Mobiler Strom für 40 km Reichweite fährt im Kofferraum mit

Olpe/Hünsborn..  Welche Zukunft hat die Elektro-Mobilität? Welcher Treibstoff ist der richtige, welche Technik wird sich durchsetzen? Wird es im Sauer- und Siegerland auf absehbare Zeit eine Wasserstoff-Hochdruck-Tankstelle geben? Alles Fragen, die im Blickpunkt des Besuches von NRW-Umweltminister Johannes Remmel im Olper Technologie-Center (ZTC) von Pof. Dr. Henning Zoz (Olpe/Hünsborn) standen.

Sauerland ein weißer Fleck

Johannes Remmel, der seinen Referenten und Energie-Experten Dipl.-Ing. Klaus Mees mitgebracht hatte, zeigte sich wie Zoz verwundert, dass gerade seine Heimatregion Sieger- und Sauerland in Sachen Wasserstoff-Tankstelle ein „weißer Fleck“ bleiben solle: „Geplant sind sieben bis acht solcher Tankstellen, aber tatsächlich keine hier in der Region“, so der Umweltminister. Sein Ministerium habe nur begrenzte Fördermittel für solche Vorhaben, man könne lediglich Beratungs- und Netzwerkhilfe leisten - u. a. über das Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Netzwerk der Energie-Agentur NRW.

Grundsätzlich zeige er sich fasziniert von der Zoz-Technik, mit Hilfe der relativ kleinen Wasserstoff-Kartuschen ein Elektro-Auto mobil, also ohne stationäre Strom-Tank - aufladen zu können. Gemeint ist der Zoz-Prototyp eines Stromkoffers, der Strom aus einer Brennstoffzelle und sechs Wasserstoffkartuschen erzeugt und in jedem Auto-Kofferraum mitgeführt werden kann. Zoz konnte in diesem Zusammenhang darüber informieren, dass beispielsweise ein mit Batterie betriebener Fiat 500 derzeit eine angegebene Reichweite laut Hersteller von rund 140 km habe, die tatsächliche liege aber nur bei etwa 100 km. Mit dem Stromkoffer „iron bird“ könne diese Reichweite „nach jetzigem Stand um ca. 40 km“ erhöht werden, eine Steigerung.

Grundproblem Massenfertigung

Henning Zoz: „Für die Stromkoffer hätten wir bereits ein Geschäftsfeld, wenn nur zehn Prozent der politisch proklamierten 1 Millionen Elektro-Autos bis 2020 wahr würden und man davon lediglich 1 Prozent (1 000 Stromkoffer) als Kunden erreichen könnte.“

Grundproblem aller E-Mobilitäts-Techniken, so Remmel, sei die Massenfertigung. Sollte dieses wesentliche Problem gelöst sein, könne er sich vorstellen, dass beide Techniken, Batterie und Wasserstoff, wirtschaftlich nutzbar werden könnten. Damit einhergehen müsse der verstärkte Aufbau einer Infrastruktur für E-Mobilität. In diesem Punkt hinke Deutschland noch hinterher. Remmel: „Die Niederlande sind in diesem Punkt deutlich weiter als wir.“

Referent informiert

Ein auf technische Innovation ausgerichtetes Unternehmen wie Zoz, so der Minister, benötige möglicherweise einen Partner, vielleicht ein Start Up-Unternehmen, das sich auf die Fertigung einer Wasserstoff-Fahrzeugflotte spezialisiere.

Dipl.-Ing. Klaus Mees informierte am Rande des Ministerbesuchs darüber, dass es derzeit nur zwei Wasserstoff-Tankstellen in NRW gebe, eine in Düsseldorf (700 bar) und eine in Köln-Hürth (350 bar), wobei die Kölner Tankstelle sich nicht für die meisten Pkw eigne. Mees zu Zukunftsplänen: „Sechs weitere sind in absehbarer Zeit geplant im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP).“ Bis 2017 sollten es seitens der CEP 50 in Deutschland werden. Die Region Sieger- und Sauerland sei da tatsächlich nicht berücksichtigt.

Investition von rund 400 Millionen

Ein weiterer unternehmerischer Zusammenschluss, die „H 2 mobility“, wolle bis 2017 50 weitere Wasserstoff-Tankstellen errichten, bis 2023 weitere 300. Er halte es für „sehr wahrscheinlich, dass man dann auch in Autobahnnähe im Sieger- und Sauerland etwas hinbekommt.“

Die ungefähren Kosten einer Wasserstoff-Hochdruck-Tankstelle bezifferte Mees auf mindestens 1 Mio. Euro. Bedeute also eine Gesamt-Investition von rund 400 Mio. Euro bis 2023.

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