Künstler an der Kettensäge

Diese Bank vor dem Haus von Ingo Luke (hier mit Ehefrau Tamara) entstand beim Showschnitzen auf dem dritten Weihnachtsmarkt in Biekhofen. Alle Teile sind aus massiver Eiche. Die Sitzfläche und die Rückenlehne stammen aus einem Stück Holz, welches ein geschätztes Alter von ca. 150 Jahren hatte.
Diese Bank vor dem Haus von Ingo Luke (hier mit Ehefrau Tamara) entstand beim Showschnitzen auf dem dritten Weihnachtsmarkt in Biekhofen. Alle Teile sind aus massiver Eiche. Die Sitzfläche und die Rückenlehne stammen aus einem Stück Holz, welches ein geschätztes Alter von ca. 150 Jahren hatte.
Foto: WP
Gelernt hat Ingo Luke bei keinem Geringeren als Shapoor Engineer, dem Weltmeister im Schnellschnitzen mit Kettensäge.

Biekhofen.  Wer an Schnitzen denkt, dem fällt sicher Michel aus Lönneberger aus der Feder von Astrid Lindgren ein, der nach seinen Streichen immer vom Vater in den Schuppen gesperrt wurde und dort Holzmännchen schnitzen musste. Vielleicht denkt man auch noch an eigene Versuche aus der Kindheit, aber an Schnitzen mit Kettensägen denken zunächst die wenigsten. Anders ist es bei Ingo Luke aus Biekhofen. Schnitzen und Kettensäge gehören bei ihm untrennbar zusammen. Der 46- Jährige NC Programmierer fertigt mit seinen drei Kettensägen filigran gefertigte Holzskulpturen. Vom verhältnismäßig einfachen Weihnachtsstern bis hin zu aufwendig gearbeiteten Sitzbank reicht sein künstlerisches Repertoire.

Wie vielen Sauerländern war auch Ingo Luke der Umgang mit der Kettensäge nicht fremd. Brennholz wurde schon in seinem Elternhaus selber gefertigt. Auch als er seine eigenen vier Wände in Biekhofen bezog, war es keine Frage, das Brennholz wird selber im Wald gesägt.

Vor acht Jahren führte ihn und seine Frau Tamara der Weg nach Hof­olpe. Die Papierfabrik Grünewald hatte zum Tag der offenen Tür geladen. Zu dieser Veranstaltung war auch der damals amtierende Weltmeister im Speedcarving, dem „Schnellschnitzen mit Kettensäge“, Shapoor Engineer, eingeladen.

Der Grundstein fürs Hobby

„Der Mann und seine Kunst hat mich vom ersten Augenblick an fasziniert“, kann sich Ingo Luke noch heute lebhaft erinnern. „Ich habe mich lange mit ihm unterhalten.“ Das blieb auch Ehefrau Tamara nicht verborgen und so schenkte sie ihm zum 40. Geburtstag ein Jahr später einen Schnitzkurs bei Shapoor Engineer in Wuppertal. Damit war der Grundstein für sein neues Hobby gelegt. Ab diesem Zeitpunkt war Holz nicht mehr nur ein Brennmaterial, sondern der Rohstoff für ein Kunstwerk.

Zunächst entstanden Werke wie Sterne, Kürbisse, abstrakte Kunstwerke und Tiere aller Art. Eine Katze aus diesen Anfängen schmückt noch heute das Wohnzimmer der Familie.

Das erste große Projekt war schließlich eine knapp zwei Meter große Skulptur in Form einer Hand, die ein Kind beschützt. Sie entstand im Garten des Kinderheims in Österau/Plettenberg. „Als Gegenleistung bekam ich das Restholz dieses Baumes.“

Lärm auf Dauer unerträglich

Das ist nun schon einige Jahre her. Heute schnitzt Ingo Luke auch nicht mehr im eigenen Garten. „Der Lärm war weder für die Familie noch für die Nachbarn auf Dauer erträglich, noch war das Sägemehl im Garten eine Freude“, schmunzelt Ehefrau Tamara. Ein eigener Arbeitsplatz im Wald ist daher ideal. „Außerdem habe ich mir extra einen LKW voller Holz kommen lassen, um das richtige Material für meine Arbeiten zu haben.“

Diese Arbeiten gibt es an vielen Orten in und um Attendorn zu sehen. So steht die „1222“ Sitzbank im Rathaus der Stadt. Die „Woll“ Bank hat ihren Platz auf dem Roscheid. Eine Bank aus geschnitzten Büchern ist in einer Arztpraxis zu Hause. Eine weitere Serie widmet der Künstler dem Attendorner Brauchtum. Iserkopp, das Stadtwappen, die Osterfeuervereine, aber auch als „Hoflieferant“ für den aktuellen Prinzen legte Ingo Luke die Kettensäge an, um dem Prinzen ein zeitlos schönes und einmaliges Kunstwerk zu seiner Regentschaft zu fertigen. „Nach wie vor ist Schnitzen mit der Kettensäge ein Hobby von mir, das ich unglaublich gerne ausführe“, so Ingo Luke, „Ich schnitze alles, was mir Spaß macht oder womit ich anderen eine Freude bereiten kann.“ Ein Traum von ihm und seiner Frau wäre ein Haus mit angrenzender Scheune. „Dann könnte ich Leben und Hobby noch besser verbinden.“

 
 

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