Südwestfälische Zulieferer fordern Subventionen für E-Autos

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Südwestfälische Zulieferer nehmen Stellung zu den von der Bundesregierung beschlossenen neuen Privilegien für Elektrofahrzeuge. Diese reichen nicht aus, sagen die Firmen. Zusätzliche Anreize sollten den Verkauf ankurbeln.

Kirchhundem. Elektromobilität entsteht in Südwestfalen. Nicht die Autos selbst, die werden bei den großen Herstellern gebaut. Aber zahlreiche Komponenten wie etwa Ladestationen. An der Fachhochschule Südwestfalen und an der Universität Siegen wird intensiv an Getriebelösungen und am Leichtbau geforscht, das Kompetenzzentrum Fahrzeugelektronik in Lippstadt arbeitet eng mit dem Lichttechnik-Spezialisten Hella aus Lippstadt zusammen.

Der Verkauf von Elektrofahrzeugen kommt aber nicht recht in Gang: das Reichweitenproblem, das Ladeproblem und das Kostenproblem bleiben ungelöst, um nur die wichtigsten Probleme zu nennen. Nun hilft die Bundesregierung nach. Mit Privilegien wie freie Fahrt für Elektrofahrzeuge auf Busspuren, reservierten Parkplätzen, Sonderkennzeichen. Mit dem Elektromobilitätsgesetz sollen E-Autos aus ihrem bisherigen Nischendasein herausgeholt werden. Reicht das aus?

Die Energie muss grün sein

Nicht allein, meinen Vertreter südwestfälischer Zuliefererfirmen. „Um den Verkauf zu fördern, muss jetzt auch eine maßvolle, EU-feste Subventionierung her“, sagt Hans-Peter Assmann, Vertriebsleiter bei der Firma Bals Elektrotechnik aus Kirchhundem, die Komponenten wie Industriesteckvorrichtungen herstellt. Bislang sei der Ansatz falsch: Der Normalverbraucher scheue noch vor dem Kauf eines Elektrofahrzeugs zurück, weil er denke, er müsse damit in einem Rutsch von Kirchhundem nach Italien kommen, so Assmann. Und er bekomme Angst, wenn die Ladeanzeige nach 10 Kilometern von grün auf gelb wechsle. „Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.“

Der E-Experte will auch die Sorge vieler möglicher Kunden mit einem normalen Bürojob vor dem Aufladen nicht gelten lassen. „Dann steht das Auto acht Stunden lang und kann dort geladen werden.“ Dazu brauche man kein Superaufladegerät. Die Städte müssten nur die entsprechende Infrastruktur bereitstellen. Und, nicht zu vergessen: „Die Energie muss auch grün erzeugt werden. Sonst beißt sich das.“

Die Vermarktung beginnt

„Ein guter, sinnvoller erster Schritt - und hilfreich, wenn man merkt, dass man als E-Auto-Fahrer Privilegien hat“, beurteilt Volker Lazzaro, Geschäftsführer beim Ladesteckerspezialisten Mennekes aus Kirchhundem, die Maßnahmen der Bundesregierung.

„Aber das wird den Verkauf nicht dramatisch in die Höhe treiben.“ Das Engagement der Bundesregierung für die Verbreitung der E-Mobilität ist Lazzaro zufolge bislang für Verbraucher noch nicht ausreichend sichtbar geworden: „Das kommt gerade rechtzeitig. Die Vermarktung beginnt jetzt erst richtig.“

Nutzung als Zweitwagen

Wie Assmann zuvor versucht auch Lazzaro, die Vorbehalte zu entkräften. Reichweite? Mit dem Zweitwagen fährt man nicht 150 Kilometer am Tag. Außerdem gebe es ja Hybrid-Autos, bei denen der Benzinmotor anspringt, wenn die Batterie leer ist. Hohe Anschaffungskosten? Die amortisieren sich irgendwann über den Kraftstoffpreis. Ladeinfrastruktur? Auf dem Land hat fast jeder eine Garage.

Braucht es doch Subventionen? Vorsichtige Zustimmung. Lazzaro: „Die Bundesregierung hat sich dafür entschieden, am Standort Deutschland zunächst Forschung und Entwicklung von Elektroautos zu fördern. Andere Länder wie Norwegen und die Niederlande haben sich für Kaufanreize entschieden. Ein kleiner finanzieller Kaufanreiz auch bei uns wäre als Anschubfinanzierung gut.“

Mit Privilegien im Straßenverkehr will die Bundesregierung den Absatz von Elektrofahrzeugen ankurbeln. Das vor wenigen Tagen gebilligte Elektromobilitätsgesetz soll eine Anschubhilfe sein. Es sieht etwa freie Fahrt auf Busspuren, reservierte Parkplätze und Sonderkennzeichen vor. Zufahrtsverbote sollen aufgehoben werden.

 
 

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