Wir sind keine Spinner oder Ökofuzzis

Roland Vossel
Die Baubiologen Bernd Scheppe (links) und Wolfgang Stein.
Die Baubiologen Bernd Scheppe (links) und Wolfgang Stein.
Foto: WP

Hillmicke/Möllmicke. Wenn sich die beiden Herren als Baubiologen vorstellen, wird bisweilen gefrotzelt. „Mancher denkt: Da kommt so ein Ökofuzzi“, sagt Bernd Scheppe. „Man wird schon mal als Ökospinner oder Wollsockenträger bezeichnet. Dabei wollen wir doch nicht wieder in Höhlen leben“, ergänzt Wolfgang Stein.

Das Duo hat sich ein Credo auf die Fahnen geschrieben: Gesundes Wohnen mit natürlichen Baustoffen. Bernd Scheppe (36) aus Möllmicke und Wolfgang Stein (41) aus Hillmicke absolvierten einen einjährigen Fernlehrgang beim Institut für Baubiologie und Ökologie in Neubeuern bei Rosenheim. 2100 Seiten galt es zu büffeln, insgesamt 700 Stunden investierten sie in ihren Abschluss als Baubiologe. „Das war neben normalem Arbeiten und Familie schon ein hartes Brot“, berichtet Stein. Unabhängig voneinander hatten sich die beiden angemeldet, bildeten dann eine Lerngemeinschaft. Leider, so Wolfgang Stein, sei Baubiologe noch kein geschützter Titel, gleichwohl ist die Ausbildung in Neubeuern führend.

„Baubiologie ist die ganzheitliche Lehre zwischen dem Menschen und seinem Wohn- und Arbeitsumfeld. Wir kümmern uns vorrangig um den Bereich Wohnen. Es geht um gesundes Wohnen mit natürlichen, unverfälschten Baustoffen. Jetzt versuchen wir, der Menschheit das Thema näherzubringen“, sagt Bernd Scheppe, der als regionaler Baucoach-Berater bei der Firma „Bauking“ arbeitet. Wolfgang Stein ist tätig bei der Firma Langer-Hausbau in Gerlingen. Beide sind sich einig, dass man als Baubiologe ein Stück weit Idealist sein muss: „Nur auf wirtschaftlicher Basis würde das nicht gehen.“

Abschirmende Platten könnten eingesetzt werden gegen Elektrosmog. Wasserbetten seien schädlich: „Man ist ständig unter Strom, es gibt PVC-Matten,“ so Stein. Alte Baustoffe wie Asbest, Hüttenbims, Holzschutzmittel oder billige Farben schädigten die Gesundheit.

Synthetische Baustoffe machten krank, seien Krebserreger. Die natürlichen Baustoffe des Baubiologen sehen anders aus. Sie geben keine Giftstoffe ab. „Es geht vom Gips zum Kalk. Damit wird derzeit am meisten gemacht. Lehm wird viel bei Fachwerkhäusern eingesetzt“, so Bernd Scheppe, der auch als TÜV-zertifizierter Sachverständiger im Kampf gegen den Schimmelpilz im Einsatz ist: „Gerade jetzt ist die Zeit, wo der Schimmel wächst. Draußen ist es kalt, innen feucht-warm.“ Scheppe empfiehlt zur Dämmung von außen natürliche Calciumsilikatplatten.

Ein Arbeitsfeld von Baubiologen ist auch die Beratung zu gesundem Schlafen. Wolfgang Stein: „Ein Kind schlief schlecht. Da haben wir zunächst die Federkernmatratze herausgenommen wegen des gestörten Magnetfeldes. Auch alle Quellen von elektrischen Wechselfeldern wurden entfernt, Nachttischlampe und Radiowecker über Nacht aus der Steckdose gezogen.“ Folge: Das Kind kam zur Ruhe.

Keine Frage: Man merkt Wolfgang Stein und Bernd Scheppe an, dass sie sich voll und ganz mit dem Ansatz der Baubiologie identifizieren und sie ihnen ein Herzensanliegen ist. Problem sei noch, dass viele Menschen meinen, baubiologische Stoffe seien teuer, so Stein: „Man muss das aber über Jahre sehen. Es geht um ein gutes Wohnklima und die Gesundheit.“ Für den Hillmicker ist auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur wichtig. Es geht um die Schonung natürlicher Ressourcen.

Mit moderner Messtechnik geht das Duo den Problemen auf den Grund. „Wir sind keine Spinner, die auf den Bau kommen. Mit den Messungen lassen sich Probleme wissenschaftlich fundiert nachweisen“, betont Bernd Scheppe.