Vier falsche Fünfziger für 100 Euro „gekauft“

Um eine Vielzahl von Delikten ging es im Olper Amtsgericht.
Um eine Vielzahl von Delikten ging es im Olper Amtsgericht.
Foto: WP

Olpe..  Erst waren es nur kleine Verkehrsdelikte, als er mit einem frisierten Mofa erwischt wurde. Doch mit 17 steuerte der Olper mitten hinein ins kriminelle Milieu. Über Einbrüche ging es weiter bis hin zur versuchten schweren räuberischen Erpressung. Ausgangspunkt war eine Clique in Olpe. Man hörte Gangsta-Rap, rauchte Marihuana und ging dann auf Beutezug. Vor den Schranken des Olper Jugendschöffengerichtes war am Dienstag Endstation. Der 17-Jährige und ein zwei Jahre älterer Kumpel drückten die Anklagebank.

„Er ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Fast jeden Tag gab es eine Straftat. Das waren keine Bagatellen, sondern teils Verbrechen“, brachte es Staatsanwalt Wolfgang Scholz auf den Punkt. Zweimal agierten die beiden Angeklagten gemeinsam: In der Nacht auf den 21. September 2014 wollten sie in Olpe in den Dursty-Getränkemarkt einbrechen und Zigaretten erbeuten. Mit einer Hantel versuchte der 17-Jährige die Glastür zu zerschmettern, doch die hielt stand. Eine Nacht später hatte das Duo mehr Erfolg. Mit der gleichen Hantel schlug der 17-Jährige eine Scheibe am Juweliergeschäft Deimels Legere in Olpe ein. Beute: Uhren im Wert von 2745 Euro.

Mit Plastikmasken in Backshop

Mit einem anderen Mittäter drang der 17-Jährige am 30. September 2014 morgens um 5 Uhr in den Back-Shop im Netto-Markt in Gerlingen ein. Das Duo trug Plastikmasken und Handschuhe. Als die Verkäuferin kam, bedrohte der Mittäter sie mit einem Messer und forderte Geld. Nachdem die Frau den leeren Tresor geöffnet hatte, machte sich das Duo aus dem Staub.

Beide Angeklagte geständig

Zudem brachte der 17-Jährige Falschgeld in Verkehr. Von einem Russen habe er auf der Olper Bleichewiese im September 2014 vier falsche Fünfziger für 100 Euro erworben. Die „Geldwäsche funktionierte: In Bäckereien in Olpe und Attendorn kaufte er Brötchen und Cola und kassierte das „saubere“ Wechselgeld.

Vor Gericht waren beide Angeklagte geständig. Zur Frage von Richter Richard Sondermann, warum er zweimal mitgemacht habe, meinte der arbeitslose 19-Jährige: „Ich wollte nicht als Schisser dastehen.“ Ihm stellte der Vertreter der Jugendgerichtshilfe eine positive Prognose aus: „Er hat sich Ende 2014 von der Clique getrennt und will jetzt eine Ausbildung machen.“ Die Akten über den 17-Jährigen seien umfangreich: „Hauptproblem ist sein angekratztes Selbstwertgefühl. Das hat auch zur Bulimie geführt.“ In der Therapie habe er nicht mitgearbeitet. Ein Schuss vor den Bug sei dann aber ein vierwöchiger Dauerarrest gewesen: „Das war eine absolut prägende Maßnahme. Er hat viel geweint.“ Mit engmaschigen Auflagen sollte dem 17-Jährigen noch einmal eine Chance gegeben werden, so die Jugendgerichtshilfe.

Stationäre Psychotherapie

Dazu kam es auch. Das Gericht folgte der von Staatsanwalt Scholz beantragten eineinhalbjährigen Jugendstrafe zur Bewährung. Auflagen sind eine stationäre Psychotherapie, bis zum Antritt 20 Sozialstunden wöchentlich und zudem eine einjährige Betreuungsweisung. „Fehlendes Selbstwertgefühl hat eine Rolle gespielt. Das ist nicht aufgearbeitet worden“, so Sondermann. „Den 19-Jährigen verurteilte das Gericht zu 150 Stunden gemeinnützige Arbeit. Die hat er abzuleisten. „Wenn das nicht klappt, droht ein vierwöchiger Dauararrest“, so der Richter.

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