SPD in Aufruhr

Josef Schmidt
Die SPD im Kreis Olpe ist in Aufruhr. Eine Whats App-Nachricht hat einen Streit um die Bundestags-Bewerberinnen ausgelöst.
Die SPD im Kreis Olpe ist in Aufruhr. Eine Whats App-Nachricht hat einen Streit um die Bundestags-Bewerberinnen ausgelöst.
Foto: ullstein bild
  • Kritik von Bundestags-Bewerberin an Armenien-Resolution löst Streit aus
  • Olper SPD-Chef attackiert Attendorner Kollegen
  • Kreisvorsitzender Gosmann kündigt Rücktritt an

Kreis Olpe.  Um die SPD-Bewerberinnen für den Bundestag, Nezahat Baradari (Attendorn) und Katja Kirmizikan (Olpe), ist ein heftiger Streit entflammt. Im Mittelpunkt eine Whats App-Kritik von Baradari an der Armenien-Resolution des Bundestages und ein vor wenigen Tagen geschriebener dreiseitiger Brief des Olper SPD-Chefs und Kirmizikan-Unterstützers Wolfgang Wigger an seinen Attendorner Kollegen Wolfgang Langenohl, der hinter Baradari steht. Mitten in den Streit platzte dann noch die Nachricht, dass SPD-Kreisvorsitzender Thomas Gosmann für November seinen Rücktritt angekündigt habe, was er am Nachmittag auch bestätigte.

Zurück zum Kandidaten-Zoff: Wolfgang Wigger bestätigte, dass er Langenohl in seinem Brief „eindringlich aufgefordert habe“, Baradari zum Rückzug zu bewegen. Grund: Eine von Baradari Anfang Juni geschriebene Whats App-Nachricht, in der sie die Bundes-SPD heftig für die Armenien-Resolution kritisiert und ihren Partei-Austritt mitgeteilt habe. Wigger gestern: „Ich habe diese Nachricht auf einem Handy selbst gelesen.“

Geschlossene Gruppe

Die Whats App-Nachricht stritt die türkisch-stämmige Baradari gestern auch gar nicht ab, es habe sich aber um die Diskussion in einer geschlossenen Whats App-Gruppe der SPD-Landes-AG Migration und Vielfalt gehandelt, der auch Katja Kirmizikan angehöre. Ihren Beitrag dort habe sie aus momentaner Wut geschrieben. Dass eine solch interne Nachricht in die Öffentlichkeit lanciert werde, sei für sie unverständlich. Baradari: „Das ist ja Gedankenkontrolle.“ Sie bestätigte, in der Nachricht ihren Parteiaustritt mitgeteilt zu haben, aber: „Nach einem halben Tag habe ich den wieder zurückgenommen.“ Ihre Kritik an der Armenien-Resolution müsse man im Zusammenhang sehen. Auf einer Bundeskonferenz der AG Migration und Vielfalt, an der sie 2015 teilgenommen habe, sei eine Resolution gegen den Völkermord aller Völker formuliert worden. Geärgert habe sie dann, dass sich die von der SPD unterstützte Bundestagsresolution nur auf Armenien reduziert habe.

Die Wut-Nachricht, der SPD den Rücken kehren zu wollen, entspreche natürlich nicht ihrer heutigen Position. Sie werde auch keineswegs auf ihre Kandidatur am Samstag verzichten, schon aus Sauerländer Twärsigkeit nicht.

Baradaris Förderer Wolfgang Langenohl war gestern daran gelegen, Brisanz aus der Angelegenheit zu nehmen: „In der SPD-Kreisvorstandssitzung am vergangenen Dienstag ist der Brief thematisiert“ und bereits „viel aus der Welt geschafft worden.“

Rücktritt nur beruflich bedingt

Wenig erfreut über die Auseinandersetzung zeigte sich natürlich auch SPD-Kreisvorsitzender Thomas Gosmann: „Aus Gründen der Neutralität werde ich mich da erst einmal heraushalten.“ So etwas eigne sich nicht zum Vorwahlkampf. Gosmann beteuerte, dass sein für November angekündigter Rücktritt nichts mit dem Kandidaten-Zoff zu tun habe: „Der Rücktritt hat allein berufliche Gründe.“ Die Mehrfach-Belastung mit zwei Anwaltsbüros sei nicht mehr zu stemmen. immerhin sei er auch Kreistags- und Stadtratsmitglied.

Katja Kirmizikan erklärte auf Anfrage: „Über Mitbewerber sage ich grundsätzlich nichts.“ Zum Brief von Wigger an Langenohl sagte sie: „Das müssen die beiden untereinander klären.“

Reinhard Jung der Dritte im Bunde

Der Kreisparteitag der SPD mit Delegierten-Konferenz findet am Samstag, 8. Oktober, in Oberveischede statt.

Die Kandidaten für das Bundestagsmandat sind Katja Kirmizikan, Nezahat Baradari und Reinhard Jung aus Wenden.