Streit um Nazi-Straßennamen in Bamenohl

In Bamenoh sind zwei Straßen nach den völkischen Heimatdichterinnen Maria Kahle und Josefa Berens-Totenohl benannt.
In Bamenoh sind zwei Straßen nach den völkischen Heimatdichterinnen Maria Kahle und Josefa Berens-Totenohl benannt.
Foto: Nossutta
Prof. Dr. Hubertus Halbfas kritisiert in einer Publikation massiv, dass der Finnentroper Gemeinderat die Umbenennung der nach den Dichterinnen Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle benannten Straßen abgelehnt hat. Der beruft sich auf die Anwohner.

Finnentrop..  In der aktuellen Ausgabe der „Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe“ beschäftigt sich Prof. Dr. Hubertus Halbfas in einem Beitrag mit „Nazi-Straßennamen in Bamen-ohl“. Seine Zielscheibe ist der Gemeinderat, der eine Umbenennung der nach den Dichterinnen Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle benannten Straßen in Bamenohl abgelehnt hat.

Zwei laut Halbfas „problematische Sauerlandgrößen, deren „tiefbraune Färbung“ nach den heutigen Erkenntnissen nicht mehr übersehen werden könne. Die Herangehensweise an die Thematik in der Gemeinde Finnentrop lasse „alle politische Vernunft und Verantwortung vermissen“.

Was ist geschehen? Vor einem Jahr hat das Christine-Koch-Archiv am Museum in Eslohe in einer Dokumentation mit dem Titel „Der völkische Flügel der sauerländer Heimatbewegung“ auch die Benennung von Straßen nach Heimatdichtern mit nationalsozialistischem Hintergrund diskutiert und um die Umbenennung nach ihnen benannter Straßen gebeten. Daraufhin beschloss der Finnentroper Hauptausschuss im April, die Anwohner der Josefa-Berens- und der Maria-Kahle-Straße in Bamenohl, die diese Namen übrigens erst im Jahr 1978 erhalten haben, nach ihrer Meinung zu einer Umbenennung zu befragen.

Von der Verwaltung wurden 127 Anwohner und Grundstückeigentümer der Straßen ab 18 Jahren angeschrieben und nach ihrer Meinung befragt. In der Hauptausschusssitzung vom 2. Juli, an der auch einige Anwohner teilnahmen, wurde ein Zwischenergebnis präsentiert. Danach hatte ich bis dahin 50 Personen für die Beibehaltung der Straßennamen ausgesprochen, drei wollten eine Änderung und zwölf hatten sich enthalten.

Die Ratsvertreter Helmig (CDU), Vollmert (FÜR Finnentrop), Melchers (UWG) und Dahlmann (SPD) „hielten das bisherige Umfrageergebnis für eindeutig und sprachen sich für den Fall, dass auch das Endergebnis eine entsprechende Tendenz erkennen lasse, im Namen ihrer jeweiligen Fraktionen für eine Beibehaltung der Straßennamen aus“, heißt es im Protokoll der Sitzung. Und weiter: „Anschließend bat Herr Heß die anwesenden Einwohner im Falle einer Umsetzung des mehrheitlichen Wunsches der Anwohner ... um Rückhalt für den Fall, dass es zu Diskussionen des Themas kommen sollte.“

Nachdem in der Ratssitzung vom 9. Juli bekannt gegeben worden war, dass sich 69 von 92 Teilnehmern an der Befragung für die Beibehaltung der Straßennamen ausgesprochen hätten, während nur neun eine Umbenennung der Straßen wollten, beschloss der Gemeinderat ohne weitere Wortmeldung einstimmig die Beibehaltung der Straßennamen.

Eine Entscheidung, die Prof. Dr. Hubertus Halbfas als „unsägliche Ignoranz und politische Einfalt oder aber als braunes Bekenntnis“ bezeichnet. Für ihn ist „diese Sache keineswegs beendet, sondern nunmehr aktuell eröffnet“.

Weder Bürgermeister Dietmar Heß, der die Akzeptanz eines demokratisch gefassten Beschlusses einfordert, noch die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD oder UWG sehen derzeit einen Anlass, erneut in eine Diskussion um die Straßennamen einzusteigen. „Es sei denn, die Anwohner wollen das ausdrücklich“, so Ralf Helmig (CDU).

Nur Christian Vollmert von der FÜR Finnentrop Fraktion bezeichnet den Ratsbeschluss „als einen Fehler, der korrigiert werden muss. ... Die Gemeinde Finnentrop wäre gut beraten, dem Vorbild anderer Kommunen zu folgen und eine Umbenennung der Straßen in die Wege zu leiten.“

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