Schwuler Schützenkönig ist in Südwestfalen akzeptiert

Seite an Seite beim Umzug: Schützenkönig Thorsten Hyss (3. v. l.) und sein Partner Steven Nöller.
Seite an Seite beim Umzug: Schützenkönig Thorsten Hyss (3. v. l.) und sein Partner Steven Nöller.
Foto: Nicole Voss
Als Thorsten Hyss vor 18 Jahren bekannte, homosexuell zu sein, fühlte er sich von manchem in Saalhausen gemieden. Heute ist er dort der gefeierte Schützenkönig und mit seinem Partner akzeptiert. Nun hofft nicht nur er, dass dieses Beispiel Schule in der Region macht.

Lennestadt.. Drei Jahre ist es erst her, dass Dirk Winter in Münster ins Kreuzfeuer geriet. Damals schoss der Unternehmer den Vogel ab, wurde König der Bruderschaft St.-Wilhelmi-Kinderhaus – und wählte seinen Lebensgefährten Oliver Hermsdorf zum Gemahl. Während die Bruderschaft in Münster das Paar selbstverständlich feierte, durften die beiden beim Bundeskönigsschießen in Ostwestfalen nicht Seite an Seite auftreten. Nur in zweiter Reihe hinter seinem Lebensgefährten durfte Gemahl Oliver Hermsdorf beim Umzug mitlaufen. So verlangte es der Bund der historischen Schützenbruderschaften.

Mit fünf Schritten Abstand voneinander durch den Ort marschieren – das aber kam für Thorsten Hyss nicht in Frage. Am Königsschießen des Schützenvereins Saalhausen wollte er nur teilnehmen, wenn sein Freund Steven Nöller auch mitfeiern durfte. So hat er es im Vorfeld mit dem Vorstand des Vereins abgesprochen.

Unter Zugzwang geraten

Er habe das eigentlich nur so dahingesagt, erzählt er. „Und dann geriet ich auf einmal unter Zugzwang“, wundert er sich selbst ein bisschen über die Reaktionen aus dem Ort. „Jetzt musst du aber auch mitmachen“, sprach man ihm Mut zu, beim Königsschießen tatsächlich anzutreten.

„Hol das Ding runter“, ermunterte man ihn unter der Vogelstange. Wenn es anders gewesen wäre, hätte er nicht ernsthaft gegen vier Konkurrenten um die Regentschaft gekämpft, sagt Thorsten Hyss. Doch als ihm die anderen Rückhalt gaben, ihm bestätigend auf die Schulter klopften, dachte er sich: „Jetzt halte ich bis zum letzten Schuss drauf.“

Bis zum 158. genau genommen. Da kippte der Vogel von der Stange und Thorsten Hyss verschluckte vor Schreck den Kaugummi, den er noch im Mund hatte. „Überwältigend“ sei danach die Stimmung gewesen. Der Jubel, der Applaus hätten wohl nicht geendet, erinnert sich Thorsten Hyss, wenn der Vorsitzende Mathias Heimes nicht irgendwann ermahnt hätte: „Wir müssen auch sehen, dass es weitergeht im Programm.“

Und beim Tanz, da wollte das Königspaar eigentlich nur zusehen. Doch man ließ sie nicht am Rande, wollte die beiden auf dem Parkett sehen. Nur kurz hatten sie am Morgen vor dem Ball zu Hause in der Küche geübt.

Viel Zuspruch hat er an diesem Wochenende bekommen, freut sich Thorsten Hyss. Von Jungschützen, die seinen Mut bewunderten. Von Müttern, die sich für dieses Zeichen bedankten, weil auch ihre Kinder homosexuell sind.

Vieles hat sich geändert

Vieles hat sich also geändert in den vergangenen 18 Jahren, seitdem Thorsten Hyss sein Coming Out hatte. Als er 22 Jahre alt wurde, machte er kein Geheimnis mehr daraus, dass er schwul ist. Und musste erleben, dass damals mancher junger Mann aus dem Ort nicht mehr mit ihm sprach. „Aus Unsicherheit“, glaubt er, „das war nicht böse gemeint und hat sich auch längst gegeben.“

Wie aber wird er jenseits des 2000-Einwohner-Ortes aufgenommen? Werden andere Vereine im kommenden Jahr das Paar einladen, wie es sonst üblich ist? Beim Stadtschützenball der Lennestädter Vereine im Oktober werde es jedenfalls keine Probleme für die beiden geben, zeigt sich Werner Graf zuversichtlich, Vorsitzender der Schützenvereins Milchenbach, der das Fest in diesem Jahr organisiert.

Auch wenn er andere Beispiele aus Südwestfalen kennt, wo schwule Könige eine Frau zum Vorzeigen an ihre Seiten holte. Wo sie allein auftraten. Oder wo man ihnen aus dem Verein nahebrachte, lieber gar nicht ernsthaft auf den Vogel anzulegen. „In Saalhausen hat man es richtig gemacht“, sagt Werner Graf. „Und ich hoffe, dass dieses Beispiel etwas bewirkt.“

 
 

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