Staatsanwältin fordert viereinhalb Jahre Haft

Attendorn/Siegen..  Staatsanwältin Bettina Dickel hat für den Drahtzieher im Attendoner Drogenprozess vor dem Landgericht Siegen eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren gefordert. Der 29-Jährige, der das Amphentamin aus Hagen besorgte, sei in der Attendorner Drogenszene verwurzelt gewesen und habe umfangreiche Kontakte gehabt: „Er war nicht, wie die beiden anderen Angeklagten, neu im Geschäft. Zudem ist er bereits ganz erheblich in Erscheinung getreten.“ In der Tat: Die Zeit zwischen dem 22. und 27. Lebensjahr verbrachte er hinter Gittern, unter anderem wegen schweren Raubes (Überfall auf einen Mann in Ennest).

Alle drei Angeklagten hätten am 2. Februar 2013 ein Kilo Amphetamin im Meinerzhagener Rockermileu verkauft. Für einen 31-Jährigen war es die einzige Tat. Der Attendorner leidet seit 2009 an einer schubweise auftretenden paranoiden Schizophrenie, die bei der Tat aber keine Rolle spielte. Er vermittelte den Abnehmer und überreichte den Stoff. Staatsanwältin Dickel forderte für ihn 15 Monate Bewährungsstrafe und 360 Stunden gemeinnützige Arbeit. Verteidiger Harald Kröning (Attendorn) plädierte für einen minderschweren Fall und ein Jahr Bewährungsstrafe. Er sei nicht vorbestraft, habe nie mit Drogen zu tun gehabt und hätte das Rauschgift nicht beschaffen können.

In der Folgezeit knüpfte ein V-Mann des LKA („Hakan“) in einem Attendorner Fitnessstudio Kontakt zu dem anderen 31-jährigen Angeklagten und fragte nach Drogen. Es kam zu zwei überwachten Deals: Zunächst übergaben der 31- und der 29-Jährige am 3. März 2013 1,2 Kilo Amphetamin an „Hakan“ und den polizeilichen Scheinkäufer „Mario“ am Biggedamm. Als „Hakan“ immer mehr Drogen forderte, sollten am 20. März 11,4 Kilo Amphetamin auf dem Hagebau-Parkplatz in Attendorn übergeben werden. Ein SEK nahm das Duo fest.

Der 29-Jährige habe sich vor Gericht weder von seinen Taten distanziert, noch Reue gezeigt, so die Staatsanwältin. Hintergrund: Er hatte gesagt, dass er Leute hasse, die Drogen nehmen. Zur Frage des Vorsitzenden Richters Wolfgang Münker, warum er denn damit gehandelt habe, meinte er: „Ich nehme es ja nicht.“ Dazu Münker: „Dass andere dabei vor die Hunde gehen, ist Ihnen egal?“ Antwort: „Wenn ich es nicht gemacht hätte, hätte es ein anderer gemacht.“ Verteidiger Udo Klemt (Bergisch-Gladbach) kritisierte die Rolle des V-Mannes: „Er hat die zwei Taten initiiert. Hakan ist nichts anderes als ein Berufsverbrecher, der andere Personen zu kriminellen Handlungen verführt. Das ist eines Rechtsstaates unwürdig.“

Für den 31-Jährigen forderte Staatsanwältin Dickel zwei Jahre zur Bewährung und 3600 Euro Geldbuße. Nach der U-Haft habe er sich geändert. Dies betonte auch Verteidiger André Birkner (Köln), der um ein mildes, bewährungsfähiges Urteil bat: „Er hat seine gesamte Lebenssituation geändert. Er hat eine feste Partnerschaft, wird Vater und hat Arbeit.“ Die große Menge Amphetamin sei nicht von den beiden Angeklagten, sondern vom V-Mann bestimmt worden.

Das Urteil wird am Montag gesprochen.

 
 

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