auf, als Feuring einen kürzlich in unserer Zeitung veröffentlichten Leserbrief von Ruth Bayer verlas. Ruth Bayer kam 1946 als Kind einer Vertriebenenfamilie nach Steinbach und verbrachte dort ihre Jugend. In dem Leserbrief beschreibt sie eindrucksvoll, wie schwer die Anfänge für ihre Familie in Wittgenstein waren und welche Verbundenheit zu Steinbach sie 70 Jahre später empfindet.

Gesanglich untermalt wurde der Kommers durch die Chöre Cantabile Oberndorf-Rüppershausen und MGV Oberndorf-Rüppershausen. Beide Chöre ernteten großen Beifall. Zusätzlich abgerundet wurde das Geschehen durch einen humoristischen Vortrag von Helene Bald.

Und überhaupt fehlte es nicht an Kurzweil. Ein Höhepunkt erfolgte zum Ende des offiziellen Teils, als Jessika und Thomas Dornhöfer stellvertretend für die Dorfgemeinschaft die Verdienste des Ortsvorstehers würdigten. Am 13. Juni 1988 trat Lothar Dornhöfer sein Amt an, das der 55-Jährige nun schon die Hälfte seines Lebens innehat – ohne Unterbrechung. In ihrer humorvollen Laudatio gab Jessika Dornhöfer den Gästen Einblicke in die Gedankenwelt des Ortsvorstehers. Der Flugverkehr am Himmel über Steinbach habe seine Fantasie beflügelt. Irgendwann habe er sich einmal vorgestellt, wie es wohl wäre, gemeinsam mit Thomas Dornhöfer einen Airbus A 380 zu kapern, um damit im „Weireäcker“ oberhalb von Steinbach (Richtung Pommesbude Leimstruth) zu landen.

Für Jessika Dornhöfer und ihren Mann Thomas war das Grund genug, dem Ortsvorsteher im Namen der Dorfgemeinschaft ein besonderes Geschenk zu machen: Er kann demnächst ein einstündiges A 380-Training an einem Flugsimulator in Frankfurt/Main absolvieren – mit Einweisung von einem Piloten.

Ein Gutschein für die „Wisent-Hütte“ sowie eine Urkunde – „überreicht im Namen aller Steinbacher“, wie es im Urkundentext heißt – zählten zu den weiteren Geschenken, die Lothar Dornhöfer in Empfang nahm. Beifall im Publikum, sprachlose Freude beim Ortsvorsteher, dessen Geschmack man offensichtlich exakt getroffen hatte.

Im Anschluss an den offiziellen Teil hieß es „Bühne frei“ für das Siegener Showduo Daggi & Thommi, das noch bis weit in die Nacht für gute Unterhaltung sorgte.

 
 

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