Syrischer Flüchtling trainiert jugendliche Basketballer in Olpe

Muhanad Takenja (Mitte) fühlt sich wohl in Olpe, beim Basketball erst recht.
Muhanad Takenja (Mitte) fühlt sich wohl in Olpe, beim Basketball erst recht.
Foto: WP
Muhanad Takenja ist vor dem IS-Terror aus Syrien geflüchtet. Sein Weg war beschwerlich. In Olpe fasst er nun Fuß mithilfe seiner Lieblingssportart.

Olpe.. Qamischli im Nordosten Syriens. 200 000 Einwohner. Unmittelbare Grenznähe zur Türkei. Bevölkerungszusammensetzung: Kurden, Araber, Armenier und Assyrer/Aramäer (laut Wikipedia). Einer davon war Muhanad Takenja bis Spätsommer 2014. Jetzt lebt er in Olpe in einer der Flüchtlingsunterkünfte – und hat dank Daniel Baethcke von der BG Biggesee Zugang zu seinem Lieblingssport Basketball gefunden. Doch dazu später.

Es war eine abenteuerliche Flucht, die ihn zunächst per Bahnnach Istanbul und dann zurück nach Izmir führte. Aber er war nicht allein. Mit dabei Mutter, Bruder und Schwester. Der Vater, beschäftigt in der Ölindustrie, blieb zurück. Für fünf Personen reichte das Geld nicht – pro Person 9000 Euro für eine ungewisse Dienstleistung. Viel Geld für eine syrische Familie trotz sehr guter Ausbildung.

Ausgeliefert an Unbekannte

Dann zwei Monate Warten und Suchen nach einer „Mitfahrgelegenheit“ nach Deutschland. Die Sprache seines Ziellandes hatte er sich schon zuvor ab 2010 bei einem Privatlehrer angeeignet. Und verbunden mit der Hoffnung, dass es nicht etwa in den Iran ging, „was auch möglich gewesen wäre“, so Muhanad Tankenja. Ausgeliefert an Unbekannte. Was geht im Kopf der Flüchtlinge vor?

Über den weiteren Verlauf der Route weiß Muhanad Takenja nichts. Vier Personen eingepfercht zwischen Kisten, Kartons und anderen Gütern auf einem Lkw, drei lange Tage, keine Sicht nach außen. Mit Verpflegung und Getränke hatte sich die Familie eingedeckt. Auch an Behälter für die Notdurft war gedacht. Illegal, aber keine genaueren Kontrollen an irgendwelchen Grenzen. Glück für das Flucht-Quartett. Nicht der Iran, sondern Ankunft in München – Oktoberfest. Es muss wie ein Schock gewirkt haben.

Die weitere Entwicklung im Stenogramm: Von München per Bus nach Hannover auf Anraten eines Freundes. Die Polizei kassiert die Ausweise ein. Es folgt Aufnahme ins Lager Friedland – schon nach 1945 das „Tor zur Freiheit“ für Kriegsheimkehrer und Umsiedler aus den Ostgebieten. Anschließend Bielefeld: Fachstelle für Flüchtlinge und Asylsuchende. Und von dort in die Zentrale Unterbringungseinheit in Schöppingen. Aber: Die ZUE ist überbelegt.

Umgehend Weiterleitung nach Olpe, wo die Odyssee der Familie Takenja im November vergangenen Jahres zunächst endet. Seitdem ist die Familie in der Obhut des Caritas-Verbandes Olpe. Sofortige Antragstellung für das Asylverfahren ist nicht möglich, ohne Anerkennung als Asylbewerber gibt es allerdings keine Hoffnung auf Arbeit. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen jetzt langsam. „Fünf Monate Wartezeit bis zur Antragstellung, das Referat des Bundesamtes für Migration in Bielefeld ist überlastet, zu wenig Mitarbeiter“, bedauert Martina Zillinger vom Migrationsfachdienst des Caritasverbandes in Olpe.

Fast wie zu Hause

Muhanad Takenja, der gerne nach Düsseldorf oder Köln weiter möchte, kann wohl nicht in seinem Beruf als Sportlehrer arbeiten. „Ich habe studiert, sieben Jahre als Sportlehrer gearbeitet, doch mir fehlen die Dokumente“, weiß der 33-Jährige um die Schwierigkeiten eines Einstiegs in seinen Beruf. Die Dokumente will ihm ein Freund nachschicken.

Basketball ist seine Lieblingssportart. Und das bekam auch sehr bald Daniel Baethcke mit: „Beim Sport wird er von einen Alltagsproblemen abgelenkt. Und: er hat etwas Sinnvolles zu tun. “Einmal pro Woche trainiert er jetzt eine Gruppe junger Basketballer zwischen 10 und 14 Jahren. Da fühlt er sich fast wie zu Hause in Syrien. Seine Deutschkenntnisse kommen ihm schon lange zugute.

Und doch vermisst er natürlich seine Freunde in Syrien. Sie wohnen in Homs, Aleppo und Damaskus – Städte, in denen der Bürgerkrieg weiter tobt.

Doch dorthin will der ehemalige Offizier, der in der syrischen Armee seine zweijährige Wehrpflicht leistete, nicht zurück. Er ist dem Terror entkommen und steht jetzt „nur noch“ vor bürokratischen Hindernissen.

EURE FAVORITEN