500 Zuhörern Gänsehautmomente beschert

Biedenkopf..  Eine hohe musikalische Qualität ist bei „Silent Seven“ nichts Neues. Doch was die Band am Samstag in der Biedenkopfer Stadtkirche zeigte, übertraf wohl selbst die Erwartungen ihrer euphorischsten Fans.

Diese Spielfreude. Diese Souveränität. Diese überwältigende Vielseitigkeit, die die Musiker an den Tag legten. Das alles wirkte wie ein Bann, in den die rund 500 Besucher gezogen wurden. Keine Frage: Das Benefizkonzert 2013 war ein musikalischer Leckerbissen. Tiefgängig und mitreißend. Ein Höhepunkt in der Geschichte der Band. Vielleicht sogar der Beginn eines neuen Kapitels.

„Silent Seven“ hat in den vergangenen Monaten ein komplett neues Programm eingespielt, das 23 Titel umfasst. Ein breites Repertoire, unter anderem mit Songs von Silbermond, Katy Perry und Adele. Die Band hat neues Terrain erschlossen, sich konsequent weiterentwickelt. Das war beim Benefizkonzert zu spüren.

Im Takt mitgeklopft

Eiskalt lief es einem den Rücken herunter, als der Coldplay-Song „Viva la Vida“ erklang, den „Silent Seven“ gemeinsam mit einem Streichquartett darbot. Gekonnt meisterten die Musiker den unheimlichen Spannungsbogen des Liedes. Im Takt klopfte das Publikum auf die hölzernen Sitzbänke der Kirche. Und als Sängerin Johanna Brachthäuser ein letztes Mal zum Refrain ansetzte, zum Finale gewissermaßen, da bescherte sie den Konzertgästen vollends Gänsehaut.

Schon der Beginn des Benefizkonzerts ließ Ergriffenheit aufkommen. Zum Auftakt brachte Silent Seven den Silbermond-Song „Unter der Oberfläche“ zu Gehör. Ein Lied, dessen Titel dem Motto des Abends entsprach. „Wir wollen heute unter die Oberfläche gehen und wir hoffen, Ihr kommt mit“, machte Frontfrau Johanna Brachthäuser in der Begrüßung deutlich.

Mit reduzierter Technik

Unter die Oberfläche ging die Band zum Beispiel bei dem Katy Perry-Song „Roar“, als sie die Bühne verließ, um – völlig ohne elektronische Verstärkung – im Kirchgang zu spielen. Und auch auf der Bühne hatte Silent Seven seine elektronische Verstärkung im Vergleich zu anderen Auftritten deutlich zurückgefahren – was aber keinesfalls bedeutet, dass die Vorbereitungen und der Aufwand diesmal geringer ausfielen. Denn wer Erfahrung in Sachen handgemachter Musik hat, der weiß: Je weniger Technik zum Einsatz kommt, umso mehr wirken sich einzelne akustische Feinheiten auf das Klangbild aus. „Unplugged“ zu spielen, also akustisch und ohne die übliche elektronische Verstärkung, verlangt deshalb höchste Präzision seitens der Musizierenden. Und die stellte Silent Seven eindrucksvoll unter Beweis.

Eindrucksvoll gelang auch das Zusammenspiel mit dem Streichquartett, bestehend aus den Geigerinnen Chris Rabe und Simone Zielinski, der Bratschistin Jana Franz und der Cellistin Anja Schlemminger. So zum Beispiel bei dem Lied „Make you feel my Love“. Da zahlten sich einmal mehr die hervorragenden akustischen Bedingungen aus, die die Kirche bot.

Eine weitere Besonderheit des Konzerts: Erstmals hatten alle Bandmitglieder gesangliche Einlagen. Große Begeisterung rief zudem der Gastsänger Jonas Hutfilter hervor, der gemeinsam mit Johanna Brachthäuser das Lied „Hunderttausend Typen wach“ von Jupiter Jones sang.

„Nach Haus“

Mit dem gefühlvollen Friedenslied „Weiße Fahnen“ von Silbermond verabschiedete sich Silent Seven von seinen Fans. Die entließen Sängerin Johanna Brachthäuser, Schlagzeuger Jan-Patrick Wallentin, Bassist Marek Neichel und die Gitarristen Dietrich Schwarz und Marc Buhr nicht ohne mehrere Zugaben. Und selbst bei den Zugaben erlebte das Publikum noch Überraschungen: Dietrich Schwarz tauschte Gitarre gegen Banjo, Jan-Patrick Wallentin griff zur Mundharmonika. Ganz im Country-Stil erklang dann der Silbermond-Song „Nach Haus“. Obendrauf gab’s außerdem „I will wait“ und „Hope for the Hopeless“ – ein Lied, „das auch an den Anfang gepasst hätte“, wie Johanna Brachthäuser betonte.

Erlös hilft in Ecuador

Am Ende: Donnernder Applaus, Worte des Danks und die Erinnerung an einen Abend, an dem buchstäblich einfach alles stimmte. Man darf gespannt sein auf die weitere Entwicklung dieser Band. Seine nächste Station macht „Silent Seven“ am Mittwoch am Berliner Weihnachtsmarkt.

Der Erlös des Benefizkonzerts kommt der Organisation „Saving An Angel“ zugute, die von dem irischen Sänger Rea Garvey gegründet wurde. Die Stiftung kümmert sich seit 2011 um das Projekt „Clearwater“ in Ecuador. Ziel ist es, für rund 2000 Einheimische eine Versorgung mit sauberem Trinkwasser zu schaffen.

 
 

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