Von der Kurzarbeit in die Sieben-Tage-Woche

Der nordrhein-westfälische Arbeits-, Integrations- und Sozialminister Guntram Schneider(links) , im Bild mit Arndt G. Kirchhoff, war ganz in seinem Element, als er den Neuwerkzeugbau, die Entwicklung und Produktion von Kirchhoff Automotive in Attendorn besuchte.
Der nordrhein-westfälische Arbeits-, Integrations- und Sozialminister Guntram Schneider(links) , im Bild mit Arndt G. Kirchhoff, war ganz in seinem Element, als er den Neuwerkzeugbau, die Entwicklung und Produktion von Kirchhoff Automotive in Attendorn besuchte.
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Der nordrhein-westfälische Arbeits-, Integrations- und Sozialminister Guntram Schneider war ganz in seinem Element, als er den Neuwerkzeugbau, die Entwicklung und Produktion von Kirchhoff Automotive in Attendorn besuchte.

Attendorn.  . Der nordrhein-westfälische Arbeits-, Integrations- und Sozialminister Guntram Schneider war ganz in seinem Element, als er den Neuwerkzeugbau, die Entwicklung und Produktion von Kirchhoff Automotive in Attendorn besuchte.

Der gelernte Werkzeugmacher genoss die Umgebung mit Metallgeruch in der Luft, bevor er im Gespräch mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Ulrich Kunz, dem Hauptgeschäftsführer von Unternehmer NRW Dr. Luitwin Mallmann und dem geschäftsführenden Gesellschafter Arndt G. Kirchhoff auf die zukünftigen Herausforderungen in unserer Arbeitswelt zu sprechen kam.

Da ist einerseits der Wunsch der Menschen nach mehr Zeit, um Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen. Andererseits bringt die Vernetzung von Maschinen und Prozessen durch die zunehmende Digitalisierung eine rasante Veränderung in den Betrieben und an den Arbeitsplätzen mit sich. Die Möglichkeit immer größere Datenmengen noch schneller verarbeiten zu können – manche sprechen auch von Industrie 4.0 – erleichtert unsere Arbeit, verbessert unsere Produkte und lässt sich immer öfter mit dem Tablet oder dem Smartphone überwachen. Dies bedeutet einen enormen Schulungsbedarf für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, damit sie sich möglichst stressfrei an die neue Arbeitssituation gewöhnen.

Mehr Chancen als Risiken

Arndt G. Kirchhoff verdeutlichte, dass die Unternehmen mehr Chancen als Risiken für wettbewerbsfähige Arbeitsplätze sehen. Um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, nehmen sie die Wünsche der Belegschaft sehr ernst, Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen. Mit den Gewerkschaften wird über die Möglichkeit einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeiten und der Arbeitsmenge gesprochen, um in den verschiedenen Lebensphasen Freiräume zu schaffen für mehr oder weniger Arbeiten, Elternzeiten oder auch Bildungs- und Freizeitbedürfnisse.

Guntram Schneider betonte, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer skeptisch gegenüber digitaler Vernetzung von Produktion und Vertrieb seien. Diese Vernetzung organisiere die Arbeitsprozesse neu mit immer leistungsfähigeren IT-Systemen, einer hochentwickelten Robotik und Sensorik. Aber er sei sich sicher, dass die düstersten Prognosen einer menschenleeren Fabrik genau so wenig realistisch seien wie einst die Prognosen eines papierlosen Büros.

Und doch müssten wir uns auf die Veränderungen einstellen, uns gut darauf vorbereiten, damit wir sie im Sinne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gestalten können. Minister Schneider zeigte sich überzeugt, dass Arbeiten 4.0 viele Chancen und Verbesserungen für Beschäftigte bereithielten, z. B. eine Entlastung von eintöniger und körperlich schwerer Arbeit oder eine bessere Unterstützung bei der Analyse und Lösung von Problemen.

Zurückhaltung gefragt

Dr. Mallmann empfahl, dass die Politik sich zunächst mit Regeln zurückhalte, um die bürokratischen Fesseln nicht noch enger zu ziehen, sondern sich erst dann einschalte, wenn Missbrauch erkennbar wäre.

Ulrich Kunz berichtete aus dem täglichen Alltag der Betriebsratsarbeit: „Die Zeiten einer konstanten Auslastung in der Fertigung sind vorbei. Die Schwankungen von Aufträgen und Märkten werden in einer globalisierten Welt konjunktur- und krisenbedingt wie z. B. in Russland mit der Ukraine oder im Nahen Osten mit dem IS immer volatiler, so dass man in kurzen Abständen nacheinander mit Kurzarbeit einerseits, aber auch mit 7-Tage-Wochen andererseits umzugehen hat.“

Flexible Arbeitszeitmodelle

Es sei eine große Herausforderung, neue, flexible Arbeitszeitmodelle zu vereinbaren, das Einkommen dabei möglichst konstant zu halten und die Bedürfnisse von Familie und Beruf zu berücksichtigen.

Die Kirchhoff Gruppe wächst zurzeit schneller im Ausland als im Inland. Alleine im letzten Jahr wurden drei neue Fertigungsstandorte eröffnet, davon einer im Raum Danzig/Polen für den Bau von Entsorgungsfahrzeugen, sowie zwei Automobilzuliefererstandorte in Michigan/USA und in Shenyang/China.

Die wesentlichen Entwicklungs- und Projektkoordinationsleistungen kommen hierbei von den Heimatstandorten in Deutschland.

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