Wie ist das, wenn man blind ist?

Die Klasse 4 a der Sonnenschule im Duneklcafé .
Die Klasse 4 a der Sonnenschule im Duneklcafé .
Foto: WP
Die Klasse 4 a der Sonnenschule sucht im Dunkelrestaurant nach Antworten

Attendorn..  Die Kinder der Klasse 4a der Sonnenschule waren schon sehr aufgeregt, als es letzten Freitag ins Dunkelrestaurant nach Siegen ging, das von Blinden betrieben wird. Sofia war schon vor der Abfahrt an der Sonnenschule nervös: „Und was ist, wenn ich aus Versehen ‚Auf Wiedersehen‘ sage? Die können mich ja gar nicht sehen!“ -

Ängste wie weggeblasen

Die Ängste der Kinder waren aber wie weggeblasen, als sie von Jan Meyer-Krügel, Ashraff Salem, Petra Kölsch und Bernhard Nolz freundlich und aufgeschlossen empfangen wurden. Gebannt lauschten sie dem Schicksal von Jan, der auf Silvester einen Unterarm und sein Augenlicht verlor und der Geschichte von Ashraff, der als Frühchen viel zu zeitig auf die Welt kam und dringend Sauerstoff zum Überleben brauchte, der aber sein Augenlicht zerstörte.

Schnell kamen Jan und Ashraff mit den Kindern ins Gespräch. Die beiden blinden Männer berichteten von ihren Ängsten und ihrem ständigen Begleiter, der Ausgrenzung und wie schlimm man sich fühlt, wenn man einsam ist. „Wenn du als Kind eine Blindenschule besuchst so wie ich, wo die Kinder aus allen umliegenden Bezirken zusammengeführt werden, dann hast du nachmittags diese Kinder nicht zum Spielen, da sie alle zu weit weg wohnen. Die Kinder machten sich viele ernsthafte Gedanken: „Wie erkennst du eigentlich die Uhrzeit?“ „Ganz einfach: „Ich habe auf meinem Handy eine Uhrzeitansage. Ich drücke die 9 und dann sagt mir eine Stimme, wie spät es ist.“

„Und wie siehst du, wie du dich angezogen hast? Vielleicht ziehst du ja Sachen an, die farblich oder so gar nicht zusammen passen.“ Diese Tatsache machte Mirja ziemlich Sorgen. - „Kein Problem. Ich habe meine Sachen z.B. farblich sortiert und außerdem gibt es ein Farberkennungsgerät, das halte ich an die Klamotten und dann sagt es mir, welche Farbe es ist.“

Tief beeindruckt und hoch motiviert lauschten die Kinder den Erzählungen der Mitarbeiterin Petra, wie die Blindenschrift heißt und dass ein Louis Braille sie erfunden hat, weil er selber beim Spielen mit einer Ahle verunglückte und daraufhin erblindete.

Großen Spaß machte den Kindern das Schreiben in Blindenschrift. Sie durften zunächst ihren eigenen Namen und andere Wörter in Blindenschrift schreiben und dann auch die Braille-Schreibmaschine ausprobieren, die bei jedem Anschlag ordentlich Krach machte und mit ihren Funktionen ganz anders zu bedienen war als die Tastatur eines den Kindern vertrauten Computers. Als Ashraff aus einem dicken Blindenbuch eine von den Gästen bestimmte Seite vorlas, war es mucksmäuschenstill im Raum. Seine Hände flogen nur so über das Papier und er las sicher, laut, zügig und mit sehr guter Betonung mehrere Seiten vor.

In die Fußgängerzone

Anschaulich ging es mit Spezialbrillen weiter, die die Kinder ausprobieren durften und die sie sehr nachdenklich machten. Die Brillen simulierten verschiedene Augenkrankheiten und die Kinder konnten am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man am grauen oder grünen Star oder einer Netzhautablösung erkrankt ist.

Der Parcours mit Jan durch die Fußgängerzone mit Blindenstock und Augenbinde in der Oberstadt wurde zur Herausforderung. Dauernd war etwas im Weg, die Geräusche plötzlich laut und ungewohnt, eine Orientierung fast unmöglich.

 

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