Mundart im Kulturgedächtnis wach halten

Ausführlich und informativ erklärte Peter Bürger den Anwesenden den Wandel im Umgang mit der Plattdeutschen Sprache.
Ausführlich und informativ erklärte Peter Bürger den Anwesenden den Wandel im Umgang mit der Plattdeutschen Sprache.
Foto: Nicole Voss
Der Erhalt der plattdeutschen Mundart stand im Mittelpunkt der Frühjahrstagung des Kreisheimatbundes Olpe auf „Schrabben Gut“ in Silberg.

Kreis Olpe/Silberg..  „Es geht nicht darum, das Plattdeutsche wiederzubeleben. Wir müssen erkennen, dass wir immer weniger werden und das Vorhandene erhalten“, brachte es Kreisheimatpflegerin Susanne Falk bei der Frühjahrsversammlung des Kreisheimatbundes am Samstag im stilvollen Ambiente des Kulturguts Schrabben Gut in Silberg auf den Punkt.

Heimatinteressierte, Heimatpfleger und Mundartsprecher waren der Einladung gefolgt und lauschten gerne den Ausführungen des Theologen, Publizisten und Mitbegründer des Mundartarchivs, Peter Bürger. Der gebürtige Esloher blickte zurück in die Anfänge der ausgiebigen Recherchen im Jahr 1987 mit der Christine-Koch-Werksausgabe.

Es folgten Bücher und rund 300 Interviews, die in vielen örtlichen Mundarten aufgezeichnet wurden. Schnell spannte Peter Bürger den Bogen zum Thema des Tages: Plattdeutsch im demografischen Wandel.

„Beim Generationenwechsel sterben die letzten Mundartsprecher und die jungen kommen nicht nach. Früher gab es in den Familien zehn, elf Kinder – alles Mundartsprecher. Heute sind es maximal drei. Die heutige Generation hat die Sprache nicht mehr im Ohr. Heimatvereine, regionale Kulturgruppen und andere haben Nachwuchsprobleme. Das liegt auch am kulturellen Wandel. Die gute Nachricht ist, dass die jungen Menschen interessiert an der Geschichte sind und begeistert von einer eigenen Sprache im Sauerland.“

Sein Referat stellte Peter Bürger unter verschiedene Themengebiete, angefangen bei der Geschichte. Plattdeutsche Literatur sei erst im 19. Jahrhundert aufgekommen. Ab dem Jahr 1870 „bröckelte“ die Sprache, die bis dahin in allen sozialen Schichten gesprochen wurde, langsam. Mit der Eisenbahn sei auch die Globalisierung gekommen.

Detektivarbeit

Die Sprachgeschichte habe sich gewandelt und Rekonstruktion sei Detektivarbeit. Peter Bürger ermutigte die Heimatfreunde dazu, in ihren Orten Forschung zu betreiben. Er machte auch deutlich, dass es darum gehe, das Plattdeutsche im Kulturgedächtnis wach zu halten, und sagte: „Wir haben keine zuverlässige Beschreibung des Ist-Zustandes. Wünschenswert wäre es, wenn aus jeder Kommune einer überprüfen würde, wo die Muttersprachler sind. Ich würde mich freuen, wenn es Überraschungen gibt.“

Bürger regte an, einen anderen Zugang zur plattdeutschen Sprache als den familiären zu ermöglichen, damit sich auch nachfolgende Generationen damit beschäftigen.

Er riet aber auch, nicht die zu kritisieren, die vielleicht ein paar Silben falsch sprechen. „Lieber Platt mit ein paar Fehlern als gar nicht“, so Peter Bürger, der in diesem Zusammenhang daran erinnerte, dass die Experten Dr. Werner Beckmann und Klaus Droste bereits einen Streit über das richtige Platt unter Elsper Autoren schlichteten. Der Referent mahnte: „Wer nicht kommuniziert, bleibt dumm. Wer nicht teilt, sorgt dafür, dass es verloren geht.“

Sprache hörbar machen

Wünschenswert sei es, lebendige Dinge und Inhalte zu vermitteln und nicht „tote Dinge“ zu konservieren. Nur mit dem Wörterbuch gehe das nicht. Abschließend gab Peter Bürger einige Anregungen. So solle man unter die Ortsnamen die Plattdeutschen Namen setzen, die Lehrer sollten in den Schulen den Unterschied zwischen der Nieder- und der Hochdeutschen Sprache vermitteln und man müsse einen Weg finden, Tonprojekte zu konservieren.

„Wir kümmern uns um die Literaturvermittlung, aber es muss hörbar gemacht werden“, machte Peter Bürger nachdrücklich deutlich.

Susanne Falk bedankte sich für den informativen Vortrag und die guten Anregungen, bevor Ulrike Wesely den Gästen der Frühjahrsversammlung Einblicke in die vielfältige Nutzung des Kulturgutes Schrabben Gut gab, das gleichermaßen Gemeindeheimatmuseum der Gemeinde Kirchhundem ist.

 
 

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