NRW-Minister warnt davor, Digitalisierung zu ignorieren

Josef Schmidt
Siegfried Koepp (rechts), Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes für den Kreis Olpe, bedankte sich bei NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin für den ebenso informativen wie humorvollen Vortrag.
Siegfried Koepp (rechts), Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes für den Kreis Olpe, bedankte sich bei NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin für den ebenso informativen wie humorvollen Vortrag.
Foto: WP
Garrelt Duin, NRW-Wirtschaftsminister, war zu Gast bei der Unternehmertagung in der Stadthalle Olpe.

Olpe.  „NRW - Heimat von Wirtschaft und Arbeit 4.0“ - wer befürchtet hatte, es könne ein eher trockener Abend bei den Unternehmern des Kreises Olpe werden, wurde positiv überrascht. Trocken ja, aber reichlich ausgestattet mit trockenem ostfriesischem Humor, bewies NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin, der Hauptredner des Abends, dass er auch politische Gegner mit mittelständischem Industrie-Verständnis und einer gehörigen Portion Charme auf seine Seite ziehen kann.

Duin ließ keinen Zweifel daran, wie ernst ihm das Thema ist. Dabei übernahm er eine wesentliche Kernaussage seines Vorredners Siegfried Koepp, der die Gäste zuvor mit seinen industrie- und arbeitsmarktpolitischen Positionen vertraut gemacht hatte: „Alles, was digitalisiert werden kann“, so Koepp und Duin gleichlautend, „wird auch digitalisiert werden.“

Keine Börsen-Blase

Dabei, so Duin, handele es sich keineswegs um eine New-Economy-Blase an der Börse, die irgendwann platzen werde, sondern: „Jeder Lebens- und Wirtschaftsbereich wird sich dauerhaft radikal verändern.“ Der Einzelhandel habe bereits seine Erfahrungen gemacht, und Geschäftsleute, die das ignorierten, seien schlecht beraten. Onlinehandel könne man gut oder schlecht finden, aber: „Das Ding kriegen wir nicht wieder zurück gedreht.“ Statt darüber zu jammern, sei der Einzelhändler gut beraten, Strategien zu entwickeln, mit einer eigenen Online-Plattform Kunden zu halten und vielleicht wieder für den stationären Laden zu interessieren.

Duin warnte auch die vielen Unternehmer im Saal: „Es ist ein Riesenfehler, insbesondere im Mittelstand, sich auf den Standpunkt zu stellen: Damit haben wir nichts zu tun.“ Zu sagen: „Ich biege Blech, und das werde ich auch weiter tun“, werde langfristig kaum funktionieren. Wenn, wie eine Umfrage ergeben habe, mehr als 40 Prozent der hiesigen Unternehmer nicht planten, in diese Digitalisierung zu investieren, so der Minister, „ist das bedenklich.“

Die Landesregierung wolle gegensteuern - unter anderem mit 4.0-Kompetenzzentren. Bisher sei die Region noch nicht zum Zuge gekommen, im nächsten Anlauf, so hoffe er, würden aber Fördermittel fließen. Modernste Formen der industriellen Kommunikation, beispielsweise „Maschine spricht mit Maschine“, könne nicht jeder Mittelständler für sich angehen.

Internet-Infrastruktur wichtig

Sollte der eine oder andere Unternehmer Furcht vor illegalem Zugriff aus dem Internet haben, könne die Antwort sein, dass im Ruhrpott, also in überschaubarer Entfernung, Firmen Sicherheitskonstruktionen entwickelten, denen auch der hiesige Mittelständler Vertrauen schenken könne.

Voraussetzung sei natürlich eine leistungsfähige Internet-Infrastruktur. Ein Thema, bei dem der Minister dann auch die Gelegenheit nutzte, NRW zu loben: „Hier sind wir am besten, weiter als Bayern.“ 80 Prozent des Landes verfüge über 50 Mbit. Aber auch hier dürfe man nicht einhalten und den Glasfaserbau voranbringen.

Garrelt Duin - Zahlen und Daten

Garrelt Duin wurde am 2. April 1968 in Leer in Ostfriesland geboren. Er ist seit dem 21. Juni 2012 Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen. Duin studierte von 1987 bis 1995 Rechtswissenschaften und Evangelische Theologie in Bielefeld und Göttingen. Juristisches Staatsexamen 1998. Von 2000 bis 2005 war er Mitglied des Europäischen Parlaments, von 2005 bis 2012 Mitglied des Bundestages.