Tief verwurzelte Liebe zur Heimat Mongolei

Der Literatur, Schamane und Verdienstkreuzträger Tschinag kommt zu einem Lese- udn rzählabend in dne Waldhof in Oberhundem
Der Literatur, Schamane und Verdienstkreuzträger Tschinag kommt zu einem Lese- udn rzählabend in dne Waldhof in Oberhundem
Foto: WP
Der Bundesverdienstkreuzträger ist ein Multitalent - stets in inniger Verbindung zu der ihn umgebenden Natur. Und in fester Beziehung zu seiner Heimat Mongolei. Der will er eine Million Bäume schenken.

Oberhundem..  „Der weiße Kegel - Des Weltenberges Schwebt über der Zeit - Seine Mähne weht herüber - Umflattert mich. Ich stehe hier unten - In Zeitnot. Die Gänsehaut ist - Mein Panzer - Vor dem nahenden Lebenswinter“. Das ist die poetische Sprache des mongolischen Dichters, Schriftstellers und Schamanen Galsan Tschinag, richtiger: Irgit Schynykbai-oglu Dshurukuwaa.

Klaus Struck, Inhaber des Waldhofs in Oberhundem, hat Tschinag vor 15 Jahren kennen und schätzen gelernt. Der regelmäßige Kontakt war ein wenig eingeschlafen, jetzt will man mit gemeinsamen Projekten und neuem Schwung in die Zukunft starten. Heute Abend sind alle Interessierte zu einem Lese- und Erzählabend mit dem Schamene, Dichter, Naturschütze und Bundesverdienstkreuzträger Tschinag in den Waldhof ab 19 Uhr eingeladen. Der Eintritt ist frei, es wird allerdings um eine Spende für die Naturschutz-Stiftung des international renommierten Referenten gebeten.

Liebe zu seiner Heimat

Eine tief verwurzelte Liebe zu seiner Heimat, dem Hohen Altai im Westen der Mongolei, zeichnet seine Erzählungen, Romane und Gedichte aus. Er gehört dem in der Mongolei zahlenmäßig kleinen turksprachigen Volk der Tuwa an, deren Oberhaupt er ist. Um diese Menschen in ihrem Kampf unter härtesten Lebensbedingungen als Hirtennomaden, aber auch um ihr Leben im wärmenden Miteinander kreisen Tschinags Gedanken. Seine eindringliche und ausdrucksstarke Wortwahl vermittelt dem Leser Einblicke in eine verloren gehende Kultur. Schon während seiner Schulzeit, die er in einem Internat für Nomadenkinder und damit in dem ersten fest gebauten Haus verbrachte, entstanden Gedichte, die ihn in seiner Umgebung bekannt machten.1962 erhielt er ein Stipendium, um in der DDR Deutsch zu erlernen. Tschinag (geb. 1944) studierte Germanistik in Leipzig. 1968, nach Abschluss des Germanistik-Studiums, das er als Bester seines Jahrgangs absolvierte, zog es ihn zurück in die Mongolei. Der Diplom-Germanist wollte in seinem Land jungen Menschen die deutsche Sprache nahe bringen und begann eine Lehrtätigkeit für deutsche Sprache und Literatur an der Staatsuniversität in Ulaanbaatar. Kritik am kommunistischen System brachten ihn und seine Familie in große Schwierigkeiten. Er wurde von der Universität suspendiert, seine Manuskripte blieben liegen, mussten sogar versteckt werden.

Von 1987-1990 gab er die Zeitschrift „Setgüültsch“ (Der Journalist) heraus, das erste Perestrojka-Organ des Landes. Seit der auch in der Mongolei vollzogenen politischen Wende im Jahr 1990 lebt der Autor als freier Schriftsteller in der Umgebung von Ulaanbaatar.

Im Sommer 1995 konnte sich der Schriftsteller einen lang gehegten Traum erfüllen: eine Karawane von 139 Kamelen, 330 Pferden, 30 Hunden, 16 Hühnern, einer Katze, 140 Tuwa und „6 Deutschen“ (Kamera-Team) durchquerte in 62 Tagen auf einer Länge von 2000 km die Mongolei in Ost-West Richtung. Galsan Tschinag organisierte und finanzierte den Treck mit dem Erlös seiner Bücher und Lesereisen, die ihn jedes Jahr nach Europa führen.

Er ist nicht nur Schriftsteller und Dichter, er ist auch Schamane. Seine Teilnahme an internationalen Kongressen über Schamanismus, Heilen und Hypnose sowie an Heiler-Seminaren zeigt das Verwurzeltsein in seine schamanisch geprägte Urkultur.

Er ist Herz und Rückgrat seines Volkes und Wanderer zwischen Ost und Die tiefe Verehrung der Natur wird zur Dankbarkeit und zur spirituellen Haltung. Daraus erwuchs Galsan Tschinag eine Vision. Er will der Mongolei 1 Million Bäume schenken und ist auf einem guten Weg, dieses Ziel durch seine Arbeit, mit Spenden und mit vielen Unterstützern zu erreichen.

 

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