Misshandlung: Bewährungsstrafen für drei Familienmitglieder

Vor dem Landgericht Siegen wurde  das Urteil gegen drei Mitglieder einer libanesischen Familie gefällt.
Vor dem Landgericht Siegen wurde das Urteil gegen drei Mitglieder einer libanesischen Familie gefällt.
Foto: WR/Franz Luthe
  • Angeklagte haben Opfer geschlagen und Haare abgeschnitten
  • Landgericht Siegen verhängt Bewährungsstrafen
  • Morddrohung gegen Schwester nicht bewiesen
Olpe/Siegen. 
  • Angeklagte haben Opfer geschlagen und Haare abgeschnitten
  • Landgericht Siegen verhängt Bewährungsstrafen
  • Morddrohung gegen Schwester nicht bewiesen

Das Siegener Schwurgericht verkündete die Urteile gegen die drei Mitglieder der libanesischen Familie, die am 7. Januar 2014 gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Vater in die Wohnung einer Olper Bekannten gestürmt waren und sie misshandelt hatten: Dreimal Freiheitsstrafe mit Bewährung.

Mutter, Tante und Sohn verurteilt

Gegen die Mutter wurde wie beantragt ein Jahr verhängt, die Tante erhielt neun Monate und der 34-jährige Sohn und Neffe ein Jahr und fünf Monate.

Der junge Mann und die beiden Frauen wurden jeweils für schwere gemeinschaftliche Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung verurteilt. Hintergrund der Tat sei die angeblich verletzte Familienehre gewesen, stellte die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach fest und betonte, dass sich die Entscheidung vor allem auf die Aussage des Opfers stütze.

Die Überfallene habe die Vorgänge über die Jahre konstant und glaubwürdig geschildert, sei damals in Todesangst gewesen. Die drei Angeklagten hätten vielleicht keinen konkreten Plan bis in alle Einzelheiten gehabt. Es sei aber klar, dass es um eine Abreibung gegangen sei, das Opfer sei, warum auch immer, von der Familie als Verantwortliche für die im Internet aufgetauchten Fotos der Schwester des Angeklagten ausgemacht worden, „obwohl sie ja eigentlich gar nichts damit zu tun hatte“.

Zeichen der Verachtung durch wütende Frauen

Die Mutter habe das Opfer geohrfeigt und die Tante die Haare abgeschnitten. Das sei ganz klar als Zeichen der Verachtung gedacht gewesen. Alle Beteiligten hätten die jeweiligen Vorgänge wahrgenommen und keiner habe etwas dagegen unternommen. Das gelte auch für die Zerstörung des Laptops, auf dem die wütenden Frauen die pikanten Fotos vermuteten.

„Sie haben die Taten eingestanden, wenn auch bagatellisiert“, so Elfriede Dreisbach zu den Aussagen von der Tante und des Angeklagten. Es sei aber auch deutlich geworden, dass die Angeklagten das Opfer nach wie vor für die Beschmutzung ihrer Familienehre verantwortlich machten.

Hintergrund Das Gericht sei aber auch sicher, dass ähnliches nicht mehr geschehen werde. Deshalb und weil beide Frauen gesundheitlich schwer angeschlagen sind, verzichteten die Richter auf die vom Staatsanwalt geforderte Verhängung von Arbeitsstunden. Der Angeklagte muss allerdings 1000 Euro an die Geschädigte zahlen, die ihre Wohnung in Olpe direkt nach der Tat verließ und seither in einer anderen Stadt lebt.

Dass er trotz eines früheren Bewährungsversagens doch noch einmal eine Strafaussetzung bekam, begründete Dreisbach mit der positiven Prognose seines Bewährungshelfers und dem Druck, dem der Angeklagte als Sohn in der Familie ausgesetzt gewesen sei.

Keine Beweise für angebliche Morddrohung

Was die außerdem noch angeklagte angebliche Morddrohung gegen seine auf den Fotos zu sehende Schwester angehe, so gebe es aufgrund der Aussageverweigerung dieser Zeugin keine Beweise. Der Angeklagte sei genauso freizusprechen wie bereits sein Bruder im Februar.

 
 

EURE FAVORITEN