Lebenshilfe in Wenden gewinnt DHG-Preis

Bewohner, Betreuer, Gäste, Laudatoren und Bürgermeister Bernd Clemens freuen sich über den dritten DHG-Preis für die Lebenshilfe in Wenden. Die Urkunde wird einen Ehrenplatz im Haus bekommen.
Bewohner, Betreuer, Gäste, Laudatoren und Bürgermeister Bernd Clemens freuen sich über den dritten DHG-Preis für die Lebenshilfe in Wenden. Die Urkunde wird einen Ehrenplatz im Haus bekommen.
Foto: WP

Wenden..  Viele fröhliche Gesichter und gut gelaunte Menschen gab es gestern Nachmittag in der Wohnstätte Wenden der Lebenshilfe. Aus gutem Grund: Das Haus, bzw. die Tagestruktur des Hauses, wurde für ihr Projekt „Wir sind Wendener“ mit dem dritten DHG-Preis der Deutschen Heilpädagogischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Die Ausschreibung mit dem Titel „Leben im Alter gestalten. Teilhabe von älteren Menschen mit geistiger Behinderung und hohem Unterstützungsbedarf“ war wie zugeschnitten auf die Wendener Einrichtung. Zwar nehmen die Bewohner regelmäßig und wie selbstverständlich an den kulturellen Veranstaltungen und am sozialen Leben in der Gemeinde teil, doch das Projekt „Wir sind Wendener“, durchgeführt von Svetlana Neumann und Monika Quast-Schneider, geht noch einen großen Schritt weiter zu mehr Nähe, Verständnis und Solidarität zwischen Menschen mit und ohne Handicap.

Tatkräftig anpacken

Die Nutzer der Tagesstruktur - Durchschnittsalter 62 Jahre - besuchten mit ihren Betreuerinnen ausgesuchte Geschäfte und Einrichtungen, „aber nicht nur, um diese zu besichtigen, sondern um tatkräftig mit anzupacken“, so die Leiterin des Hauses Miriam Köster. So wurde in der Pizzeria Roma Pizza gebacken, belegt und gegessen, im Eiscafé „Escada“ übten sich die Bewohner als Eismacher, im Blumenladen „Violla“ lernten die Behinderten schöne Sträuße zu binden, bei Blumen Risse wurde ein farbenfrohes Fotoshooting durchgeführt, im Zoogeschäft die Tiere gestreichelt und der Besuch des Kindergartens „Arche Noah“ in Hünsborn mündete mittlerweile in einen Kooperationsvertrag mit regelmäßigen Besuchen.

Das Projekt gab den Bewohnern die Chance ihren Sozialraum durch Begegnung, Dialog und kreatives Tun näher kennen zu lernen, zu erweitern und mitzugestalten. Andererseits half das Projekt „Berührungsängste und Hemmnisse gegenüber behinderten Menschen abzubauen. Die 23 Bewohner des Hauses sind bei uns in Wenden mittendrin, im Leben und im Ort“, so Bürgermeister Bernd Clemens, der für die Gemeinde gratulierte und allen Beteiligten dankte.

Ebenso wie Monika Oncken, Geschäftsführerin der Lebenshilfe NRW: „Ich bin stolz, solche Mitarbeiter zu haben, die sich einsetzen, dass sich die Bewohner wie zuhause fühlen. Herzlichen Glückwunsch an alle.“ Miriam Köster dankte besonders der Dipl.- Sozialpädagogin Svetlana Neumann, die das Projekt initiiert hatte: „Mit ihrer ansteckenden Lebensfreude ist das Projekt etwas ganz Besonderes geworden.“

Kritische Worte

Die Laudatio zum dritten Platz in dem bundesweiten Wettbewerb hielt Dr. Monika Seifert aus Berlin, Vorsitzende der Deutschen Heilpädagogischen Gesellschaft: „Das Wendener Projekt hat die Kriterien des Wettbewerbs in hohem Maße erfüllt. Durch Ihre Aktion werden Menschen mit Behinderungen viel stärker wahr genommen. Sie sind zu Brückenbauern in der Gemeinde geworden.“

Die Sozialwissenschaftlerin ging aber auch kritisch auf die Entwicklungen im Sozialstaat Deutschland ein. Die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf sei besser geworden. „Aber die Gefahr, dass diese Menschen ausgegrenzt werden, ist nicht gebannt.“ Personalintensive Konzepte würden angesichts knapper Kassen nicht umgesetzt und die Solidarität mit schwächeren gesellschaftlichen Gruppen schwinde zusehend.

EURE FAVORITEN