Vater schlägt Schulleiter dienstunfähig - 10 Monate auf Bewährung

Roland Vossel
Vor dem Amtsgericht Olpe
Vor dem Amtsgericht Olpe
Foto: WR
Es war ein stundenlanger Prozess vor dem Amtsgericht Olpe voller Emotionen. Dabei konnten sich die Zuhörer ein Bild machen vom impulsiven Vater eines Erstklässlers (7), der im März 2012 den Leiter der Grundschule Attendorn-Ennest im Sauerland brutal verprügelt hatte. Seitdem ist der Schulleiter dienstunfähig.

Olpe/Ennest. Es war ein stundenlanger Prozess voller Emotionen. Dabei konnten sich die Zuhörer ein Bild machen vom impulsiven Vater eines Erstklässlers (7), der den Leiter der Grundschule Ennest brutal verprügelt hatte. Der heißblütige Angeklagte ging ab wie ein HB-Männchen. Schließlich funkelten seine Augen, er zeigte in Richtung des Nebenklage-Vertreters, Willy Müller, und fauchte: „Der provoziert mich. Der lacht in mein Gesicht. Ich gehe raus und komme wieder, wenn alles fertig ist.“ Der Angeklagte verließ den Saal, kehrte aber nach fünf Minuten zurück.

Kopfschütteln über brutale Attacke des Familienvaters

Die Zuhörer schüttelten den Kopf über die brutale Attacke des vierfachen Familienvaters am 21. März dieses Jahres. Bereits im September 2011 hatte der 47-Jährige Hausverbot erhalten. Er platzte mit seinem Sohn in den Unterricht und tobte, als er merkte, dass dieser auf einen anderen Platz gesetzt worden war. „Die Kinder waren geschockt und völlig durch den Wind, dass zwei Tage kein Unterricht möglich war“, so der Schulleiter. Mit dem Sohn habe es immer wieder Probleme gegeben, vor allem nach den Weihnachtsferien: „Er hat pausenlos Szenen aus Gewaltspielen nachgespielt. Das war für uns wahnsinnig erschreckend.“ Am 9. Februar habe er einem Mädchen die Schienbeine blau getreten. Man habe dann beschlossen, den Jungen vorübergehend vom Unterricht auszuschließen.

Eine Maßnahme, die den 47-Jährigen völlig in Rage brachte. Seinen ganzen Zorn zu spüren bekam dann der 58-jährige Schulleiter aus Gerlingen. Trotz des Hausverbotes erschien der Vater auf dem Schulhof. Nach einer Lehrerin forderte ihn auch der Rektor auf, das Schulgelände zu verlassen. Vergebens. Nun rastete der 47-Jährige im Beisein seines Sohnes und anderer Kinder völlig aus. Er schlug den Rektor ins Gesicht, nahm ihn in den Schwitzkasten, zerriss sein Hemd und trat ihn am Boden liegend gegen Körper und Kopf. Die Brille flog dem Rektor vom Gesicht. „Das hat in meinem Kopf geknallt“, berichtete der Schulleiter, der immer noch dienstunfähig und in ärztlicher Behandlung ist. Er erlitt eine Platzwunde an der Unterlippe, Hämatome im Gesicht, eine Schädelprellung und Schürfwunden. Zwei Lehrerinnen bestätigten, dass der Vater den Rektor am Boden liegend getreten habe.

Vater: Rektor hat zuerst geschlagen

„Ich wollte einfach die Schule besuchen und die Situation meines Sohnes beobachten. Ich möchte, dass meine Kinder lernen“, sagte der Vater, der behauptete, der Rektor habe ihn zuerst geschlagen: „Dann habe ich zurückgeschlagen. Ich bitte alle Anwesenden und Nicht-Anwesenden um Entschuldigung. Ich bin in Attendorn bekannt, hatte früher eine Pizzeria. Jetzt halten mich alle für einen aggressiven Menschen.“

Staatsanwalt Stephan Krieger forderte für den wegen Betruges und Diebstahls vorbestraften Angeklagten 16 Monate „mit gewissen Bauchschmerzen zur Bewährung“ und 200 Sozialstunden. „Es war ein besonders brutales Vorgehen“, so Krieger.

Urteil: 150 Sozialstunden und 10 Monate auf Bewährung

„Es gab eine ständig abweisende Haltung von der Schule. Der Sohn ist jetzt in einer anderen Schule und kommt gut zurecht. Der Schulleiter hat meinen Mandanten zuerst geschlagen. Er konnte sich nicht mehr zügeln. Zwar hat er die Notwehrlage überschritten, aber seine Depression muss berücksichtigt werden. In dubio pro reo: Freispruch“, forderte Verteidiger Ali Hekim. „Der Angeklagte zeigt keinerlei Reue. Es ist unfassbar, welches negative Beispiel er seinem Sohn gibt“, meinte Willy Müller.

Die Einlassung des Angeklagten, er sei zuerst angegriffen worden, sei eine reine Schutzbehauptung, sagte die Richterin. Das Urteil: 10 Monate zur Bewährung und 150 Sozialstunden. „Ich arbeite gar nichts. Ich bin krank“, protestierte der Angeklagte. Falls er die Auflage nicht erfülle, drohe ihm Gefängnis, so die Richterin, die dem Vater ins Stammbuch schrieb: „Sie sind Vorbild für Ihren Sohn. So wie Sie sich verhalten, verhält er sich auch.“