Von Patenschaft bis Arbeit: Lösungen für Olpe

Olpe.  Keine Atempause, Geschichte wird gemacht“, sang die Band Fehlfarben vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Es war Kalter Krieg. Heute ist es die Flüchtlingskrise, die keine Atempause erlaubt. Beim Thema Integration ist keine Zeit zu verlieren. „Froh, dass so viele gekommen sind“ zeigte sich daher mit gutem Grund Olpes Bürgermeister Peter Weber beim Treffen des im Frühjahr 2015 gegründeten Forums Integration im Lorenz-Jaeger-Haus angesichts der rund 60 Bürger, Akteure und Unterstützer aus der Verwaltung, den verschiedensten Einrichtungen und Institutionen sowie dem Ehrenamt.

Unterbringung als ureigene Aufgabe

„2016 gleicht einer Wundertüte“, unterstrich Weber angesichts der neuen Herausforderungen, vor die sich Olpe gestellt sieht. Denn mit der Schließung der Notunterkunft in der Kreissporthalle Ende Februar wird die Stadt wieder mit der regelmäßigen Zuweisung kommunaler Flüchtlinge rechnen müssen. Dann sei durchaus mit 25 Menschen pro Woche zu rechnen. Verwaltungsintern setze man alles daran, der ureigenen Aufgabe, nämlich der Unterbringung und Versorgung, gerecht zu werden.

Für die Betreuung und Begleitung indes sei man maßgeblich auch auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. „Wenn wir uns gut kümmern, ist die Chance zur Integration groß“, verwies Weber auf die aktuelle Ausschreibung einer Stelle in koordinierender Funktion in der Flüchtlingsarbeit. Das Ziel des Forums sei, Lösungen für Olpe zu finden, Kontakte zu knüpfen, sich zu vernetzen und die bereits bestehenden Strukturen mit einem Blick nach vorne weiter auszubauen.

Jochen Voss, der den Abend moderierte, sprach von zwei Ebenen in der Flüchtlingsarbeit: Der Pflicht, die die Stadt zu leisten habe, und der Kür und damit dem Ehrenamt und der Unterstützung seitens der Vereine, Verbände und Institutionen. „Wir müssen die Ebenen zusammen bringen, das Forum als offenes Plateau nutzen, um zusammen zu kommen und uns darüber austauschen, was wir tun“, so Voss. „Ehrenamtliches Engagement in Olpe hat Geschichte, Tradition und viel Know How. Die Herausforderungen sind aber nicht zu meistern, wenn wir nicht die meisten mitnehmen“, sprach er von einem arbeitsreichen Prozess.

Mit kleinen Schritten nach vorn

Dabei sind die Themen vielfältig und zweifellos ambitioniert. Es geht um Patenschaften, Freizeitprojekte, Sprache und Bildung, Arbeit und Praktika sowie Willkommenskultur. Nächstes Ziel des Forums ist es, die einzelnen Felder mit Köpfen zu besetzen, die die jeweilige Arbeit koordinieren. Zudem wird ein „Leitungsteam mit Chemie“ angestrebt.

Aus dem Plenum kam die Kritik, dass die Stadt Olpe kein wirkliches Konzept für kommunale Flüchtlingsarbeit habe. „Es geht nicht um Theorie, sondern darum, zu arbeiten und mit kleinen Schritten nach vorne zu gehen. Man kann es fürchterlich kompliziert oder einfach machen“, so Weber.

Dezentrale Unterbringung

Andere Teilnehmer äußerten die Sorge, dass an mancher Stelle Überbetreuung bestehen könne, es an anderer dafür sozusagen Leerstand gebe. „Überbetreuung ist nicht gegeben. Wir können von Tag zu Tag noch viele Leute gebrauchen“, beruhigte Marie-Luise Hesse, die seit vielen Jahren Flüchtlinge betreut.

Marie Ting stellte die Internetseite „Willkommeninolpe.de“ vor, die als Informationsquelle, Sammelstelle und Instrument zur gemeinsamen Arbeit im November 2015 ans Netz ging (wir berichteten) und nun auch in englischer Sprache zur Verfügung steht. Und Thomas Wendel, Leiter der Agentur für Arbeit in Olpe, informierte über das Thema „Arbeit und Flüchtlinge“ und den „Integration Point“..

In Sachen Unterbringung wird neben dem geplanten Ausbau in der Trift in alle Richtungen für eine dezentrale Unterbringung ermittelt. Dankbar sei man für jeden Hinweis, so Bürgermeister Weber.

Die Statistik des Rebola gibt Einblick in die Flüchtlingsstruktur: Von den derzeit 273 Bewohnern - 116 Männer, 62 Frauen, 95 Kinder - kommen 73 aus Afghanistan, 99 aus dem Irak und 82 aus Syrien.

 
 

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