Nicht zufrieden mit dem neuen Leitfaden

Kreis Olpe.  Bis zum Jahr 2022 sollen in die insgesamt 220 Haltestellen im Kreis Olpe 7,7 Millionen Euro investiert werden. Das sind pro Haltestelle 35 000 Euro. Die Zielvorgabe ist klar: Es geht um den barrierefreien Ausbau dieser Haltestellen. Der Weg ans Ziel allerdings ist unklar. Denn es stellt sich die Frage: DIN oder Leitlinie – Was gilt denn nun?

Der Arbeitskreis Barrierefrei im Kreis Olpe freut sich zwar über das Haltestellenkataster, ist aber zumindest irritiert. Denn für den barrierefreien Ausbau der Haltestellen hat der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd einen Leitfaden herausgegeben, der in seinen Anforderungen hinter denen der DIN-Norm zurückbleibt.

Brief an die Bürgermeister

Da der Arbeitskreis befürchtet, dass sich die Kommunen künftig eher an der Leitlinie als an den DIN-Vorgaben orientieren, „haben wir alle Bürgermeister angeschrieben“, sagt Friedhelm Hoffmann. Er war jahrelang Behindertenbeauftragter im Kreis Olpe, kennt sich also aus und sagt: „Die Belange der Körperbehinderten wurden nicht ausreichend berücksichtigt.“ Und er hat auch Beispiele wie dieses: Laut DIN sind Bänke in Haltestellen mit Rücken- und Armlehnen auszustatten, damit auch ältere und mobilitätseingeschränkte Personen diese nutzen können. Immerhin, so Hoffmann, gebe es im Kreis Olpe 12 000 anerkannte Schwerbehinderte, fast zehn Prozent der Bevölkerung.

Außerdem sind überdachte Stellplätze für Rollstuhlfahrer, Rollatoren und Kinderwagen vorgesehen. Darauf werde in der Leitlinie nicht verwiesen. Man vergesse auch, dass angesichts einer alternden Gesellschaft Bänke mit Rücken- und Armlehnen eben auch für alte Menschen eine klare Erleichterung darstellen würden.

Leider, so Friedhelm Hoffmann, sei die Selbsthilfe aus dem Kreis Olpe nicht an der Erstellung des Leitfadens beteiligt worden. Seine Kritik geht aber weiter: Er habe den Eindruck, dass die im Gesetz angestrebte vollständige Barrierefreiheit bis 2022 dem Vorbehalt der Wirtschaftlichkeit „geopfert“ werde. Wirtschaftlichkeits-Gesichtspunkte dürften aber auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen am öffentlichen Leben keine Rolle spielen. Das sei auch mit der UN-Behindertenrechtskonvention nicht zu vereinbaren.

Zukunftsfester Ausbau

Im Brief an die Bürgermeister, den Friedhelm Hoffmann als Beauftragter für Stellungnahmen des Arbeitskreises Barrierefrei, und Jürgen Dolle, ebenfalls AK Barrierefrei, unterschrieben haben, liest sich die Zielrichtung des Arbeitskreises so: „Es ist in hohem Maße sinnvoll, die Kriterien ‘Stand der Technik’ sowie ‘gültige DIN-Vorgaben’ bei der Ausgestaltung der Verkehrsinfrastruktur zu berücksichtigen.“

Der Verweis darauf erscheint den beiden Mitgliedern des AK wichtig, weil sie nicht sicher wissen, wie bekannt diese DIN-Vorschriften in den Verwaltungen sind. Dabei seien Haltestellen „nur dann zukunftsfest“, wenn sie nach DIN ausgebaut würden.

Besonderer Wunsch

Einen besonderen Wunsch haben Hoffmann und Dolle auch noch: Neu anzuschaffende Busse sollten zwei statt nur einem Platz für Rollstuhlfahrer haben.

Immerhin könne der Hinweis aus dem Kreis von Rollstuhlfahrern, ihnen werde häufiger die Mitnahme in einem Bus verweigert, wenn mehr als ein Rollstuhlfahrer mitfahren wolle, „keinesfalls akzeptiert werden“.

 
 

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