Mit 50 Mio.-Projekt rein in die Zukunft

Prof. Dr. Henning Zoz hält die Batterie-Technologie für die Autoindustrie nicht für zukunftsfähig.
Prof. Dr. Henning Zoz hält die Batterie-Technologie für die Autoindustrie nicht für zukunftsfähig.
Foto: WP

Hünsborn. Auf den Hinweis, dass ihn manche Leute vermutlich für verrückt hielten, wenn sein neuerlicher Plan öffentlich werde, winkte Prof. Dr. Henning Zoz, Unternehmer aus Hünsborn, gestern nur ab: „Das bin ich gewohnt.“

Was der Spezialist auf dem Gebiet der Nanotechnologie jetzt plant, hat in der Tat Dimensionen, die ungläubig aufhorchen lassen: Zoz will ein grundlastfähiges, CO 2-freies Kraftwerk auf dem Gebiet der Gemeinde Wenden bauen, das nicht nur umweltfreundlichen Strom mit Hilfe von Wind- und Solarkraft erzeugt, sondern auch Wasserstoff in großen Mengen produziert. Investitionsvolumen grob geschätzt - mindestens 40 bis 50 Mio. Euro. Interesse hat auch die Politik angemeldet: Heute ist NRW-Umweltminister Johannes Remmel in Hünsborn zu Gast.

Selbstvertrauen für das südwestfälische Megaprojekt ist jedenfalls reichlich vorhanden. Zoz: „Was dann hier in Hünsborn entsteht, ist wegweisend für die Branche. Warum soll so etwas nur in Silicon Valley möglich sein?“ Und weiter - mit Blick auf die Wasserstofftechnik: „Wir wollen aus Südwestfalen nicht eine grüne, sondern gleich eine blaue Oase machen.“ Die Technik, ist der Unternehmer sicher, sei die „Zukunft der künftigen Fortbewegung“, somit auch auch der gesamten Automobil-Industrie. Gemeint sind Fahrzeuge, die nicht mit den bisher bekannten Lithium-Ionen-Batterien betrieben werden, sondern mit Wasserstoff gespeisten Brennstoffzellen.

Die kalkulierten Kosten für das Kraftwerk belaufen sich auf über 60 Mio. Euro, dank der üblichen Rabatte für Großeinkäufe rechnet Zoz aber „nur“ mit rund 40 bis 50 Mio. Euro. Benötigte Gesamtfläche: rund 60 Hektar. Fünf oder sechs Windkraftanlagen und eine Solaranlage (4/5 Wind/1/5 Solar) produzieren über 16 Mio. kW/h Strom pro Jahr - alles auf dem Gebiet der Gemeinde Wenden, deren Bürger sich, nach dem Vorbild einer Genossenschaft, an der Anlage beteiligen können sollen.

Die Kraftwerkstechnik: Der erzeugte Strom fließt zum größten Teil ins Netz, dient aber zu einem gewissen Prozentsatz mit Hilfe von „Elektrolysern“ der Herstellung von Wasserstoff. Speichertanks nehmen den Wasserstoff auf, wo er auf seine „Rückverstromung“ wartet, wenn „eben mal kein Wind weht und keine Sonne scheint.“ 60 Tanks, die Platz in großen Schiffs-Containern finden sollen, müssen dafür her, die Elektrolyser verrichten ihre Arbeit in etwa 10 Containern. Der eigentliche Clou: Der gewonnene Wasserstoff kann letztlich auch in kleine Tanks für die Elektrofahrzeuge der Zukunft abgefüllt werden.

Diese Tanks - made by Zoz - gibt es schon. Sie sind aus glänzendem Metall, Weinflaschen groß und erinnern an die Kartuschen aus Wassersprudlern. In den Mini-Tanks saugt ein Spezial-Nanopulver den Wasserstoff an und gibt ihn bei Wärme wieder ab.

Dass das System funktioniert, hat Zoz schon bewiesen - mit dem kleinen Motorroller „ISIGO H 2.0“.

Und was im Roller geht, soll auch im Auto möglich sein. Wasserstoff, so Zoz, sei um rund 50 Prozent günstiger als Diesel, und ein Kleinwagen mit Wasserstofftechnik müsse mittelfristig für 20 000 bis 25 000 Euro zu bauen sein. „Da ist noch jede Menge Musik drin“, schwärmt Zoz mit Blick auf die Entwicklungsmöglichkeiten im Vergleich zur Batterie, die kaum kleiner und billiger werden könne: „Die Politiker hoffen da vergeblich auf eine Entwicklung wie beim Handy. An den Grundlagen der Chemie kommt aber keiner vorbei.“

All das will er heute Johannes Remmel nahe bringen, der Wirtschafts- und Energieexperten im Schlepptau hat.

Denn ohne die Politik, weiß der Unternehmer, „ist das Projekt nicht zu stemmen. Ich stelle mir vor, dass das Land eine Bürgschaft gibt, auf deren Grundlage ein Banken-Konsortium finanziert.“ Die heimische Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden habe schon abgewunken - eine Nummer zu groß.

Wer übrigens glaubt, Zoz denke für sein Mega-Projekt eher langfristig, liegt falsch. Mit den ersten Arbeiten für die Infrastruktur (Straßen, Gebäude etc.) will er bereits Mitte 2012 beginnen. Schon 2014 soll das Kraftwerk in Betrieb gehen.

 
 

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