Rebekka Borsch - Von Olpe nach Oslo

Rebekka Borsch möchte in das norwegische Parlament einziehen.
Rebekka Borsch möchte in das norwegische Parlament einziehen.
Foto: WP
Für die gebürtige Olperin Rebekka Borsch ist der 9. September 2013 ein magisches Datum. An diesem Tag möchte die 36-Jährige ins norwegische Parlament in der Hauptstadt Oslo gewählt werden. Die Sauerländerin lebt seit zehn Jahren in Norwegen, im Februar 2011 erhielt sie die norwegische Staatsbürgerschaft.

Oslo/Olpe.. Ein Königreich für einen Sitz im Parlament. Rebekka Borsch, gebürtige Sauerländerin, hat ein großes Ziel vor Augen: Am 9. September möchte die 36-Jährige ins norwegische Parlament, den Storting, gewählt werden. Sie wäre der erste Volksvertreter in der höchsten Kammer, der nicht in dem Land geboren wurde.

Rebekka Borsch wirkt entspannt am Telefon. Erst plaudert sie über die guten alten Zeiten als Redakteurin bei dieser Tageszeitung, dann über ihre spätere Karriere als Politikerin. Enthusiasmus klingt aus ihrer Stimme, auch wenn sie weiß, dass der bisherige, schon sehr anstrengende Wahlkampf im vergangenen dreiviertel Jahr ein Klacks gegen die heiße Phase ist, die in dieser Woche begonnen hat. „Mein Leben ist zurzeit im Ausnahmezustand“, sagt sie.

Spitzenkandidatin

Rebekka Borsch ist Spitzenkandidatin der Partei „Venstre“ in Buskerud (250 000 Einwohner), einem von 19 Landesteilen in Norwegen. „Eine liberale Partei mit grünem Einschlag“, erklärt die gebürtige Olperin, die für den Wahlkampf zwei Monate unbezahlten Urlaub genommen hat. „In nationalen Medien werde ich als politisches Talent gehandelt“, sagt die 36-Jährige und muss lachen. Im Ernst: Die Frau, die seit zehn Jahren in Norwegen lebt und im Februar 2011 die Staatsbürgerschaft erhielt, mischt mit ihrer Dynamik eine von Männern dominierte Politik auf.

Ihr Gesicht prangt von dem großen Wohnmobil, mit dem die Wahl-Norwegerin auf große Wahlkampftour geht. In der vergangenen Woche hat sie 1200 Kilometer zurück gelegt. Beim Wahlkampf auf norwegisch: Hände schütteln, Reden halten, Betriebe und öffentliche Einrichtungen besuchen, Interviews geben und an TV-Diskussionen teilnehmen.

Normalerweise arbeitet Rebekka Borsch in der nationalen Umweltbehörde, vergleichbar dem Umweltbundesamt. Sie koordiniert die Zusammenarbeit mit dem Umweltbüro der EU. Eine Zeitung hat sie kürzlich als Mitglied eines Schattenkabinetts präsentiert - als Umweltministerin. Mit der typischen Sauerländer Zurückhaltung lässt die 36-Jährige die Kirche im Dorf: „Erst einmal muss ich den Sprung ins Parlament schaffen. Was danach kommt, darüber spekuliere ich doch jetzt nicht.“

Norwegen hat sich verändert

Umfragen zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit derzeit bei 60 Prozent, dass Rebekka Borsch in das Storting einziehen kann. „Ich will verhindern, dass die rechtspopulistische Partei an die Macht kommt“, nennt das „Venstre“-Mitglied seine Motivation. Sie ist vor wenigen Jahren in die Politik gegangen, um etwas zu verändern. Nach den Anschlägen am 22. Juli 2011 haben Politiker von mehr Offenheit und mehr Toleranz geredet. „Das ist nicht eingetreten, auch wenn sich Norwegen danach verändert hat“, sagt Rebekka Borsch.

Die Journalistin spricht fließend norwegisch, denkt in dieser Sprache und wohnt 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, direkt am Oslofjord. Bei so viel Natur schweifen die Gedanken immer mal ins Sauerland. „Olpe ist das Zentrum der Familie, hier leben meine Eltern und mein Bruder.“ Nach der Wahl hat sie wieder Zeit für einen Besuch. „Dann ist mein Leben wieder strukturiert. So oder so.“

Rebekka Borsch ist längst in ihrer neuen Wahl-Heimat angekommen, weit entfernt vom Sauerland. Vermisst sie denn gar nichts? „Oh doch! „Brot, Teilchen und ein bisschen Aufschnitt.“

 
 

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