Zeit für das Absurde

Umfassend vorbereitet und strukturiert wie immer, gelang es dem Literaturwissenschaftler und Philosophen, den Mythos um Albert Camus und dessen Hauptwerke zu enträtseln.
Umfassend vorbereitet und strukturiert wie immer, gelang es dem Literaturwissenschaftler und Philosophen, den Mythos um Albert Camus und dessen Hauptwerke zu enträtseln.
Foto: WP
Erstmalig verlegte KULTURa, der Attendorner Kunst- und Kulturverein die bereits seit 10 Jahren laufende Literaturreihe (Literarischer Frühschoppen) vom Vormittag auf den Nachmittag, und siehe da, es kamen doppelt so viele Interessenten wie früher.

Attendorn.  Erstmalig verlegte KULTURa, der Attendorner Kunst- und Kulturverein die bereits seit 10 Jahren laufende Literaturreihe (Literarischer Frühschoppen) vom Vormittag auf den Nachmittag, und siehe da, es kamen doppelt so viele Interessenten wie früher. Ca. 80 Zuhörerinnen und Zuhörer trafen sich im Hotel zur Post, um die Ausführungen von Prof. Dr. Friedhelm Decher mitzuerleben.

Ein Mythos enträtseln

Umfassend vorbereitet und strukturiert wie immer, gelang es dem Literaturwissenschaftler und Philosophen, den Mythos um Albert Camus und dessen Hauptwerke zu enträtseln. Nach dem unbedingt notwendigen Eingehen auf die Biografie des Autors, der in bitterster Armut in Algier aufgewachsen, durch seinen Onkel, einem Metzgermeister, an das Lesen bekannter Werke gebracht, nach Besuch des Gymnasiums in vielfachen Studiengängen eingeschrieben war und bereits mit 31 Jahren seinen ersten Bestseller „Der Mythos von Sisyphos“ heraus brachte, ging Prof. Dr. Decher auf den Begriff des Absurden ein. Dieser, auch von eingefleischten Lesern schwer zu enträtselnde Begriff, wurde durch die zahlreichen Erläuterungen und Beispiele und durch passende Kausalketten so plastisch vom Referenten dargestellt, dass sich am Ende jeder etwas darunter vorstellen konnte.

Im dritten Teil seines Vortrags ging er dann auf Camus´ Roman „Der Fremde“ ein und lieferte mit der Vorstellung der Hauptperson im Roman, Dr. Mersault, den Nachweis über die Vorstellungen, die sich Albert Camus von der Absurdität des Lebens machte.

Es ist dann die Tragik des Schicksals, dass Camus, der viel zu früh durch einen Autounfall starb, seine Philosophie in Richtung „Auflehnung“ (gegen das Absurde!), an der er bereits arbeitete, nicht weiterentwickeln konnte.

Lang anhaltender Beifall

Über zwei Stunden zog der Referent, der zwischendurch auch die zahlreichen Zwischenfragen erschöpfend zu beantworten wusste, die Zuhörerschaft mit seiner Vorlesung in seinen Bann, was durch den lang anhaltenden Beifall der Besucher zum Schluss auch offenkundig wurde.

Viele Teilnehmer, die erstmalig bei dieser Veranstaltungsreihe zu Gast waren, bekundeten spontan, dass sie beim nächsten Mal, wenn die junge Autorin Katarina Hartwell aus ihrem Debüt „Das Fremde Meer“ liest, selbstverständlich wieder dabei sind, zumal Prof. Dr. Decher diesen Roman eingehend beleuchten und die Rolle des Moderators übernehmen wird.

 
 

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