Milchbauern im Kreis Olpe fürchten die nächste Krise

Michael Alterauge ist Milchbauer in Drolshagen und kämpft als Funktionär für einen fairen Milchpreis
Michael Alterauge ist Milchbauer in Drolshagen und kämpft als Funktionär für einen fairen Milchpreis
Foto: WP
Nachdem bei den Discountern der Preis für einen Liter Trinkmilch um zehn Cent gesunken ist, befürchten die heimischen Milchbauern einen weiteren Verfall der Erzeugerpreise. Neue Proteste sind nicht ausgeschlossen.

Kreis Olpe. Fünf Jahre ist es her, dass die Milchbauern in der sogenannten Milchwirtschaftskrise auf die Straße gingen und teils mit drastischen Protestaktionen einen Preis von 40 Cent pro erzeugtem Liter Milch einforderten. Nach einem kurzen Zwischenhoch steht jetzt die nächste Milchkrise vor der Tür.

Milchquote fällt Ende März 2015 weg

Verhandlungen zwischen den marktbestimmenden Discountern und den Molkereien hatten eine Senkung des Preises für einen Liter Trinkmilch um 10 auf 59 Cent zur Folge. Da diese Preissenkung von den Molkereien fast komplett an die Milchviehhalter durchgereicht wird, bedeutet das für diese einen Erzeugerpreis, der bald wieder unter 30 Cent liegen könnte. Bei durchschnittlichen Erzeugerkosten von 43,5 Cent pro Liter.

Das ist, obwohl für die heimischen Milchbauern schlimm genug weil existenzbedrohend, noch nicht alles. „Ende März kommenden Jahres fällt die Milchquote weg, dann kann jeder so viel Milch produzieren, wie er will“, erläutert Michael Alterauge, „Milchbauer aus Leidenschaft“ mit 50 Kühen aus Drolshagen und Teamsprecher des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Kreis Olpe sowie Mitglied des Landesvorstands NRW.

Flexible Mengensteuerung

Und das, wo bereits jetzt Milch im Überfluss da ist. Zum einen, weil die Milchbauern in Europa 4,8 Prozent mehr Milch produziert haben als im Vorjahr, und zum anderen, weil die Nachfrage aus China um 1,5 Prozent gesunken ist und das Russland-Embargo mit einem Minus von 1,2 Prozent zu Buche schlägt.

Als Ausweg aus der Misere schlagen Michel Alterauge und seine Kollegen vom BDM die Einführung einer flexi-blen europäischen Mengensteuerung auf der Erzeugerseite vor. Nur so könne ein auskömmlicher Milchpreis auch für kleinere Milchviehbetriebe, wie sie im Sauerland überwiegen, erreicht werden. Hier sei die Politik gefragt.

Auf Gesetze des Marktes setzen

Der große Deutsche Landwirtschaftsverband lehnt das ab und setzt auf die Gesetze Marktes. Er sieht weitere Vermarktungschancen für deutsche Milch auf dem Weltmarkt, fordert dafür aber eine „stärkere Begleitung“, sprich Subventionierung, durch die Bundesregierung.

Ein Weg, den Michael Al- terauge für falsch hält. „Auf dem Weltmarkt können wir nur mit hochveredelten Produkten bestehen. Wir konkurrieren mit Betrieben in den USA mit durchschnittlich 1100 Kühen. In Neuseeland werden die Tere unter Sonnendächern gehalten, bei uns rechnet man 10.000 Euro Baukosten pro Stallplatz.“

Kampf für fairen Milchpreis

Daher propagiere der Bauernverband immer größere Milchviehbetriebe. Michael Alterauge: „Diese Investitionen kann ein Privatmann nicht stemmen. Das können nur Investoren“. Wie die weltweiten Lebensmittelkonzerne, die selbst in die Milchproduktion einsteigen und zukünftig durch eine Monopolisierung auch die Preise diktieren könnten. Das wäre dann nicht im Sinn der Verbraucher.

Michael Alterauge und seine Mitstreiter wollen keine Subventionen, sondern einen fairen Preis für die Milch, damit sie von ihrem Produkt leben können. Dafür werden sie auch wieder auf die Straße gehen.

Preis für Alterauge

Für seine besonderen Verdienste im Einsatz um eine nachhaltige und gerechte Milchproduktion wurde Michael Alterauge kürzlich mit der „Goldenen Faironica“ ausgezeichnet. Diese Kunstkuh ist das Symbol der europäischen Milchbauern für einen kostendeckenden Milchpreis.

 
 

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