Nichtraucherschutz: Von positiven Seiten kaum noch die Rede

Gastkommentar von Dieter Mennekes aus Kirchhundem. "Erinnern wir uns einmal daran, wie es bis vor kurzem um die Kneipenkultur in unserem Land bestellt war: Man konnte zwar essen gehen, ohne vollgeraucht zu werden, aber eine rauchfreie Kneipe war selbst in der Düsseldorfer Altstadt kaum zu finden.

Kirchhundem.. Erinnern wir uns einmal daran, wie es bis vor kurzem um die Kneipenkultur in unserem Land bestellt war: Man konnte zwar essen gehen, ohne vollgeraucht zu werden, aber eine rauchfreie Kneipe war selbst in der Düsseldorfer Altstadt kaum zu finden. Wirte, Kellner und Barkeeper gehörten zur Berufsgruppe mit dem größten Krebsrisiko – doch das hat niemanden gekümmert. In fast allen Diskotheken wurde gequalmt – zur Freude der Tabakindustrie, die hier Partys und Konzerte veranstaltete, um junge Leute für die Zigarette zu begeistern.

Bei Karnevalsfeiern mussten die Kindertanzgruppen inmitten von Rauchschwaden auftreten und auch in den Schützenfestzelten saßen die Familien im blauen Dunst. Beim Bundesschützenfest 2012 in Hürth war die Atemluft in den Festzelten ähnlich stark mit den Schadstoffen des Tabakrauchs belastet, wie es ältere Mitbürger noch aus den ehemals völlig verqualmten Bordbistros der Deutschen Bahn kennen.

Seit dem 1. Mai ist das anders, und das ist auch gut so. Es ist gut so, weil das neue Gesetz die Gesundheit unserer Bevölkerung schützt. Und es ist gut so, weil es dem Willen der übergroßen Mehrheit unserer Bevölkerung entspricht. Laut einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung wünschen sich vier von fünf Bundesbürger eine rauchfreie Gastronomie. Selbst unter den Rauchern sind die Befürworter des konsequenten Nichtraucherschutzes in der Mehrheit, weil ihnen die Rauchverbote dabei helfen, den eigenen Zigarettenkonsum einzuschränken oder ganz aufzugeben. Wenn in den Kneipen nicht mehr geraucht werden darf, das belegen Daten aus Ländern wie Irland und Italien, dann wird auch zu Hause weniger geraucht.

Von den vielen positiven Seiten des Nichtraucherschutzes ist in den Presseberichten der letzten Tage und Wochen kaum noch die Rede. Was man stattdessen zu lesen bekommt, sind Artikel über die Angst der Wirte vor dem großen Kneipensterben. Die Existenzangst der Wirte ist durchaus berechtigt, doch sie würde keineswegs verschwinden, wenn von heute auf morgen in sämtlichen Gaststätten das Rauchen wieder erlaubt würde. Denn die Krise der Getränkegastronomie hat ganz andere Ursachen als den Nichtraucherschutz. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen viele Wirte stecken, haben etwas mit unserem geänderten Freizeitverhalten, mit steigenden Bierpreisen bei sinkendem Einkommen und mit vielen anderen Faktoren zu tun. Wer etwas tun möchte für den Erhalt der Kneipenkultur in Nordrhein-Westfalen, der muss neue Konzepte für eine zukunftsfähige Getränkegastronomie entwickeln.

Ich habe mir mit meiner Stiftung vorgenommen, hierzu einen Beitrag zu leisten. Ich würde mich freuen, wenn sich Brauereien und andere Branchen, die von der Kneipenkultur profitieren, an dieser Initiative beteiligen."

 
 

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