Weder Schmusetier noch reißende Bestie

Werner Riedel

Mecklinghausen/Kreis Olpe.  Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Wie groß ist die Gefahr für Menschen und Haustier, wenn Isegrim wieder auf dem Weg gen Westen Territorien auch in Deutschland bevölkert. Dr. Frank G. Wörner, Biologe und Wolfsforscher aus dem Westerwald, ließ Zahlen und Fakten sprechen mit seinem Vortrag im Hotel Schnepper in Mecklinghausen. Rund 30 interessierte BesucherInnen waren gekommen, die durchaus konkrete Fragen an den Experten hatten.

„Wie kann ich meine Pferde schützen, sollte sich tatsächlich auch hier im Sauerland ein Wolfsrudel ansiedeln?, so ein besorgter Züchter. Wenn Hengst und Stuten dabei sind, seien die Fohlen ohnehin geschützt. Wenn diese aber getrennt würden, wie könne man die Tiere vor Attacken des Wolfs schützen? Wörner gab praktische Tipps: Durch einen speziellen ca. 1,20 m hohen Elektrozaun, unter dem der Wolf nicht herkriechen könne („Der Wolf springt nicht“) seien Pferde oder Schafe geschützt.

Herdenschutzhunde

Im letzteren Fall könne sich die Anschaffung von Herdenschutzhunden bezahlt machen. Wörner räumte aber auch ein: „Für Schäfer und andere Tierhalter bedeutet das Auftauchen des Wolfs mehr Arbeit.“

Tötet der Wolf tatsächlich Nutztiere, werden z.B. Schäfer derzeit vom Lande Nordrhein-Westfalen meist im Stich gelassen. Weil die großen Fleischfresser nicht ausgewildert bzw. aus Gehegen in der freie Natur angesiedelt werden, ist das Land „außen vor“ bei etwaigen Schäden und Verlusten.

Und auch bei der Anschaffung von Schutzeinrichtungen können die Schäfer nicht auf staatliche Unterstützung hoffen. Bundesländer im Osten sind in dieser Beziehung schon einen Riesenschritt weiter.

Erst seit dem Jahre 800 wurde der Wolf – übrigens einer der weltweit am meisten verbreiteten Tiere – stark verfolgt. Die Welpen wurden erschlagen, die Tiere gejagt, in Fallgruben gefangen und getötet oder mit Wolfsangel massakriert. Im Wappen der Gemeinde Kirchhundem z.B. ist noch heute eine Wolfsangel Bestandteil. In der Wolfsschlucht in der Nähe des Steinernen Kreuzes soll der letzten Wolf erlegt worden sein.

Konkurrent?

Der Wolf als Konkurrent des Jägers? Da kann Wörner nur mit dem Kopf schütteln. „Die Wölfe regulieren nicht die Anzahl der Rehe, sondern die Rehe die Anzahl der Wölfe.“ Jahrelange Forschungen hätten ergeben: Der Wolf rottet das Muffelwild aus. Wörner: „Das gehört erstens nicht in unsere Regionen und zweitens ist es wegen seines nicht vorhandenen Fluchtverhaltens eine optimale Beute für den Wolf.“

Auf das Konto des Wolfes gingen lediglich 0,7 Prozent der getöteten Haustiere: „Wildernde und streunende Hunde richten viel mehr Schaden an als de Wolf.“ In den letzten 66 kamen durch Wolfsattacken lediglich vier Menschen (in Spanien) ums Leben.

Gehe man langfristig von – „viel zu hoch gegriffenen“ – 500 Wölfen in Deutschland aus mit einer Tagesration Fleisch von ca. 4 Kilogramm, so käme man auf einen Wert von insgesamt 730 Tonnen Schalenwild (Rehe, Rotwild, Wildschweine) pro Jahr.

Im gleichen Zeitraum würden von der vereinigten Jägerschaft 1,1 Millionen Rehe, 74 000 Stück Rotwild, 520 000 Stück Schwarzwild und 60 000 Stück Damwild erlegt. Zusammen rund 48 000 Tonnen. Wörner: „Der Wolf holt sich nur 1,5 Prozent von dem, was von den Jägern erlegt oder was totgefahren wird.“ Der Wolf jage nicht auf Trophäen, sondern das, was er am leichtesten erbeuten könne.