Mit der Pferdekutsche die Heimat erkunden

Die Sauerländer Freizeitkutscher spannen aus Spaß und Freude an. Die Fahrausbildung von Jugendlichen ist eins der Vereinsziele.
Die Sauerländer Freizeitkutscher spannen aus Spaß und Freude an. Die Fahrausbildung von Jugendlichen ist eins der Vereinsziele.
Foto: WP

Finnentrop..  Sie haben ein Hobby, um das sie viele beneiden, die Sauerländer Freizeitkutscher. Ihr Verein ist sehr aktiv, familien- und freizeitorientiert, spricht alle Altersgruppen von 5 bis 85 Jahren an und man ist stolz auf den tollen Zusammenhalt der 55 Mitglieder. „Deshalb sind wir der Meinung, Verein der Region zu sein“, erklärt Vorsitzender Christian Mette.

Keine Pokaljagd

Die Sauerländer Freizeitkutscher e.V. ist einer von mehr als 40 Vereinen, die an dem Wettbewerb „Verein der Region“, ausgerichtet von unserer Zeitung und der Warsteiner Brauerei, teilnehmen - mit der Chance, 2000, 3000 oder 5000 Euro für die Vereinskasse zu gewinnen.

Doch Geld steht bei den Freizeitkutschern nicht im Vordergrund, auch nicht der Sportgedanke. „Nicht die Teilnahme an Turnieren ist das Ziel unseres Vereins, sondern die Erkundung der Sauerländer Berge bei Strecken- und Orientierungsfahrten unter Einbindung der ganzen Familie. Nur so lässt sich in geruhsamem Tempo wie zu Vorväters Zeiten die Schönheit unserer Heimat quasi hautnah erfahren und man entdeckt Winkel des Sauerlandes, die man mit dem Auto nie zu sehen bekommen würde“, erklärt Christian Mette.

Der Verein ist noch jung, wurde erst 2005 gegründet. Die ganze Sache hat sich aus einem Stammtisch im Gasthof Steinhoff in Finnentrop-Schönholthausen entwickelt, der sich dort jeden ersten Donnerstag im Monat trifft. „Früher war die Hälfte von uns Turnierfahrer, aber das wurde immer aufwendiger und auch teurer, da haben wir uns gedacht, das machen wir nicht mehr mit“, blickt Mette zurück.

Heute steht nicht die Jagd nach Pokalen sondern das Freizeitvergnügen im Vordergrund. Regelmäßig veranstalten die Freizeitkutscher Ausfahrten in allen Teilen des Sauerlandes und laden dazu Kutscherfreunde aus ganz Westfalen ein. Wenn 15 bis 35 Gespanne, vom Shetlandpony bis zum Kaltblüter, durch Wald und Flur fahren, ist das auch heute noch jedes Mal ein Hingucker.

Einen festen Platz im Terminkalender hat die Seniorenfahrt mit den Bewohnern des Altenheims Störmanns Hof in Eslohe. Mit Kutschen und Planwagen geht es zum Picknick ins Grüne, ein Spaß für Senioren und Kutscher.

Nicht jeder der 55 Mitglieder besitzt selber Pferd, Kutsche, Trailer etc. Mette: „Ein eigenes Gespann ist bei uns keine Pflicht, viele fahren aus Spaß an der Freud mit, helfen dafür beim Anspannen, Aufladen und so weiter. Unser Hobby ist nicht so elitär wie es sich anhört.“ Deshalb kann jeder Mitglied werden. Und wer den Mitgliedsantrag unterschreibt bringt meist die ganze Familie mit. So kommt der Verein auf eine Frauenquote von 50 Prozent.

Aber es ist auch nicht so ungefährlich und einfach, wie es sich anhört. Unfälle mit Kutschengespannen kommen immer wieder vor. Deshalb widmet sich der Verein auch intensiv der Jugendausbildung, entweder auf dem Fahrplatz in Schönholthausen oder im Rahmen des Jugendsommercamps. Mette: „Es ist nicht damit getan, sich einfach auf den Kutschbock zu setzen und los zu fahren, da gehört schon ein bisschen mehr zu.“

So wird der Kutschernachwuchs von den „alten Hasen“ gründlich ausgebildet, streng nach den Anforderungen für das „Kleine Deutsche Fahrabzeichen“ und nach dem deutschen Fahrsystem von Benno von Achenbach aus dem Jahr 1850. Mette: „Das ist bis heute so etwas wie die DIN-Norm für das Kutschefahren, alle Reformversuche gingen in die Hose.“

 
 

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