Wochenmärkte sind gefragt wie lange nicht

Bilstein/Kreis Olpe..  Die ländlichen Wochenmärkte erleben eine Renaissance - und sind das beste, was dem Handel vor Ort passieren kann. Das sagt nicht ein Händler aus eigenem Interesse, sondern Ulrich Eggert, Marketingforscher und Unternehmensberater.

Seit 32 Jahren im Marketinggeschäft sezierte der Kölner im Bilsteiner Hotel Faerber-Luig auf Einladung der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU im Kreis die aktuelle Situation des Handels und des Dienstleistungsgewerbes und zeigte die Perspektiven für den ländlichen Raum. Die Zukunft sieht ambivalent aus, auf der einen Seite sind vollautomatische Selbstbedienungsläden, in denen das Geld für die gechipte Waren am Ausgang von der Kreditkarte abgebucht wird, im Kommen, auf der anderen Seite erlebt eine der ältesten Marktformen überhaupt, der gute, alte Wochenmarkt eine Revitalisierung. Denn die Märkte stehen für vieles, was in den kommenden Jahren für den Handel unverzichtbar wird: sie sind ortsnah, bieten gute Qualität und haben Eventcharakter. „Die Kommunen tun gut daran, ihre Wochenmärkte mit dem Stadtmarketing zu verbinden“, so die Empfehlung des Experten, der davor warnte, die fliegenden Händler als ungeliebte Konkurrenz zu sehen. Er kenne Supermarktbetreiber, die die Händler kostenlos vor die Ladentüren holen. ggert: „Die bezahlen denen sogar noch den Strom.“

Peter Enders, Einzelhändler aus Olpe, kann das nur bestätigen: „Für uns ist unser Wochenmarkt ganz wichtig, der bringt Leben und Farbe in die Stadt.“ Denn Marktstände ziehen Kunden an. Und die Kundschaft lechze heute geradezu nach neuen, kreativen Ideen. Warum nicht die Sortimente bunt mischen. Was ein Kaffeeröster vormacht, sogenannte Kopplungsmodelle, würde nach Eggerts Ansicht auch im ländlichen Raum fukntionieren, zum Beispiel die Bücherei, die auch Blumen und Kaffee verkauft. Andere Kopplungsmodelle sind Schuhe plus Bilder und Schokolade, der Baumarkt plus Wein und Spielwaren oder die Fahrschule mit Weinkontor. Eggert: „Das ist die neue Form des Gemischtwarenladens. Heute sind Konzepte wichtig, nicht die Waren.“ So verkaufe Ikea nur 50 Prozent Möbel. Ganz wichtig für den Einzelhandel sind zusätzliche Dienstleistungsangebote, zu Beispiel Fahrdienste für Senioren oder gastronomische Angebote. „In drei Jahren wird es in fast jedem Lebensmittelladen ein Bistro geben“, so der Marketingfachmann.

Will der Einzelhandel gegen die starke Konkurrenz aus Internet und in den Großstädten überleben, gehe das nur durch die Entwicklung eines starken Wir-Gefühls und ehrliche Zusammenarbeit ohne Konkurrenzdenken, also eine Kooperation, die weit über die konventionellen Interessen- bzw. Einzelhändlergemeinschaften hinaus gehen müsse. Als konkrete Vorschläge nannte Eggert gemeinsam betriebene Geschäfte, eine gemeinsame Homepage oder die Dekoration leerstehender Schaufenster mit der Ware anderer Einzelhändler im Ort. .

 
 

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