Umwelt-Ministerium fordert Jäger zum Handeln auf

Kreis Olpe/Düsseldorf.  Zur Schwarzwildpopulation und zum Landesjagdgesetz (wir berichteten) befragten wir auch das nordrhein-westfälische Umweltministerium (MKULNV). In der Antwort aus Düsseldorf heißt es u. a., dass auch die Jäger erheblich zur Verbesserung der Situation beitragen könnten. Eine „intensive Bejagung des Schwarzwildes, vor allem der Frischlinge, die einen normalen Anteil von 80 Prozent am Bestand haben“, sei hilfreich. Groß angelegte Jagden seien „durch das ökologische Jagdgesetz, beispielsweise durch Erleichterungen beim Hundeeinsatz“, begünstigt worden. Zwei Drittel des Gesamtzuwachses eines Wildschweinbestandes gehe auf die Frischlinge und jungen Überläufer (Jährlinge) zurück.

Drei Fragen an das Ministerium

Derzeitige Grünlandschäden durch Schwarzwild hätten nichts mit den Regelungen des ökologischen Jagdgesetzes zu tun, „sondern treten alle Jahre wieder auf, wenn die Waldbäume viele Früchte tragen.“ Deshalb seien „die Jäger gefordert, gemeinsam zu handeln.“

Drei konkrete Fragen unserer Zeitung beantwortete die Pressestelle des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums wie folgt.

1. Warum wurde im neuen Jagdgesetz die Jagdzeit für Schwarzwild von 1. August bis 31. Januar auf 1. August bis 15. Januar verkürzt?
„Hintergrund ist die Beachtung der Jahresperiodik des Stoffwechsels, das heißt, die Verkürzung der Jagdzeit dient dem Tierschutz und der Wildschadenverhütung. Jagd auf Schwarzwild wirkt sich auch auf andere Wildarten, zum Beispiel auf Rotwild aus, selbst wenn diesem die Jagd nicht gilt: In der zweiten Januarhälfte besteht für das Schalenwild naturgemäß eine Zeit, wo wenig natürliche Nahrung zur Verfügung steht. Der Stoffwechsel der Tiere ist stark herabgesetzt ist, um Energie zu sparen. Deshalb müssen die Tiere vor Beunruhigung geschützt werden. Ein Aufscheuchen des Schalenwildes, beispielsweise durch Jagdhunde, schwächst die Tiere und provoziert besonders Wildschäden im Wald, weil Wiederkäuer sich dann an der Rinde gütlich tun. Wildschweine legen in dieser Zeit oftmals schon ihre Wurfkessel für den Nachwuchs an. Die beste Zeit für die Reduktion der Wildschweinbestände ist die Zeit von Mitte Oktober bis Mitte Januar. Dieser Zeitraum muss intensiv durch revierübergreifende Bewegungsjagden genutzt werden!“

2. Warum wurde die zulässige Ködermenge Mais in Kirrungen von 1 l auf 0,5 l halbiert?

Ministerium: „Das Kirren dient als Bejagungshilfe für Schwarzwild allein dem Zweck des Schießens bei der Einzeljagd, insbesondere zur Nachtzeit. Hierfür reichen geringe Mengen an Mais oder anderem Getreide .... aus. Die ganzjährige Möglichkeit des Kirrens ist durch das ökologische Jagdgesetz sogar ausgeweitet worden, da nunmehr kein Jagdverbot bei der winterlichen Notzeit mehr besteht. Die Futtergaben sollen so gering wie möglich gehalten werden. Denn: Wildschweine reagieren auf eine anhaltende gute Fütterung mit einer Nachwuchsschwemme, da sie dann schneller an Gewicht zunehmen und früher geschlechtsreif werden. Durchgehend hohe Futtergaben sind deshalb für eine Bestandsregulierung kontraproduktiv. Aufgrund der großen Mengen an Eicheln und Bucheckern in den Wäldern werden die Kirrungen in diesem Jahr von den Wildschweinen nicht aufgesucht. Die hohen Wildschweinbestände lassen sich allein durch die Kirrjagden auch nicht regulieren. Hierzu bedarf es revierübergreifenden Bewegungsjagden, die jetzt sofort durch die Jäger eingeleitet werden müssen. Die Erfolgsaussichten für diese Jagden wurden durch die neu eingeführten Schießnachweise deutlich verbessert, da die Jäger jetzt mehr Schießübung erlangt haben.

3. Warum müssen Kirrungen auf drei Stellen hinterm Komma nach dem Gauß-Krüger-Koordinaten-System der unteren Jagdbehörde angezeigt werden? Ministerium: „.....Dies dient der Erleichterung der präzisen Darstellung in digitalen Karten, um revierübergreifenden Fragestellungen zum Schwarzwild, wie Raumnutzungsverhalten, Wildschadens- oder Streckenentwicklung besser beantworten zu können. Eine GPS-Aufnahme ist in wenigen Sekunden durchgeführt und kann dann an die ...Jagdbehörde übermittelt werden.“

 
 

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